Klack – klack – klack. Schon draußen ist deutlich zu hören, was sich hinter den Türen des Gebäudes im Konstanzer Industriegebiet abspielt. Immer wieder dringt lautes Lachen nach außen, gefolgt von erneutem „Klack – klack – klack.“ Ein Blick auf das große Logo an der Wand verrät: Der Tischfußballclub Konstanz (TFCKN) ist hier zuhause.

Das Logo des Tischfußballclubs Konstanz tragen die Spieler auch auf ihren Trikots.
Das Logo des Tischfußballclubs Konstanz tragen die Spieler auch auf ihren Trikots. | Bild: Svenja Graf

Es ist Mittwochabend und in den Vereinsräumen im ersten Stock messen sich die Spieler in Doppel- und Einzelpartien. Die Griffe der Kickerstangen werden für einen besseren Halt mit Kunststoffbändern umwickelt, dann kann es losgehen. In hohem Tempo fliegen die Bälle nahezu über das Spielfeld und rauschen immer wieder mit einem dumpfen Knall ins Tor. „Wir trainieren aktuell für den Saisonauftakt in der Landesliga„, erklärt Holger Kühl. Der 36-Jährige ist der Vorsitzende des Konstanzer Tischfußballclubs – dem bisher einzigen reinen Kickerverein in der Region mit derzeit 37 Mitgliedern.

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Im Jugendhaus hat alles angefangen

Kühl selbst stand im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal am Kickertisch. „Ich durfte mit meinem Bruder ins Jugendhaus und habe in meinem ersten Spiel richtig auf den Latz bekommen“, erzählt der gebürtige Herrenberger. „Trotzdem war ich von dem Sport sofort begeistert.“ Er blieb am Ball und begann schließlich, bei Turnieren und Liga-Spielen anzutreten. Als Holger Kühl nach Konstanz zog, ging er seiner Kicker-Leidenschaft zunächst in der Innenstadt-Kneipe Casba nach, wo sich seit Jahren zahlreiche Tischfußballfans Abend für Abend in geselliger Runde spannende Partien liefern.

Holger Kühl, Vorsitzender des Tischfußballclubs Konstanz, kickert seit seinem 14. Lebensjahr.
Holger Kühl, Vorsitzender des Tischfußballclubs Konstanz, kickert seit seinem 14. Lebensjahr. | Bild: Svenja Graf

„Die meisten Spieler haben irgendwann mal so angefangen“, sagt Holger Kühl. Wohl auch deshalb haftet dem Tischfußball seit jeher ein etwas muffiges Kneipen-Image an. Der 36-Jährige stellt jedoch klar: „Kickern ist längst viel mehr als das. Es ist ein ernstzunehmender Sport, bei dem Disziplin, Ausdauer und regelmäßiges Training gefragt sind, wenn man oben mitspielen will.“ Um dafür einen geeigneten Rahmen zu schaffen hat er den Verein im Jahr 2013 zusammen mit 13 weiteren Kickerbegeisterten gegründet. „Mit viel Schweiß, Eigenkapital und Herzblut“, wie er heute sagt.

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Seit 2010 ist Tischfußball hierzulande als gemeinnützige Sportart anerkannt. Die professionelle Szene wächst stetig und trägt mittlerweile eine Vielzahl hochrangiger Turniere bis hin zu Weltmeisterschaften aus. Überall gibt es Ligen und Ranglisten auf Landes- und Weltebene.

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„Die Atmosphäre am Tisch ist etwas ganz Besonderes“

Doch was ist so faszinierend am Kickern? „Die Atmosphäre am Tisch ist etwas ganz Besonderes“, erklärt Kühl. „Man schaut seinem Gegner aus nicht einmal einem Meter Entfernung direkt in die Augen. Da spürt man die Anspannung und merkt sofort, ob jemand nervös ist.“ Unsicherheiten lassen sich vor dem direkten Gegenüber nicht verbergen – und werden gnadenlos ausgenutzt. „Aber nur auf sportlicher Ebene“, sagt der TFCKN-Vorsitzende und lacht.

Teilen die Leidenschaft für den Kickersport: Alexander Thimm, Jörg Zurek, Holger Kühl, Seif Sayari und René Fischer (von links).
Teilen die Leidenschaft für den Kickersport: Alexander Thimm, Jörg Zurek, Holger Kühl, Seif Sayari und René Fischer (von links). | Bild: Graf, Svenja

Kickern sei schließlich eine der fairsten Sportarten, die es gibt. „Der Respekt vor dem Gegner ist immer da und die Regeln sind so klar, dass es eher selten zu strittigen Situationen kommt“, erklärt der TFCKN-Vorsitzende. „In solchen Fällen wird dann einfach kurz darüber diskutiert und weiter geht‘s. Dass Spieler richtig aneinandergeraten oder es zu Unsportlichkeiten kommt, wie es zum Beispiel im Fußball immer wieder passiert, kenne ich vom Tischfußball nicht“, so Kühl. Deshalb werde auch nur selten ein Schiedsrichter gebraucht.

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Weitere Argumente für den Sport sind schnell gefunden: „Es ist ein schnelles und sehr dynamisches Spiel, das nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf fordert“, erklärt René Fischer. Der 37-Jährige ist ebenfalls Mitglied im TFCKN und seit vielen Jahren begeisterter Tischfußballer. „Feinmotorik und Koordinationsfähigkeit werden geschult. Das verbunden mit einer Menge Spaß und einem sehr familiären Umgang innerhalb der Szene macht den besonderen Reiz aus“, so Fischer.

Jeder kann sich am Tisch ausprobieren

Der Konstanzer Club kann bereits auf einige sportliche Erfolge zurückblicken. Erst im vergangenen Jahr wurde er baden-württembergischer Vizemeister und auch in der Saison 2020 treten die Kicker des TFCKN wieder in der Landesliga – der höchsten Spielklasse des Tischfußballverbandes Baden-Württemberg – an.

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Holger Kühl hat jedoch auch abseits des Ligabetriebs ein großes Ziel: „Wir wollen den Sport bekannter machen und mehr Menschen dafür begeistern“, sagt er. Die Tür des Vereinsheims stehe deshalb jedem offen. „Ganz egal, ob man schon seit Jahren kickert oder es zum ersten Mal versuchen möchte – jeder, der sich für Tischfußball interessiert, kann einfach mal reinschauen und mitspielen“, so Kühl. Man brauche kein eigenes Equipment und auch eine Vereinsmitgliedschaft sei dafür keine Voraussetzung – auch, wenn der TFCKN gerne weiter wachsen würde, wie der Vorsitzende sagt: „50 Mitglieder sind das nächste Ziel. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen.“

Holger Kühl und seine Vereinskollegen schauen sich auch gern die Partien anderer Tischfußballer an, um sich Anregungen zu holen oder Tricks abzuschauen.
Holger Kühl und seine Vereinskollegen schauen sich auch gern die Partien anderer Tischfußballer an, um sich Anregungen zu holen oder Tricks abzuschauen. | Bild: Svenja Graf

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