Rudern: Schweißtreibendes Krafttraining, regelmäßige Wettkämpfe und Trainingslager mit durchschnittlich mindestens acht Einheiten pro Woche im Kraftraum und auf dem Wasser: Es ist viel, was einem jugendlichen Nachwuchsathleten im Rudersport abverlangt wird. „Immer die eigenen Ziele vor Augen zu haben“, ist das, was den Konstanzer Schüler Jasper Angl, antreibt, Tag für Tag aufs neue an seine Leistungsgrenze zu gehen. Mit Erfolg: Im Mai dieses Jahres hatte er im 4er-Boot den zweiten Platz bei der Junioren-Europameisterschaft in Krefeld belegt. Im Juni folgte die Deutsche Meisterschaft der U19 in München im 4er- und 8er-Boot, was die erfolgreiche Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Trakai (Litauen) vom 2. bis 6. August bedeutete.

Der gebürtige Konstanzer, mit 1.91 Meter Körperlänge der Kleinste im Meister-Vierer, kam durch seine Mutter, die ebenfalls Ruderin ist, zu diesem Sport. Zuvor war er Basketballer und nahm mit elf Jahren an einem Ruder-Anfängerkurs teil. 2012 trat er dem RV Neptun Konstanz bei, in dem auch Mutter Christel Angl Mitglied ist. Einige Jahre betrieb der Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums beide Sportarten auf Vereins- und Wettkampfebene, bevor er sich mit 14 dazu entschied, sich ganz auf den Rudersport zu konzentrieren: „Als ich pro Woche sechs bis sieben Mal statt zuvor zwei bis drei Mal beim RV Neptun trainiert habe, wusste ich, dass ich mich gegen Basketball entscheiden musste. Ich habe im Rudersport mehr Möglichkeiten gesehen, mich weiterzuentwickeln. “ Neben der Gemeinschaft in Verein und Verband macht die Freiheit auf dem Wasser für Angl die Faszination und die Liebe zum Rudersport aus. Die Phase des Vorrollens, also die Bewegung von der Rücklage in die Auslage, in der die Bootsgeschwindigkeit vor dem nächsten Durchzug aufrechterhalten werden soll, beschreibt er als „das schönste Gefühl, da man quasi über das Wasser fliegt.“

Bei den Deutschen Meisterschaften in München im vergangenen Monat (wir berichteten) fuhr der Elftklässler erst im Vierer und anschließend auch überraschend im Achter als Erster über die Ziellinie. „Als wir zum zweiten Mal als erstes Boot im Ziel waren, war das der bisher glücklichste Moment in meinem Leben“, gibt der ambitionierte Nachwuchsathlet freudestrahlend zu. Kurz vor den entscheidenden Minuten in München war Angl wie vor jedem Wettkampfrennen nervös und aufgeregt. „Die Vorbereitung vor dem Rennen dauert mehrere Stunden, das Rennen an sich dann nur wenige Minuten. Kurz vor dem Rennen mache ich meist Beruhigungs- und Atemübungen und klopfe mir mein Gesicht ab, dann bin ich voll im Tunnel.“

Wenn die Startampel dann das Signal gibt, verschwindet die Aufregung und Anspannung und der entscheidende Leistungskick setzt ein. „Nach 500 von 2000 Metern spürt man schon den ersten Schmerz, besonders in den Beinen, doch dann muss man einfach bis zur Ziellinie durchhalten, um sich für den hohen Trainingsaufwand zu belohnen“, beschreibt Angl die Mühen auf dem Weg zum Erfolg.

Angl trainiert bis zu 14 Einheiten pro Woche, rund 80 Prozent davon auf dem Wasser bei Trainingslagern oder im Landestraining in Breisach bei Freiburg. Seine Eltern unterstützen ihn bei den Wettkämpfen. Mutter Christel ist Physiotherapeutin und behandelt ihren Sohn nach Training und Wettkämpfen. „Meine Eltern und meine Trainer im Verein sind eine ganz wichtige mentale Stütze für mich“, sagt Angl. Auch sein Gymnasium unterstützt ihn immer wieder dabei, den Leistungssport und die Schule miteinander zu vereinbaren. Im nächsten Jahr möchte Angl dort sein Abitur machen, was seinen weiteren Lebensweg angeht, hat er noch keine konkreten Überlegungen angestellt.

Mit dem Rudersport Geld zu verdienen, ist schwer, dessen ist sich Angl bewusst. „An das Geld denke ich auch noch gar nicht. Ich versuche einfach, mein Bestes auf dem Wasser zu geben.“ Die Kosten für die Trainingslager und Wettkämpfe werden vom Verband übernommen oder durch Fördergelder beglichen. Es gab zwar bereits Anfragen von US-amerikanischen Universitäten an ihn, bezüglich möglicher Stipendien, doch der Schüler bleibt bodenständig und heimatverbunden. Er kann sich vorstellen, nach dem Abitur einen technischen Studiengang aufzunehmen.

Zuvor hat er sich aber hohe Ziele im Rudersport gesteckt, die er schon bei der U-19-WM in Litauen im August erreichen möchte: „Das klare Ziel ist Gold“, so die süddeutsche Nachwuchshoffnung, die zusammen mit Elias Kun (Tübingen), Henry Hopmann (Hanau) und Oliver Peikert (Nürtingen) im 4er-Boot mit Steuerfrau Elisa Carnetto (Wetzlar) antritt. Angl ist als 2000er-Jahrgang einer der Jüngsten bei den Wettkämpfen der U19, und auch im nächsten Jahr darf er noch in dieser Konkurrenz antreten. Mit einer erstaunlichen Physis, großem Willen und Trainingseinsatz ist der Medaillenhoffnung in den nächsten Jahren einiges zuzutrauen. „Mein großer Traum sind die Olympischen Sommerspiele“, lässt er in die Zukunft blicken, doch der Weg dahin ist noch weit, weiß der Konstanzer, der heute seinen 17. Geburtstag beim Bundes-Trainingslager in Berlin feiert.

Der Fokus liegt aber erstmal auf der U-19-Weltmeisterschaft in Litauen, wo er Anfang August mit seinem 4er-Boot nach der Goldmedaille für Deutschland greift. Vor dem ehrgeizigen Geburtstagskind liegen allerdings noch vier weitere Wochen intensiver Vorbereitung beim Bundestraining in der deutschen Hauptstadt.