Handball, 2. Bundesliga: TuS Ferndorf – HSG Konstanz 28:28 (12:16). – Es bleibt dabei. Die Serie der Nackenschläge in den letzten Minuten will nicht enden. Zwar musste die HSG Konstanz nach langer Fünf-Tore-Führung mit der Schlusssirene den 28:28-Ausgleich in Ferndorf hinnehmen, einen eminent wichtigen Auswärtspunkt brachte die Mannschaft aber dennoch mit an den Bodensee und bleibt damit vor dem Highlight am Samstag gegen Gummersbach vor den Abstiegsrängen.

Hadernde Konstanzer

Die letzte Szene, als der Schwede Julius Lindskog-Andersson den finalen, über 52 Sekunden ausgespielten Angriff mit der Schlusssirene noch an Michael Haßferter vorbei gebracht hatte, bot ein schon gewohntes Bild. Ferndorf tanzte wild durch die eigene Halle, die ersatzgeschwächten Konstanzer haderten und ärgerten sich. Es war viel mehr drin – und doch war das Bild zugleich ein paradoxes. Der mit (fast) voller Kapelle spielende Gastgeber freute sich diebisch über den so eben noch geretteten Punkt gegen den Aufsteiger, der auf Kapitän Tim Jud, Torwart Simon Tölke und Linkshänder Joschua Braun hatte verzichten müssen.

Freude kam später

Die Freude auf Gästeseite kam etwas später. Dem wichtigen Punktgewinn konnte Daniel Eblen nach einigen Minuten des Durchatmens durchaus Positives abgewinnen. „Ich finde“, unterstrich der HSG-Cheftrainer, „dass wir es wie das Eichhörnchen machen müssen, das sich auch mühsam ernährt. Das freut sich auch über eine halbe Haselnuss.“ Was seine Mannschaft dabei über rund 50 Minuten bot, war toll anzusehen. Nur zweimal führten die Siegerländer, zu Beginn mit 1:0 und 2:1. Dann wirbelten die Konstanzer durch die als besonders stark geltende Defensive des Gegners.

Hohes Tempo, wenig Fehler

Immer wieder fand die HSG sehenswerte spielerische Lösungen, ging ein sehr hohes Tempo und beging dennoch sehr wenige Fehler. Insbesondere Fynn Beckmann riss mit seinen sechs Toren bei sieben Versuchen immer wieder mit toller Dynamik Lücken in die TuS-Deckung. Der ungarische Junioren-Nationalspieler Aron Czako setzte mit zwei gefühlvollen, zentimtergenauen Hebern weitere spielerische und technische Highlights, während die Abwehr erneut sicher stand. Maximilian Wolf kam so im ersten Durchgang auf über 42 Prozent abgewehrte Würfe.

Konstanz wackelt

Der Lohn: Konstanz marschierte stets vorneweg und sorgte mit dem 9:5 nach knapp zwölf Minuten für Ruhe. Bis in die 38. Minute, bis zum 20:15 lagen die Gäste mit fünf Toren vorn. Doch ausgerechnet die Rote Karte für den kroatischen Abwehrspezialisten Branimir Koloper brachte Ferndorf zurück. Konstanz musste nun öfters in Unterzahl spielen, kam nicht mehr ins Tempo wie zuvor und wackelte nach einem 5:0-Lauf des TuS zum 22:22 bedenklich. In Führung ließ Konstanz den nun berauschten Gegner aber nie gehen. Stattdessen stabilisierte die HSG sich und befreite sich mit viel Leidenschaft wieder aus der Abwärtsspirale. Der nervenstarke Paul Kaletsch setzte mit sicher verwandelten Siebenmetern immer wieder Nadelstiche. Den letzten 52 Sekunden vor Schluss zum 28:27.

Kein Vorwurf vom Trainer

„Wir haben in der ersten Hälfte wirklich sehr, sehr gut gespielt“, lobte Eblen. „In der zweiten haben wir leider wieder zu viele Fehler gemacht. Gerade in der Überzahl machen wir ein paarmal nicht das Tor und bekommen direkt den Gegenstoß.“ Aber, so Eblen: „Wir sind hart am Arbeiten, dass die Fehler weniger werden. Kämpferisch kann man der Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Jeder hat bis zum letzten Tropfen alles gegeben, dann kommt eben das Unentschieden dabei heraus. Auswärts, bei einem fast vollzähligen Gegner, ist das schon etwas Wert.“

Mit dem neunten Punkt im Sack steigt bei der HSG Konstanz nun die Vorfreude auf eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte am Samstag, 20 Uhr, in eigener Halle gegen den VfL Gummersbach. Der Erstliga-Dino zählt mit 13 Deutschen Meisterschaften, fünf DHB-Pokal- und elf Europapokalsiegen sowie zwei Vereinseuropameistertiteln zu den erfolgreichsten Handballvereinen des Landes.

HSG Konstanz: M. Wolf, Haßferter (Tor); Stotz, Schlaich (3), Czako (3), Hild (2), T. Wolf (5), Wiederstein (2), Kaletsch (6/4), Krüger, Maier-Hasselmann (1), Beckmann (6), Keupp, Wendel. – Z: 952.