Herr Dreide, ist der 1. FC nicht ganz so stark wie anfangs angenommen?

Ich würde sagen, der Realismus ist jetzt wieder zurückgekehrt. Wir haben zwar eine Mannschaft, die technisch auch in der Oberliga über dem Durchschnitt liegt, doch uns fehlt die Routine, denn wir haben, vor allem im Defensivbereich, viele junge Spieler.

Waren die Erwartungen nach dem Verlauf der vergangenen und dem Auftakt dieser Saison vielleicht etwas zu hoch?

Manch einer wähnte sich nach dieser furiosen Verbandsligasaison wohl unbesiegbar. Nun müssen wir erst wieder lernen, mit Niederlagen umzugehen. Die Mannschaft muss wieder verstärkt über den Kampf zurück ins Spiel finden, während wir uns in der vergangenen Runde stets auf unser spielerisches Potenzial verlassen konnten.

Was extrem auffällt, sind die vielen Abwehrfehler. Im Tor steht zwar mit dem 46-jährigen Christian Mendes ein Routinier, davor aber eher Auszubildende mit Potenzial. Ist die Oberliga tauglich als Ausbildungsbetrieb?

Es hat sich schon bei den Siegen über Ilshofen und Reutlingen abgezeichnet, dass die Abwehr vor allem ins Schwimmen kommt, wenn über die Außenpositionen Druck aufgebaut wird. Doch es ist unsere Philosophie, mit jungen Spielern aus der Region zu arbeiten und diese weiterzuentwickeln. Alles andere können wir uns nicht leisten. Das beinhaltet natürlich das Risiko, auch das eine oder andere Spiel zu verlieren. Wir haben eben keine fertigen und teuren Spieler geholt, sondern eher junge.

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Gab es Fehler bei der Kaderzusammenstellung? Es fehlt ja ganz offensichtlich ein Routinier im Defensivbereich, der nicht jede Situation spielerisch lösen will, sondern weiß, wann er auch mal rustikal zu spielen hat.

Aktuell können wir den verletzten Tobias Bertsch nicht ersetzen. Für ihn gibt es in der Region derzeit keine Alternative. Aber wir werden uns umschauen. Auf der einen Seite werden wir unserer Philosophie treu bleiben, auf der anderen Seite werden wir aber auf ein bis zwei Stellen nachbessern. Das scheint sich zu widersprechen, doch von einem erfahrenen Spieler können sich die Jungen viel abschauen, sodass ihre Entwicklung vorangetrieben wird.

Sie haben schon vor der Runde gewarnt, dass man bei einem Fehlstart Ruhe bewahren sollte. Aber mal ehrlich, haben Sie es sich so vorgestellt?

Wenn ich ehrlich bin, sogar noch schlimmer. Wir spielen ja im Wesentlichen mit der Aufstiegsmannschaft. Wir haben jetzt sieben Punkte auf dem Konto, das ist mehr, als ich erwartet habe. Mit dem Torverhältnis bin ich allerdings nicht zufrieden, das ist atypisch für uns.

Nun kommen zwei Spiele mit Derbycharakter gegen den FV Ravensburg und Freiburger FC. Was erwarten Sie?

Gegen Ravensburg spielen wir wieder zuhause, auf einem relativ kleinen Platz, was unserem Pressingspiel entgegen kommt. Und wir denken, dass wir die passenden Mittel gegen die Ravensburger Abwehr gefunden haben. Das aktuelle Team des Freiburger FC ähnelt dem, mit dem er aufgestiegen ist. Daher haben wir da durchaus Chancen auf einen Auswärtssieg. Wenn wir vier Punkte aus den beiden Spielen holen könnten, dann wären wir wieder auf einem guten Kurs. Mit zwei Punkten könnten wir auch leben. Aber auch zwei Niederlagen wären keine Katastrophe.