Herr Eblen, am Samstag geht es endlich los. Wie groß ist nach dem Aufstieg die Euphorie im Verein und im Umfeld?

Da passiert momentan schon sehr viel, die Reaktionen sind durchweg positiv. Gerade auch durch die neuen Medien hat man ja viele Kontakte, bekommt viel mit.

Und in der Stadt, werden Sie da an jeder Ecke angesprochen?

(lacht) Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt, da kam ich zuletzt kaum dazu, daher kann ich das nicht beurteilen. Direkt nach dem Aufstieg gab es schon einige Schulterklopfer beim Einkaufen an der Kasse und andere, sehr lustige Szenen.

Gibt es ein prägendes Erlebnis, das von diesem Aufstieg bleiben wird, an das Sie sich noch in zehn Jahren erinnern werden?

Ja, der Tag, als der Aufstieg gesichert war, als Leutershausen unter der Woche in Hochdorf verloren hat, während wir Training hatten. Ich bin währenddessen um die Halle gelaufen, mein Vater war in der Halle. Als dann die Nachricht kam, dass der Aufstieg klar war, sind wir uns direkt über den Weg gelaufen. Das war schon ein besonderer Moment, weil wir in den vergangenen Jahren so viel zusammen erlebt haben, Positives wie Negatives.

Wie haben Sie beide reagiert?

Wir haben uns umarmt, sind drei, vier Minuten so stehen geblieben, haben nicht gesprochen und sind einfach nur unseren Gedanken nachgehangen.

Waren Sie erleichtert?

Man hat das ja gar nicht so richtig glauben können, dass wir jetzt da oben stehen. Wir waren einfach leer, in dem Moment musste man auch an nichts denken. Wir haben den Moment genommen, wie er eben war.

Wann war der Moment, als bei Ihnen der Blick wieder nach vorne ging, als die Freude verarbeitet war?

Der war bei mir schnell da. Ich weiß gar nicht, ob da schon die letzte Feier rum war. Wir haben schnell versucht, Videos aus der 2. Liga zu bekommen, um zu schauen, was kommt da auf uns zu.

Und was kommt jetzt auf die HSG Konstanz zu?

(lacht) Das ist eine gute Frage. Am Wochenende hat man das bei der Niederlage im DHB-Pokal in Aue teilweise schon gesehen. Die Mannschaften in der 2. Liga haben 14 Spieler, von denen der eine so gut ist wie der andere. Da kann man nicht sagen, dass man nur einen in den Griff bekommen muss. Das Tempo ist insgesamt viel höher, auch die Genauigkeit der Angreifer und die physische Präsenz in der Abwehr.

Ist Ihre Mannschaft im Vergleich zu diesen Teams noch zu grün hinter den Ohren? Immerhin hat kaum einer Ihrer Spieler Zweitligaerfahrung.

Wenn man sich die nackten Fakten anschaut, haben wir 13 Jahre mit der 2. Liga nichts zu tun gehabt. Die war damals ja obendrein noch zweigleisig. Felix Gäßler und Konstantin Poltrum hatten bei ihren ehemaligen Clubs einige Einsätze in der 2. Liga, waren dort aber keine Leistungsträger. Und für unsere Leistungsträger der vergangenen Saison ist die 2. Liga Neuland.

Die Gegner haben also extrem ausgeglichene Mannschaften. Ist das bei der HSG Konstanz anders, liegt hier die Schwäche?

Wenn ich das beurteilen würde, müsste ich vorausschauen, wie sich die einzelnen Spieler entwickeln. Wir haben einen großen Kader, um die 22 Mann, da müssen wir die Entwicklung der einzelnen Spieler abwarten und dann schauen, wer in der zweiten Mannschaft spielen wird.

Was kann die HSG Konstanz in dieser Saison erreichen?

Ich kann nur abschätzen, was wir im Griff haben. Wir wissen tatsächlich nicht, wie stark die 2. Liga ist. Friesenheim schlägt im Pokal Gummersbach, Bietigheim dann Stuttgart. Die 2. Liga scheint nicht so weit weg von der Bundesliga zu sein. Wir müssen auf uns schauen, uns anpassen, schneller und genauer spielen und präsenter sein.

In Aue gab es vergangene Woche im Pokal eine deutliche Niederlage gegen einen Zweitligakonkurrenten. War das ein kleiner Stimmungskiller?

