Herr Wolf, in was für einer Bettwäsche haben Sie als Kind geschlafen?

(lacht) Ich weiß, worauf die Frage abzielt. In keiner besonderen. Jedenfalls in keiner Handball-Bettwäsche. Aber der VfL Gummersbach ist bei uns schon ein riesiger Name. Beim Abschiedsspiel von Bundesliga-Rekordtorschütze Kyung-Shin Yoon war ich in der Kölner Lanxess-Arena live dabei, als handballverrückter Junge. Öfter war ich in dieser Zeit aber mit meinem Papa beim TuSEM Essen und habe die Europapokalspiele verfolgt. Das liegt noch näher an meiner Heimat.

Gegen Gummersbach ist Konstanz wieder krasser Außenseiter. Sind solche Spiele einfacher?

Man spürt die Vorfreude im Umfeld und weiß, dass schon viele Karten weg sind. Das steigert auch bei uns die Freude noch einmal. Wenn die Halle voll ist, wenn es auch hinter den Toren richtig eng wird. Das pusht mega. Gegen einen Verein, der lange einer der größten in Deutschland war, nun auf Augenhöhe mitzuspielen, ist das Ziel. Gummersbach ist gut drauf und zu Recht wieder ganz oben dabei. Mit der Stimmung in unserer Halle werden wir wieder um unsere Chance und mögliche Punkte kämpfen.

Was macht den Mythos VfL Gummersbach aus?

Es ist ein echtes Highlight, gegen diesen Traditionsverein spielen zu können, der den deutschen Handball viele Jahrzehnte in Europa so hoch gehalten hat. Das kam dem Handball sicher sogar im fernen Konstanz zugute. Man sieht den Stellenwert nach wie vor in jeder vollen Halle, in der der VfL Gummersbach antritt. Wir werden uns vom größten Namen der Liga aber nicht einschüchtern lassen. Die Legenden sind inzwischen weg, wir spielen gegen ein Zweitliga-Team. Trotz der guten Spieler des Gegners: Dass wir daheim jeden schlagen können, haben wir gezeigt. Das wollen wir jetzt auch.

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Was erwarten Sie von der Partie am Samstag?

Für diese Partien spielt man Handball. Das ist sicher auch schön für die Zuschauer hier in Konstanz. Unser Ziel ist es mitzuhalten, den VfL zu ärgern und an einem guten Tag mit sehr viel Leidenschaft und Kampf, einer hohen Qualität in der Deckung und wenigen Fehlern dran zu bleiben. Gummersbach hatte ein paar Anpassungsschwierigkeiten, die völlig normal sind. In der 2. Liga wird ein anderer Handball gespielt. Uns ging es nach dem Abstieg in die 3. Liga zunächst ähnlich. Man wurde vom Underdog zum großen Favoriten. Um auf Touren zu kommen, haben wir auch etwas gebraucht. Auf eine körperlich starke 6:0-Deckung und sehr starke Torhüter müssen wir uns einstellen. Wir wollen den typischen Konstanz-Heimspiel-Handball zeigen. Mit einer kompakten Abwehr, Kampf bis zum Ende und viel Tempo nach vorne – mit weniger Fehlern. Dann ist viel möglich.

Warum darf man sich dieses Highlight am Samstag auf gar keinen Fall entgehen lassen?

Wenn Gummersbach so weiter macht, wird es nicht mehr viele Spiele des VfL in der 2. Bundesliga geben (grinst). Und von der 1. Liga sind wir doch noch ein, zwei Schritte entfernt. Neben dem Weihnachtsspiel ist das das Highlight des Jahres, wobei die Heimspiele immer geil sind. Mit vielen lauten, vielleicht auch etwas aggressiven Zuschauern ist viel drin. Es hat sich schon einige Male gezeigt, dass Duelle gegen große Favoriten in unserer Halle besondere Spiele sein können. Wir werden unseren Teil für die lautstarke Unterstützung zurückgeben.

Tom Wolf.
Tom Wolf. | Bild: Peter Pisa