Handball, 2. Bundesliga. HSG Konstanz -TSV Bayer Dormagen 31:28 (16:15). – Mit unbändigem Willen und großem Einsatz hat die HSG Konstanz das Duell mit dem TSV Bayer Dormagen vor 1150 frenetischen Fans im Hexenkessel Schänzlehalle verdient mit 31:28 (16:15) für sich entschieden. Zwischen Platz acht und 17, den die HSG belegt, liegen jetzt nur noch zwei Punkte.

Eigentlich war der Ball weg. Das Zeitspiel angedroht. Konstanz in Unterzahl. Paul Kaletsch versuchte es im letzten Pass mit einem Anspiel auf Fabian Schlaich. Der Linksaußen musste werfen, allerdings aus schwierigem Winkel. Doch er packte den Trickwurf aus und bugsierte den Ball mit einem gefühlvollen Aufsetzer per Dreher am Keeper vorbei ins lange Eck. 27:24. Zehn Minuten waren noch zu spielen, doch dieser spektakuläre wie wichtige Treffer war der Startschuss für eine emotionale und stimmungsvolle Schlussphase. Zehn Minuten lang blieben die Fans stehen und peitschten ihre Mannschaft nach vorne.

Genau das hatte ihr Team dringend gebraucht. Denn sechseinhalb Minuten ging nun gar nichts mehr in der Offensive. Der Rückraum war weitgehend abgemeldet durch die leidenschaftlich kämpfende Deckung der dezimierten Gäste, die, mit nur elf Feldspielern angereist, nach 42 Spielminuten auch noch auf Patrick Hüter verzichten mussten. Nach einer harten Entscheidung wurde er mit Rot vom Feld geschickt.

Trotzdem waren es die Gäste vom Niederrhein, die die Steilvorlagen der Konstanzer nutzten und aus den vielen technischen Fehlern per Tempogegenstoß auf 26:27 (52.) verkürzten. Trotz der Unterstützung von den Rängen drohte das Spiel zu kippen. Dormagen war wieder im Aufwind, Konstanz wankte – fiel aber nicht. Weil Maximilian Wolf immer wieder zur Stelle war. Erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt, wurde der Torhüter zum Matchwinner. Mit abgewehrten freien Würfen vom Kreis oder im Gegenstoß rettete er seiner Mannschaft die knappe Führung.

Wenig später hatten sich die Konstanzer befreit und auf 31:27 erhöht, dann platzte es aus den glücklichen Siegern heraus. Mit der Schlusssirene machten sich die aufgestauten Emotionen der letzten Wochen Luft. „Es fühlt sich auf jeden Fall besser an, ein bisschen schwächer zu spielen und zu gewinnen, als immer sehr gut zu spielen und die Punkte abzugeben“, sagte HSG-Trainer Daniel Eblen. Handballerisch habe sein Team nicht das abgerufen, was es könne. Doch das kämpferische Niveau war, so der Trainer, „ganz stark. Danke auch an die Fans. Da waren viele Momente, in denen wir das Publikum gebraucht haben. Ihr wart natürlich da.“

Von Beginn an da war auch Linksaußen Samuel Wendel. Nach seiner Vertragsverlängerung bis 2022 spielte der Österreicher famos auf, traf fast nach Belieben aus schwierigsten Winkeln und stellte früh auf 3:0. Mit einem spitzbübischen Lächeln meinte er später: „Ich habe nach dem letzten Spiel mehr Bälle gefordert. Wenn man eine große Klappe hat, muss man liefern. Das war okay.“ Da der Konstanzer Rückraum sich fast über das gesamte Spiel sehr schwertat, zum Abschluss zu kommen, war es für die HSG umso wichtiger, immer wieder ihre starken Außen zu suchen und zu finden. 16 Mal war die HSG über die Flügel erfolgreich.

Doch am Ende feierte Konstanz den dritten Heimsieg und untermauerte die Stärke im heimischen Hexenkessel. Fortsetzung folgt nach dem nun spielfreien Wochenende, wenn der Tabellenzweite HSC 2000 Coburg am 23. November ans Schänzle kommt.

HSG Konstanz: M. Wolf, Tölke, Haßferter (Tor); Stotz, Schlaich (3), Czako, Hild (2), T. Wolf (6/1), Wiederstein (5), Kaletsch (1), Krüger (1), Maier-Hasselmann (5/1), Beckmann, Jud (2), Keupp, Wendel (6). – Z: 1150.

„Lieber mal nicht so gut spielen und dreckig gewinnen als umgekehrt“

Mit acht Paraden, darunter ein Siebenmeter, und über 38 Prozent gehaltenen Würfen avancierte Maximilian Wolf zum Matchwinner beim 31:28-Heimsieg der HSG Konstanz gegen Dormagen. Im Interview spricht der Torhüter über seinen großen Einfluss und die Rolle der frenetischen Fans

Nachdem Sie zur Halbzeit eingewechselt wurden, sind die Gegenstöße auf Sie zugerollt. Wie kam es, dass Sie vor allem am Ende fast alles weggefischt haben?

Wir können zufrieden sein, weil wir gewonnen haben. Das ist das Wichtigste und das, was zählt. Die erste Halbzeit war schwer, weil wir vorne viele technische Fehler machen. Dadurch bekommen wir zu viele einfache Tore. Die zweite Hälfte war dann auch nicht so optimal. Ich versuche, meinen Job immer bestmöglich zu machen. Heute hatte ich die Chance zu zeigen, was ich kann. Das hat einigermaßen geklappt.

Sind das nicht die Spiele als Torwart, die man liebt? Wenn man den Sieg quasi festhält?

Für mich persönlich ist es natürlich schön, wenn man sozusagen wichtig wird. Für das Team ist es aber auch schön, wenn man das mal nicht braucht. Wenn man einfach mal ein normales Spiel hat, das runterspielt – was wir eigentlich auch können. Aber jetzt freue ich mich natürlich sehr.

War das nach der kleinen Durststrecke – trotz des Punktes in Lübbecke – so etwas wie ein keiner Befreiungsschlag?

Ich weiß nicht. Wir haben immer gut gespielt, viel Lob bekommen – aber trotzdem verloren. Daniel Eblen hat es auch schon gesagt: Lieber mal nicht so gut spielen und dreckig gewinnen als gut spielen und verlieren. Morgen stehen wir sicher glücklicher auf als zuletzt.

Wie sehr haben wieder die Fans in kritischen Phasen auf das Spiel eingewirkt?

Neun Minuten vor Schluss gab es eine Auszeit. Es sind dann alle Fans aufgestanden und haben uns bis zum Schluss nach vorne gepeitscht. Das sind gerade in so engen Spielen die paar Prozent oder paar mehr Körner, die den Ausschlag geben können. Die Fans haben sicher ihren Anteil an diesem Drei-Tore-Sieg. Danke dafür.

Fragen: Andreas Joas