Wir hatten uns nicht speziell auf Aue vorbereitet, sind mit einer neutralen Strategie ins Spiel gegangen. Aue war dagegen auf den Punkt genau auf uns vorbereitet. Für uns war es eine Generalprobe, um zu schauen, was kommt auf uns zu. Das haben wir dann deutlich zu spüren bekommen. Aue war einfach besser als wir. Aber nach dem Spiel haben die Jungs schnell eingesehen, dass wir das besser können.

Wie war die Stimmung im Team danach?

Direkt danach waren wir etwas niedergeschlagen über die Art und Weise der Niederlage, weil wir das Spiel so schnell aus der Hand gegeben hatten. Danach haben die Jungs viel miteinander gesprochen, einige kamen auch zu mir, wollten wissen, was sie besser machen können. Wir haben das aufgearbeitet und auf der Rückfahrt war die Stimmung schon wieder ganz zuversichtlich.

Die intellektuelle Studententruppe hat das also tiefgründig analysiert, während andere Teams Profis im Kader haben, die eher gerne mal richtig zupacken?

(lacht) Ich weiß jetzt nicht, ob man uns als die Nerds der 2. Liga bezeichnen sollte. Ich denke, wir können körperlich schon auch etwas aufs Parkett bringen. Von den Videoszenen, die man hat, kann man die Intensität und die Körperlichkeit aber nicht beurteilen, das muss man auf dem Spielfeld erleben.

Wie zufrieden waren Sie mit der Vorbereitung?

Wir hatten hochwertige Gegner und haben uns ganz gut aus der Affäre gezogen. Mit den Ergebnissen war ich zufrieden. Nur das verlorene Spiel gegen Otmar St. Gallen hat mir nicht gepasst. Aber ansonsten haben wir gut gespielt.

Letztjährige Drittliga-Konkurrenten wie Balingen oder Köndringen hatte Ihre Mannschaft sicher im Griff. Lag das auch an den fünf Neuzugängen? Wurde die Mannschaft qualitativ verbessert?

Das ist sicher so. Gerade auf der Kreisläuferposition sind wir jetzt mit drei guten Leuten besetzt. Auch Gregor Thomann auf Rechtsaußen hat Qualitäten, die uns weiterbringen. In den Vorbereitungsspielen gegen Drittligateams spielte aber auch das Selbstverständnis eine Rolle, das wir als Aufsteiger mitgenommen haben.

Glauben Sie, dass die Euphorie schnell vorbei sein könnte, wenn es in den zwei oder drei Spielen zu Beginn Niederlagen geben sollte?

Man muss klar sehen, was da für ein Auftaktprogramm auf uns zukommt. Lübbecke ist ein Erstligaabsteiger, der jetzt im Pokal gegen Lemgo gewonnen und gegen Wilhelmshaven nur mit einem Tor Unterschied verloren hat. Nach dem Auftaktspiel geht es für uns am Freitag zum anderen starken Aufsteiger Hüttenberg, am Sonntag geht es dann zuhause gegen Bietigheim, das Stuttgart im Pokal rausgeschmissen hat. Uns muss klar sein, dass das schwer wird. Aber eben auch, dass wir die sind, die vergangene Saison den Aufstieg geschafft haben, und dass unsere Zeit kommen wird, auch wenn wir diese Spiele verlieren sollten.

2004 sind Sie als Trainerneuling mit der HSG Konstanz aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Schließt sich mit der Rückkehr für Sie ein Kreis? War da noch eine persönliche Rechnung mit der 2. Liga offen?

Ehrlich gesagt habe ich mich die letzten Jahre so mit unserem Hier und Jetzt beschäftigt, dass da für verletzten Stolz kein Platz war. Ich bin damals ja auch wie die Jungfrau zum Kind zu diesem Trainerjob gekommen. Nach der Trennung von Adolf Frombach hieß es, dass ich das erste Training leiten sollte. Ich bekam den Hallenschlüssel, habe aufgeschlossen – und dann kam kein anderer. Auch nicht in den Tagen danach. Und entsprechend war ich auf einmal der neue Trainer.

Wie hat sich die 2. Liga seither verändert?

Da es inzwischen eine eingleisige, bundesweite Liga ist, muss man statistisch davon ausgehen, dass das Niveau höher ist. Die DHB-Pokal-Ergebnisse zeigen, wie nah die Clubs an der 1. Liga dran sind. Es heißt, dass die 2. Liga extrem an Qualität gewonnen hat, es gibt ja auch den Slogan, dass sie die beste 2. Liga der Welt ist. So international bin ich aber nicht, dass ich das beurteilen könnte.

Und wie haben Sie sich seither verändert?

