Ringen: Der Kraftsportverein (KSV) Gottmadingen hat einen besonderen Coup gelandet. Volker Hirt, der als Trainer von 2014 bis 2016 mit dem ASV Nendingen dreimal hintereinander Deutscher Mannschaftsmeister wurde, kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der frühere Gottmadinger Oberliga-Ringer und spätere Akteur in der Ersten und Zweiten Bundesliga soll als neuer Übungsleiter seinen Heimatverein in obere Klassen bringen. Von seinem Wohnort im Gottmadinger Weiler Petersburg muss er nur wenige Kilometer zurücklegen, um in die Hebelhalle zu gelangen, wo der Trainings- und Spielbetrieb des KSV stattfindet.

„Wir freuen uns, dass es gelungen ist, diesen erfahrenen und höchst erfolgreichen Trainer zu engagieren. Mit ihm haben wir auch eine klare Strategie. Am Ende eines Dreijahresplans strebt der KSV an, in der Regionalliga zu ringen. Das wäre nach dem jetzigen Stand die zweithöchste deutsche Liga“, betont der Vereinsvorsitzende Rolf Kraus. Zwei Aufstiege sollen also her. Derzeit kämpft die erste Mannschaft in der Verbandsliga Südbaden. Sie wurde in der abgelaufenen Saison Tabellenvierter. Über den nächsten Schritt Oberliga soll der Sprung in die Regionalliga gelingen.

„Wir wollen erreichen, dass die besten Ringer in der Region beim KSV Gottmadingen an den Start gehen. Auch dank der guten Kontakte von Volker Hirt werden wir uns in Gewichtsklassen, in denen wir schwach besetzt sind, verstärken. Die Ringer aus den eigenen Reihen sollen aber weiterhin ihre Chance erhalten“, erklärt Kraus. „Nach zehn Jahren ASV Nendingen war es Zeit, für einen Tapetenwechsel“, betont Hirt. „Außerdem gab es vereinsinterne Unstimmigkeiten über die künftige Ausrichtung, auch in Zusammenhang mit zwei rivalisierenden Ringer-Verbänden“, sagt er. Einige Fälle von Doping-Vorwürfen hatten zudem Anfang 2016 für mächtig Unruhe beim ASV gesorgt. Die Ringer belegten in der letzten Trainersaison von Hirt den vierten Platz bei der Deutschen Meisterschaft.

„Beim KSV Gottmadingen hat sich in den vergangenen Jahren vieles positiv entwickelt. Zahlreiche willige, erfolgshungrige und engagierte Personen haben sich große Ziele gesetzt und eine Basis geschaffen, um wieder an die Erfolge von früher anzuknüpfen. Deshalb kehre ich zurück zu meinen Ringerwurzeln, zum Kern meiner Karriere und zu meinen Freunden“, so Hirt. Mit seinen Erfahrungen, dem Netzwerk und mit großer Motivation wolle er sich im Team einbringen. Das Vereinsziel mache er sich zum persönlichen Ziel, um den angestrebten den sportlichen Erfolg zu erreichen. Er spüre die Euphorie, die auch durch sein Engagement und das neue Konzept bei der Ringerfamilie entstehe, erklärt Hirt.

Der KSV Gottmadingen präsentiert einige namhafte neue Ringer: Florin Gavrila ist mehrfacher Meister in Rumänien sowie WM-Teilnehmer. Gleiches kann auch sein Landsmann Yan Ceban vorweisen. Asghar Laghari hat einen Meistertitel in seiner iranischen Heimat erreicht und wurde 2017 Sieger bei den Stuttgart Open. „Wir haben darauf geachtet, dass unsere neuen Akteure auch charakterlich gut in diesen Verein passen. Niemand vom eigenen Nachwuchs muss aber Angst haben, dass er keine Chance hat, in der ersten Mannschaft zu ringen. Wir wollen vielmehr verhindern, dass große Talente abwandern, weil sie beim KSV Gottmadingen ihre sportlichen Ziele nicht erreichen können“, so Volker Hirt. Außerdem soll auch die zweite Mannschaft in höhere Klassen aufsteigen.

„Wir legen großen Wert auf die Nachwuchsarbeit und wollen ein Kompetenz-Zentrum aufbauen. Der KSV plant eine Talentschmiede als Bindeglied zwischen Schülern und aktiven Ringern und will eine Trainingsbasis für regionale Sportler bieten“, schildert Steffen Mack, selbst erfolgreicher Ringer, der heute als großer Aktivposten in der Vorstandschaft des KSV Gottmadingen und als Trainer tätig ist. Derzeit ringen 40 Jugendliche im Verein und erzielen dabei auf großen Turnieren und deutschen Meisterschaften teils beachtliche Erfolge. „Wir hoffen, die Zuschauerzahlen weiter steigern zu können und ziehen dafür später gerne in die größere Eichendorff-Halle um. Gottmadingen soll wieder zur Ringer-Hochburg werden“, erklärt Rolf Kraus. „Als wichtiges Standbein haben wir auch die Alten Herren, deren Aktivitäten – wie als Helfer – ein Verein dringend benötigt“, betont Vorstandsmitglied Martin Sauter.

Volker Hirts Laufbahn

Die Ringer-Stationen von Volker Hirt: von 1982 bis 1996 KSV Gottmadingen, Oberliga; 1996 bis 2000 KSV Haslach, 1. und 2. Bundesliga; 2000 bis 2003 Germania Weingarten, 1. Bundesliga, 2004 TSV Musberg, Oberliga, 2005 RKG Freiburg, 1. Bundesliga. Größte Erfolge: Vizeweltmeister, mehrfache Teilnahmen an Weltmeisterschaften, fünf Mal Deutscher Meister, fünf Mal Deutscher Vizemeister, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft von 1994 bis 2006.Tätigkeiten und Erfolge als Trainer: 2004 bis 2006 TSV Musberg, seit 2006 SV Nendingen, Aufstiege von der Oberliga in die 1. Bundesliga, 2010 bis 2012 Nationalmannschaft Schweiz; Medaillengewinne von Athleten bei Deutschen und Europa-Meisterschaften; seit 2014 Cheftrainer Griechisch-Römisch Württemberger Ringerverband.