Um Punkt 21.35 Uhr knallen die Korken im Gästeblock. Die Spieler in Gelb und Blau fallen sich in die Arme oder sinken zu Boden. Konfetti fliegt durch die Luft. 30:26 (11:15) gewinnt die HSG Konstanz beim TV Neuhausen in einem Spiel, das schon so gut wie verloren schien. Doch jetzt feiert der Aufsteiger, singt und hüpft mit seinen Fans. Nach 37 Spieltagen sind sie am Ziel. Die Konstanzer sind auch in der kommenden Saison dabei im Konzert der Zweitligisten.

Die Rechnung vor dem Anpfiff ist eine ganz einfache: Ein Pünktchen fehlt der HSG Konstanz zum Happyend, sprich dem Klassenerhalt. Aus den Boxen der Hofbühlhalle schreien Metallica und Eminem, während sich die Ränge immer mehr füllen. Auf dem Parkett peitscht Matthias Stocker vor seinem letzten Auswärtsspiel im HSG-Dress die Mitspieler ein, beäugt von einer Hundertschaft eigener Fans – wer da nicht heiß ist, der hat seinen Beruf, pardon: im Fall der Konstanzer sein zeitintensives Hobby, verfehlt.

Aber heiß, das waren sie ja immer in dieser Saison, die Jungs von Trainer Daniel Eblen. So auch an diesem Samstag im Metzinger Stadtteil Neuhausen. Heiß und konzentriert wie der Coach, der mit versteinerter Miene darauf wartet, dass es endlich losgeht. Nur noch ein Pünktchen. Und trotzdem spielen die Gäste vom Bodensee gleich mit voller Kraft nach vorne. Doch auch die als Absteiger feststehenden Gastgeber wollen sich bei ihrem letzten Auftritt vor dem Gang in Liga 3 gebührend von ihren Fans verabschieden.

Da sich die Konstanzer gegen die unkonventionell-offensive TV-Abwehr äußerst schwertun, bleiben das frühe 0:1 und das 2:3 von Kreisläufer Chris Berchtenbreiter lange die einzigen HSG-Führungen. Nach dem 3:3 ziehen die Schwaben auf 12:7 (24.) davon. Das ersehnte Pünktchen ist weit weg für die Konstanzer, die sich zudem vom einen oder anderen Pfiff der Unparteiischen aus dem Konzept bringen lassen und nun völlig von der Rolle sind. Mit Kreisläufer Daniel Reusch (70 Tore) und Rückraumspieler Ferdinand Michalik (119) fehlt den Gastgebern ein Duo, das bis dato für gut 20 Prozent der Tore des ehemaligen Erstligisten erzielt hatte. Und doch führen sie zur Pause mit 15:11.

Die HSG kommt stark aus der Halbzeit und verkürzt schnell auf 16:14 (34.), doch Neuhausen hält dagegen und lässt sich auch nicht von der Roten Karte gegen Christian Wahl aus dem Konzept bringen, der nach einem Schlag ins Gesicht von Mathias Riedel vom Feld muss (33.).

Schnell ist so der alte Vier-Tore-Abstand wiederhergestellt. Vor allem der eingewechselte Srdjan Predragovic ist von der Konstanzer Deckung nicht zu bremsen. Mit jeder Minute, die vergeht, wird das erhoffte Pünktchen größer. Konstanz kämpft, Konstanz verkürzt. Es bleibt spannend – und nach vier Paraden des eingewechselten Keepers Stefan Hanemann sowie einem formidablen Dreher von Gregor Thomann sind die Gäste wieder mittendrin im Geschehen – 24:23 (49.). Was für ein Krimi. Typisch HSG, offen bis zum Abpfiff.

Acht Minuten vor dem Ende haben sie ihn tatsächlich, den Ausgleich. 25:25 durch Riedel. Das Pünktchen. Wenig später wird es zum ausgewachsenen Punkt. 25:27. Stocker schnappt sich einen Abpraller und überlupft den Torhüter. Noch fünf Minuten. Hinten hält Hanemann den Laden dicht, auf der anderen Seite sind die dezimierten Gastgeber mit den Kräften am Ende.

So gewinnen die Konstanzer mit 30:26 und belohnen sich in einer grandiosen Aufsteigersaison mit dem Klassenerhalt. Am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Eisenach geht sie dann weiter, die Party, die in Neuhausen mit dem Abpfiff beginnt. TV Neuhausen: Rebmann, Becker (Tor); Stüber (7), Wahl (3), Schoch (4), Klingler (5/3), Keupp, Toom (1), J. Reusch (1), Predragovic (5), Bornemann. – HSG Konstanz: Poltrum, Hanemann (Tor); Schlaich (2), Thomann (6/2), Riedel (5), Flockerzie, Stocker (2), Oehler, Kaletsch (8/1), Gässler, Jud (2), Berchtenbreiter (5), Schweda. – Z: 892.