Da liegen inzwischen ja zwölf Jahre dazwischen, in denen man sich auch abseits vom Handball persönlich entwickelt hat. Ich habe geheiratet, wenn alles gut geht, kommt im Januar das zweite Kind. Man handelt in allem etwas verantwortungsvoller, hat aber auch mehr Freiraum, den Handball auch mal Handball sein zu lassen. Als junger Trainer habe ich schwere Zeiten mit ins Bett genommen und ich weiß nicht, wie viele schlaflose Nächte verbracht. Wenn man heute weiß, dass der Kleine einen um 6.30 Uhr aus dem Bett holt, fällt das Schlafen einfacher. Auch dass ich die A-Lizenz gemacht habe, war eine Hilfe. Dabei war nicht der Unterrichtsstoff entscheidend, sondern die Möglichkeit, mal mit anderen Trainern zu sprechen. Die haben alle die gleichen Problemchen. Irgendwann merkt man, dass man selbst gar nicht so auf dem falschen Dampfer ist.

In Ihrer Trainerzeit gab es auch Rückschläge. Haben Sie manchmal daran gedacht, hinzuschmeißen?

Ja, solche Momente gab es. Ich habe dann mit Freunden und der Familie gesprochen, habe andere Sichtweisen gezeigt bekommen, wurde aufgemuntert. Es ist ja auch völlig normal, dass es mal Tiefpunkte gibt. Aber wenn man merkt und weiß, dass man sich weiterentwickeln muss und darf, bleibt man selbst auch nicht der Gleiche. Es entstehen immer neue Situationen, selbst wenn die Mannschaft mal die gleiche bleibt, was in Konstanz ja nicht immer die Regel war.

Gab es am Anfang auch Probleme, weil Sie zu nahe an der Mannschaft waren? Zu sehr Kumpel, zu sehr Co-Trainer des starken Adolf Frombach, der als Trainer dann autoritär sein musste?

Das war extrem schwer damals. Ich habe im Rückblick auch viele Fehler gemacht. Es waren Momente dabei, die man heute ganz anders machen würde. Am Anfang hatte ich auch die Art der Ansprache und die Körpersprache von Adolf Fombach übernommen, weil der eben der Trainer war, mit dem ich zusammengearbeitet hatte. Irgendwann merkt man, dass man seine eigene Art finden muss. Dafür braucht man halt etwas Zeit. Die wurde mir eingeräumt. Und trotz der Fehler hat das auch irgendwie geklappt.

Als die HSG zuletzt in der 2. Liga spielte, gab es mit Thomas Zilm einen überragenden Akteur, auf den das Spiel ausgerichtet war. Das ist heute anders.

Wir haben ja schon längere Zeit keine einzelnen herausragenden Spieler mehr. Das Kollektiv zählt, die Abwehr ist der zentrale Baustein. Da müssen sechs Mann zusammenarbeiten, als Mannschaft spielen. Das ist kein von uns gewählter Modus, sondern das, was unserem Team am besten liegt.

Wie groß ist die Anspannung vor dem Auftakt gegen Lübbecke? Sind Sie nervös?

Zunächst einmal freue ich mich, dass es losgeht. Lübbecke ist ein richtiges Kaliber, die arbeiten auf Top-Niveau. Was kann interessanter sein, als so ein Auftakt, als sich mit so einem Gegner messen zu dürfen? Letztes Jahr war die Halle schon voll, wenn wir gegen Nußloch gespielt haben. Jetzt schauen wir mal, was passiert, wenn so eine Top-Mannschaft kommt. Und das ist ja kein Freundschaftsspiel, sondern es geht direkt um Punkte.

Auch die Logistik ist eine andere Hausnummer, oder?

In der 2. Liga gelten weitgehend die gleichen Anforderungen wie in der Bundesliga. Das fängt damit an, dass exakt zur vorgegebenen Uhrzeit ein Spiel beginnen muss und geht bis zu einheitlichen Teamfotos. Dazu kommen die Auswärtsfahrten. Da müssen wir erst einmal Erfahrungen sammeln. Ab wie vielen Kilometern muss man übernachten? Wo bekommt man noch eine Halle für ein Abschlusstraining her, wenn man einen Tag früher anreist? Das alles wird und ist schon eine Herausforderung.

Fragen: Ingo Feiertag

Zur Person

Daniel Eblen (41) ist seit 2004 Trainer der HSG Konstanz, bei der er alle Mannschaften von der Jugend bis zur 2. Bundesliga durchlaufen hat. Eblen begann zunächst als Co-Trainer von Adolf Frombach, den er als Coach der ersten Mannschaft beerbte. Der gebürtige Konstanzer ist Diplom-Kaufmann.