Hallo Frau Gerg, Sie sind am Samstag in Owingen. Haben Sie sich schon schlaugemacht, wie Sie den dortigen Golfclub finden?

Ehrlich gesagt: nein. Oder besser: noch nicht. Wir werden im Navi unseres Autos ‚Golfclubs’ eingeben und dann passt’s schon.

Wie gut kennen Sie denn die Bodenseeregion?

Gar nicht so gut, muss ich gestehen. Ich war einmal zum Golf spielen in Lindau und da dann auch ein wenig mit dem Radl unterwegs. Aber das ist doch schon ziemlich lange her. Ich freue mich, dass ich jetzt etwas mehr kennenlernen kann von dieser schönen Ecke. Wir kommen ja schon Freitagabend und bleiben bis Sonntag.

Dann müssen Sie am Samstag beim Golfen auf dem attraktiven Platz oberhalb von Überlingen aufpassen, dass Sie sich nicht ablenken lassen. Da gibt es spektakuläre Blicke auf den Bodensee.

Ich kenne das ja aus dem Leistungssport, dass man sich vom Drumherum, egal was es ist, nicht ablenken lassen darf. Ich bin also zuversichtlich: Wenn es landschaftlich schön ist, spiele ich meistens besser. (Michaela Gerg hat Handicap 14,7, Respekt; die Red.)

In Owingen wird zu Gunsten Ihrer Stiftung Schneekristalle abgeschlagen. Erzählen Sie uns, was hinter den Schneekristallen steckt.

Ich habe die Stiftung 2012 gegründet, quasi aus einer Not heraus. Da waren so viele Kinder, die sich Wintersport nicht leisten konnten und wenig Zugang zum Sport überhaupt hatten. Wir unterstützen Förderschulen, Waisenhäuser, Kinderheime und ähnliche Einrichtungen, die sich um sozial benachteiligte oder behinderte Kinder kümmern. Die kommen so in den Genuss von mehreren tausend Sporttagen pro Jahr. Das Angebot beinhaltet auch Sportarten wie etwa Taekwondo oder Trampolinspringen. Auch Schlauchboot-Rafting auf der Isar gibt es. Über Sport sind Kinder besonders gut zu erreichen, und sie sollen Spaß haben. Unser Ziel ist, mitzuhelfen, dass Kinder es schaffen, selbstständiger zu werden und es später leichter haben, ihr Leben ohne fremde Hilfe zu meistern.

Stecken in den Schneekristallen auch eigene Lebenserfahrungen – Sie hatten ja einige Schicksalsschläge zu verkraften?

Ganz richtig. Aus diesem Grund hat sich mein Blick auf die soziale Schiene geschärft. Der Sport ist eine Schule des Lebens, ich habe sehr viel gelernt. Wie man mit Erfolgen, also guten Zeiten, umgeht, aber vor allem auch mit Niederlagen, also schlechten Zeiten. Mich hat der Sport auf diese Weise gelehrt, dass es mehr gibt als Lob und Tadel. Er kann sehr dabei helfen, sein persönliches Leben in den Griff zu kriegen.

In der warmen Jahreszeit Golf, im Winter weiterhin Skisport – wie sportlich sind Sie noch?

(lacht) Alles, was gemütlich ist, mache ich. Ich fahre mit dem E-Bike durch die Berge und entspanne mich beim Yoga. Und im Winter stehe ich natürlich auch weiterhin gerne auf den Skiern.

Auch als aktive Skilehrerin Ihrer Skischule in Lenggries?

Ich leite die Skischule, bin da aber eher im Hintergrund tätig und kümmere mich um die Buchhaltung.

Und Sie geben Vorträge. Was erfährt man da?

Es geht um die sogenannte Worklife Balance, also wie man die Spannungsfelder Arbeit und Privatleben ins Gleichgewicht bringt. Da kann ich Wege aufzeichnen aus eigener Erfahrung mit Höhen und Tiefen. Die gute Botschaft ist: Auch wenn es hakt – man kann sich aus allem herausziehen.

Fragen: Ralf Mittmann