Seit über 20 Jahren macht der in Leipzig geborene Thomas Fritz Jung (43) Theater, hat jede Menge Erfahrung mit großen Stoffen der Literatur – „und dann sowas“. Mit „sowas“ meint der Schauspieler die Reaktionen, die das Stück „10 Plus. Kette und Schluss“ hervorruft. Einerseits Begeisterung mit Standing Ovations, andererseits Empörung und sogar Zwischenrufe während der Aufführung, „damit habe ich nicht gerechnet“.

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Er macht das intensiv, bis zum Frösteln im Publikum

Jung spielt den aus Blumberg stammenden Fußballer Dieter Koulmann, der fünf Jahre lang beim FC Bayern München Spielmacher war, aber im Leben abseits des grünen Rasens scheiterte. Jung lässt in dem Monolog (Autor Gerhard Zahner), „Kulis“ Auf- und Abstieg Revue passieren. Er macht das intensiv, bis zum Frösteln im Publikum. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine Vorstellung von der Tragweite des Geschehens. Himmelhochjauchzend, abgrundtief. Glanz und Gloria, brutaler Einschnitt, mysteriöses Ende. „Das Stück soll die Fantasie der Zuschauer anregen“, sagt Jung. Weil es nicht um dokumentarische Darstellung geht, „sondern um die künstlerische Umsetzung eines Stoffes“. Weil Koulmann aus der näheren Region kommt, weil er gegen Ende der Karriere beim FC Singen und der DJK Konstanz gekickt hat, ist das Interesse groß. Aber es ist auch, wie Jung anmerkt, „von Voreingenommenheit gekennzeichnet“. Ehemalige DJK-Mitspieler haben sich, ohne das Stück gesehen zu haben, in Leserbriefen empört, einer hat die Aufführung gestört. „Aber wir zeigen doch nicht nur den Alkoholiker, sondern auch den Menschen Koulmann“, sagt Jung. Man müsse nur bereit sein für den Perspektivwechsel.

Das Stück verlangt Jung einiges ab

Jung hatte zuvor nie etwas gehört von Dieter Koulmann. Aber er kennt Autor Zahner, der ihm mit dieser Vorlage einiges abverlangt. „Sich da reinzuarbeiten ist viel Arbeit, kostet viel Energie“, hatte er gleich erkannt. Zumal das Stück ja nicht nur um Koulmann gehe, sondern „darüber hinaus etwas erzählt über den Fußball an sich“. Und auch über die Zeit von damals – alles zusammen heute so ja gar nicht mehr vorstellbar.