Fußball: Höhen und Tiefen hat der SC Pfullendorf erlebt, der am Samstag, 19. Oktober, mit einer Sport-Gala sein 100-jähriges Bestehen feiert. Während der Verein aus der 13 500-Einwohner-Kleinstadt im Oberen Linzgau bis Mitte der 1970er Jahre sich bis auf eine Ausnahme 1947 (verfügter Bezirksliga-Ausschluss wegen fünffachem Nichtantretens durch die französische Besatzungsbehörde) zwischen A-Klasse (heute Bezirksliga) und 2. Amateurliga (heute Landesliga) bewegte, sollte sich das Blatt alsbald in Richtung höhere Gefilde wenden.

Hans-Hermann Krane.
Hans-Hermann Krane. | Bild: Volk, Siegfried

Aufschwung mit Krane

Verantwortlich dafür war der Anfang der 1962 zugezogene Fahrensmann aus dem Westfälischen: Hans-Hermann Krane. Er sollte sich nicht nur als ein tüchtiger Geschäftsmann erweisen, er steuerte zum Gelingen auch sein beachtliches finanzielles Scherflein bei und besaß im Fußball den absoluten Durchblick. Krane hatte auf Drängen seit 1970 die sportlichen Geschicke im Verein übernommen und dabei den Ehrgeiz entwickelt, seinen Verein auf höchster Amateurebene zu etablieren.

1976 Aufstieg in die 1. Amateurliga

So war 1976 mit dem Aufstieg in die 1. Amateurliga Südbaden der Initialfunken geschlagen. Und der Sportclub hielt wacker mit. Als 1978 die darüber stehende Oberliga Baden-Württemberg ins Leben gerufen wurde, spielten die Linzgauer zwei Jahre später mit. Als die drittklassige Regionalliga 1994 neu installiert wurde, erreichten die Pfullendorfer 1998 als Zweitplatzierter der Oberliga unter Trainer Wilfried Ritter über die Aufstiegsrelegation bei der SG Quelle Fürth und dem SV Bernbach die anvisierte Spielklasse.

„Ohne Krane wäre das nie gelungen“

Rückschläge in Form von fünfmaligen Abstiegen zwischen 1980 und 2001 wurden postwendend durch den Wiederaufstieg wettgemacht. Ein Kunststück, das den wenigsten gelingt, und das die exzellenten Fachkenntnisse des im Januar 2019 verstorbenen Managers eindrücklich belegt, der 2010 aus gesundheitlichen Gründen abgetreten war. „Ohne den Fußballkenner Krane wäre das niemals gelungen,“ resümiert der heute 80-jährige Bäckermeister Sigurd Eisele, der 1955 in die Sportclub-Jugend kam und bei den Aktiven mit Krane gemeinsam von 1962 bis 1964 kickte, mit ihm und dem langjährigen Geschäftsführer Manfred Vobiller bis zuletzt privaten Kontakt pflegte.

Zweitbeste Adresse im Verband

Die sportlichen Erfolge führten für den SC Pfullendorf zu einer Sonderstellung im Südbadischen Fußball. Über Jahre hinweg galt der Verein hinter dem SC Freiburg als noble, zweitbeste Adresse im Fußballverband. Verpflichtet wurden namhafte Trainer und Spieler wie Dieter Brozulat (Bundesligaprofi von RW Oberhausen und TSV 1860 München), Kurt Niedermayer (FC Bayern München, VfB Stuttgart), Marco Kurz (VfB Stuttgart, FC Schalke 04 und 1860 München), Helgi Kolvidsson (isländischer Nationalspieler und aktueller Nationaltrainer von Liechtenstein) oder Alois Schwartz (erfolgreicher Coach des Karlsruher SC), um die Bedeutenden zu nennen.

An die Tür zur 2. Bundesliga geklopft

Im Jahre 2000 klopften die Linzgauer als Vizemeister der Regionalliga Süd unter Trainer Frank Wormuth sogar an die Pforte zur 2. Bundesliga. Kühne Pläne zum Stadionausbau mit einer Gegentribüne lagen in der Schublade bereit. Doch Kranes Traum vom Sprung ins Profilager blieb „Pfullendingsda“ – so die Verballhornung der badischen Kleinstadt durch die Rockröhre und Eisern-Union-Hymnen-Schöpferin Nina Hagen – in den beiden Spielen gegen den LR Ahlen (1:1) und beim 1. FC Union Berlin (1:3) verwehrt. Krass war die wirtschaftliche Diskrepanz: Der SCP wies zu jener Zeit mit 1,7 Millionen Euro seinen höchsten Etat aller Zeiten auf, Unions Budget war mit 7,5 Millionen Euro ausstaffiert.

Triumph im DFB-Pokal

Auch wenn der SC Pfullendorf 2006 unter Trainer Michael Feichtenbeiner mit dem 2:1-Sieg über den Bundesligisten Arminia Bielefeld in der ersten Runde des DFB-Pokals seinen wohl größten Vereinstriumph erzielte, sollte spätestens mit dem Rückzug von Hauptsponsor Alno ein schleichender Prozess des sportlichen Niedergangs beginnen. Für die 2008 eingeführte Dritte Liga vermochte sich der SCP durch seinen 17. Tabellenplatz nicht zu qualifizieren, automatisch ging es in der nunmehr viertklassigen Regionalliga Südwest weiter. 2011 schwebte der Verein plötzlich in akuten Finanznöten, die nur in einer konzertierten Aktion der neuen Vereinsführungsriege abzufedern war. 2015 wiederholte sich das Dilemma abermals und trotz einer stattlichen Spielertransfer-Beteiligung an Johannes Flum (der Pfullendorfer Kicker wechselte vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt): Spielergehälter wurden nicht mehr gezahlt, die Versammlung verweigerte dem Präsidium die Entlastung, woraufhin die Vereinsoberen zurücktraten. Mit Marko Barlecaj, Marco Konrad und Ralf Hermanutz sprangen drei ehemaliga Pfullendorfer Kicker als Unterstützer in die Bresche.

Absturz aus der Oberliga

Den Absturz aus der Oberliga (2016) und Verbandsliga (2017) konnten sie aber auch nicht verhindern, mit den Abstieg in die Landesliga war nach 42-jähriger Abstinenz der absolute Tiefpunkt erreicht. Zwar gelang auf Anhieb die Rückkehr ins südbadische Verbands-Oberhaus. Doch ob der in der Konsolidierungsphase befindliche und mittlerweile schuldenfreie Verein nochmals zu einem Höhenflug ansetzen wird, steht in den Sternen.