Heute vor 40 Jahren ist Dieter Koulmann gestorben, das ist länger her als sein Leben gedauert hatte. Das Leben des gebürtigen Blumbergers, von 1963 bis 1968 Fußballer beim FC Bayern München, endete am 26. Juli 1979, da war er erst 39. Herzversagen hieß es offiziell, Gerüchte über zu viel Alkohol und Lebensfrust gab es viele, kürzlich erst wurde in Konstanz das Theaterstück „10 Plus. Kette und Schuss“ aufgeführt, ein Monolog, den der Schriftsteller Gerhard Zahner verfasst und der Schauspieler Thomas Fritz Jung gesprochen hat (siehe unten).

Ausnahmetalent beim TuS Blumberg

Der Fußballer Dieter Koulmann. Ausnahmetalent beim TuS Blumberg, abgeworben vom Präsidenten des SC Schwenningen, 1963 entdeckt und zum FC Bayern nach München geschleust von der Trainerlegende Zlatko „Tschik“ Cajkovski. Der kugelrunde Fußballexperte aus Zagreb sieht in dem eleganten Spieler mit dem feinen linken Fuß auf Anhieb seine Nummer 10.

Die 10 trug der Spielmacher

Ja, die 10! Noch heute tragen Stars die 10, etwa der famose Argentinier Lionel Messi oder der fantastische Kylian Mbappé in der französischen Nationalelf. Aber früher war die 10 mehr! Die 10 trug der Spielmacher, der Dirigent, der Mann mit den genialen Ideen. Inbegriff der 10 ist bis heute der große Brasilianer Pelé, der Beste.

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„Ist Koulmann gut, ist Bayern gut“

Und im Sommer 1963 ist plötzlich Dieter Koulmann die 10 bei den Bayern, die allerdings noch nicht die waren, die sie heute sind. Aber mit Koulmann kommt der FCB in die Bundesliga, mit Koulmann gewinnt er den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger. „Ist Koulmann gut, ist Bayern gut“, sagt Tschik. Beides ist oft, ist meist der Fall. Im Zuge des unaufhaltsamen Aufstiegs des FC Bayern schafft es Koulmann auch ins Notizbuch von Bundestrainer Helmut Schön, aber zu jener Zeit gab es hierzulande eine übermächtige Zehn: Wolfgang Overath vom 1. FC Köln.

Zurück in den Amateurfußball

Tortz des Erfolgs schiebt der FC Bayern Koulmann im Sommer 1968 ab. Frauen, Alkohol, unsolider Lebenswandel, Manager Robert Schwan bricht mit Tschiks Liebling, zumal auch Cajkovski selbst den Klub verlässt. Über wenig freudvolle Stationen Kickers Offenbach und MSV Duisburg geht es für Dieter Koulmann zurück in den Amateurfußball. Beim FC Singen erlebt er zwei starke Spielzeiten, an deren Ende zweimal der unglücklich verpasste Aufstieg in die Regionalliga Süd steht. Letzte Station als Aktiver ist in den Siebzigern für zwei Jahre die DJK Konstanz, deren damaliger Mäzen Bruno Armuzzi mit Geldscheinen lockt. Danach ist Schluss mit dem Fußballer Dieter Koulmann. Und wenige Jahre später ist er tot.

„Kuli“ war ein feiner Kerl

Womit wir doch noch zum Theaterstück kommen. Etliche Mannschaftskameraden bei der DJK Konstanz haben sich aufgeregt, ihr „Kuli“ würde falsch dargestellt werden. Er sei weder beim FC Bayern noch bei der DJK ein Alkoholiker gewesen, sondern ein feiner Kerl, der besser kicken konnte als alle anderen. Letzteres stimmt auf jeden Fall, das konnte er ja auch gar nicht verbergen. Schade nur, dass in der Ereiferung der Blick verloren geht dafür, wie in dem Monolog auch Kulis große Erfolge gewürdigt werden. Kein Wunder freilich, wenn man sich das Stück gar nicht angeschaut hatte. Dieter Koulmann war eine 10! Eine viel zu kurze Zeit lang.