2. Bundesliga: HSG Konstanz – VfL Lübeck-Schwartau (Samstag, 20 Uhr, Schänzlehalle). – Das bittere Ende bei der 26:27-Niederlage in der Schlusssekunde beim ThSV Eisenach nach einer Sechs-Tore-Führung klang zunächst noch etwas nach bei der HSG Konstanz. Mucksmäuschenstill war es im Mannschaftsbus auf der knapp 500 Kilometer weiten Rückfahrt, so still wie kaum einmal zuvor.

„Das war schon hart“, gesteht Trainer Daniel Eblen. Doch im gleichen Atemzug erklärt er: „Wir sind darüber hinweg. Wir müssen weitermachen.“ Weitermachen mit den guten Vorstellungen nach dem direkten Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga. Bislang war es in jedem Spiel der Konstanzer bis zur letzten Sekunde hochspannend, doch dreimal mussten sie sich nach Niederlagen mit einem oder zwei Toren mit lobenden Worten zufrieden geben.

Den Konstanzern fehlt der „Killerinstinkt“

Vor allem Erfahrung und Coolness scheint einer der jüngsten Mannschaften der Liga zu fehlen. Für den Trainer Bereiche, auf die schwer Einfluss zu nehmen ist. Die Drucksituationen des Wettkampfes lassen sich nur bedingt trainieren, und in der vergangenen Saison blieb der HSG bei oft eindeutigen Spielverläufen in der 3. Liga die Prüfung in Sachen „Killerinstinkt, möchte ich es mal nennen“, so der Trainer, meist erspart. Dann, wenn es um jeden Angriff geht, müssen sich die Gelb-Blauen noch für gute Leistungen belohnen.

Gegen Tabellenführer Hamm gelang dank einer furiosen Aufholjagd schon die erste Überraschung. Als nichts anderes würde ein Punktgewinn gegen den VfL Lübeck Schwartau durchgehen, der mit 82 Gegentoren die beste Defensive der Liga stellt. Neben Dennis Klockmann, Ex-Keeper des THW Kiel und mehrmals als bester Torhüter der Liga ausgezeichnet, stehen viele erfahrene Kräfte, die schon seit Jahren zusammenspielen. Eblen: „Es kommt eine echte Wand auf uns zu. Da benötigen wir mehr Geduld.“

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Das gilt sowohl für die Abwehr als auch den Angriff. Denn die ambitionierte Mannschaft aus der Hansestadt an der Ostsee hat mehr zu bieten als die Top-Defensive. Wenn der 18 Jahre in der 1. Bundesliga beheimatete DHB-Pokalsieger von 2001 aus dem Flugzeug steigen wird, sind mit Piotr Przybecki der vormalige polnische Nationaltrainer, Nikola Potic – serbischer Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung –, der isländische Auswahlspieler Dadi Runarsson und erfahrene Spieler wie Martin Waschull und Markus Hansen dabei.

„Das wird uns vorne wie hinten alles abverlangen“, ist sich Eblen sicher. „Wir werden einiges leisten müssen, um mithalten zu können.“

Lübecks Trainer lobt die HSG Konstanz

In der Vergangenheit jedoch sah Konstanz meist nicht schlecht gegen die Nordlichter aus, die knapp 900 Kilometer zu bewältigen haben. In Lübeck jedenfalls blickt man der Partie mit Respekt entgegen. Piotr Przybecki sagt: „Die HSG hat bis jetzt einen sehr guten Eindruck hinterlassen, hat schnell und mutig gespielt und dreimal denkbar knapp verloren.“ Auf Seiten der Schleswig-Holsteiner erwartet man „eine sehr interessante Partie mit viel Tempo und Kampf“, so der studierte Sportlehrer.

Das zumindest erhofft sich auch sein Gegenüber. Ziel sei es, erklärt Daniel Eblen, „erst einmal über 60 Minuten mitzuhalten. Dafür müssen wir viel arbeiten.“ Verbunden mit der Hoffnung, dass mit den gemachten Erfahrungen der nächste Schritt „auf ein neues Niveau“ gelingen möge.

Daniel Eblen hofft auf ein verspätetes Geburtstagsgeschenk

Denn aller Stille auf der Heimfahrt zum Trotz: Mut geben dürfen die guten Auftritte genauso. Daniel Eblen ruft die Situation vor dem schweren Saisonstart noch einmal ins Gedächtnis, als nicht davon ausgegangen werden konnte, in jedem Spiel gegen die Spitzenmannschaften eine Siegchance zu haben. „Das sind Anzeichen, dass wir gut drauf sind, die Jungs das gut umsetzen und sich nach der Vorbereitung sehr gut entwickelt haben“, sagt der Eblen, der gerade 45 Jahre alt geworden ist.

Wenn es nun wieder laut werden sollte in der Kabine, er könnte es wohl verschmerzen. Das nachträgliche Geburtstagsgeschenk in Form von Zählbarem wäre herzlich willkommen.