Fußball-Bezirksliga Bodensee: Sportlich sorgte das Singener Stadt-Derby in der Fußball-Bezirksliga zwischen dem CFE Independiente und dem Türkischen SV für viel Aufsehen. In einem rassigen Fußballspiel setzten sich die türkischen Gäste dank eines Doppelpacks von Torjäger Babucarr Kugabi mit 2:0 durch und eroberten die Tabellenspitze.

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Großer Wirbel um Instagram-Post

Aber auch abseits des Fußballplatzes sorgte das Stadt-Derby für großen Wirbel. In einem Instagram-Post, der nach der Partie abgeschickt wurde, ist sogar von einem „Eklat“ die Rede. Einige Spieler des TSV Singen sollen nach dem 1:0 an der Außenlinie den Militärgruß in Richtung Haupttribüne entboten haben. Dies sei „eine Botschaft der Befürwortung des momentanen Kriegs vom türkischen Präsidenten Erdogan gegen die Kurden im syrischen Gebiet“, heißt es in dem Beitrag. Die Vorstandschaft des Türkischen SV Singen kommentierte dies umgehend und wies die Vorwürfe vehement zurück, mit der Forderung, den Post zu löschen.

Sigi Özcan.
Sigi Özcan. | Bild: privat

Özcan: „Nicht politisch motiviert“

Sigi Özcan, Teammanager des TSV Singen, bestätigte gegenüber dem SÜDKURIER, dass einige seiner Spieler diesen Gruß nach dem Tor zum 1:0 gezeigt haben. Er stellt aber klar: „Wir lassen Politik aus dem Spiel, das hat im Fußball nichts zu suchen.

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Der Verein hat dazu eine klare Einstellung. Die Jungs haben das am Freitag bei der türkischen Nationalmannschaft gesehen und sich das einfach abgeschaut. Es war ein einfacher Gruß.“ Und Özcan wiederholt mit Nachdruck: „Wir distanzieren uns komplett von politischen Themen.“

Bezirk prüft die Sachlage

Ob die Geste nun politisch motiviert oder als Huldigung an die großen Vorbilder der türkischen Nationalmannschaft gedacht war, spielt für Konrad Matheis keine Rolle. Der Vorsitzende des Fußball-Bezirks Bodensee teilte mit, dass „solche Gesten auf dem Fußballplatz nichts zu suchen haben. Das hat mit Jubel nichts zu tun. Angesichts der politischen Ereignisse in Nord-Syrien ist das ein heißes Eisen und kann allenfalls mit Gedankenlosigkeit erklärt werden“, so Matheis weiter. Ob der TSV oder die betreffenden Spieler mit Sanktionen von Seiten des Bezirks zu rechnen haben, konnte er noch nicht sagen. „Wir werden die Sachlage aber noch genauer prüfen“, sagte der Bezirks-Vorsitzende.

Bernd Häusler, Oberbürgermeister der Stadt Singen.
Bernd Häusler, Oberbürgermeister der Stadt Singen. | Bild: Tesche, Sabine

Singener OB ist irritiert

Ebenfalls auf Unverständnis stieß die Geste beim Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler, der die Partie als Zuschauer im Hardt-Stadion verfolgt hatte und Zeuge des Vorfalls war. „Um es gelinde auszudrücken: Ich bin etwas irritiert. Ein militärischer Gruß hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen“, teilte Häusler mit, der als Oberbürgermeister quasi Hausherr beim Derby war. „Das sind doch keine kleine Buben, sondern erwachsene Männer. Zudem war es meiner Meinung nach keine spontane Aktion, sondern abgesprochen, da der Torwart fast über den halben Platz gerannt ist, um beim Gruß mitzumachen“, erklärt Häusler, der in einem Schreiben an den Vorsitzenden des TSV Singen um Aufklärung gebeten hat.

Nachahmer auch im Ruhrgebiet

Nicht nur im Fußball-Bezirk Bodensee hat der Militärgruß von Cenk Tosun und seinen Nationalmannschaftskollegen Nachahmer gefunden. Im Ruhrgebiet hatte die Pose einiger Spieler von Türkspor Herne schon zu Beginn des Kreisligaspiels gegen den FC Castrop-Rauxel für eine aufgeheizte Stimmung gesorgt. Dies mündete in einen Spielabbruch, nachdem der Linienrichter von Spielern der Herner Mannschaft mit mehreren Schlägen und Tritten niedergestreckt worden sei.

Can und Gündogan „schlechte Vorbilder“

Der Integrationsbeauftragte des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen kritisierte auch das Verhalten der deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can, die das Militärgruß-Bild auf Instagram geliked hatten: „Das hat Wirkung bis in den Kreisligafußball hinunter. Da waren die beiden ganz schlechte Vorbilder.“