Herr Eblen, ein 27:24-Sieg zum Abschluss des Jahres gegen Neuhausen nach einer packenden Schlussphase – können Sie sich ein schöneres Weihnachtsgeschenk Ihrer Spieler vorstellen?

Nein, das war fantastisch. Die Jungs haben das toll gemacht – auch wenn ich leider nicht dabei sein konnte. Ich werde mir aber das Video vom Spiel noch mal in aller Ruhe anschauen und genießen.

Sie waren die meiste Zeit des Spiels nicht in der Halle. Was war los?

Ich hatte einen extremen Migräne-Anfall, zum ersten Mal in diesem Jahr bei einem Spiel. Das ging schon lange vor der Partie los, etwa eine Stunde vor dem Anpfiff, als sich die Tribüne langsam füllte und ich plötzlich die Gesichter der Zuschauer nicht mehr richtig erkennen konnte. Die Ansprache an die Mannschaft habe ich noch geschafft, aber als das Spiel losging, musste ich raus aus der Halle. Es ging einfach nicht mehr.

Wie muss man sich so einen Anfall vorstellen?

Es fühlt sich an, als hätte man eine heiße Stricknadel im Kopf. Ich bin nach Hause gefahren und habe versucht, mit einer Dusche und einem starken Kaffee wieder die Kurve zu kriegen. Aber als ich dann endlich wieder fit war, war das Spiel schon vorbei.

Fühlt man sich da als Trainer nicht hilflos, wenn man nicht bei seinen Spielern sein und sie unterstützen kann?

Nein. Es ist zwar für mich persönlich schon eine Belastung. Aber ich weiß genau, dass ich mich auf die anderen verlassen kann. Das ist das Tolle an der HSG-Familie: Wenn einer ausfällt, ob Trainer oder Spieler, rücken die anderen näher zusammen. Wenn ich in der Halle bin, nehmen die Spieler Kontakt zu mir auf. Und wenn ich dann nicht darauf eingehen kann, ist das schlecht. Ich weiß aber, dass mein Co-Trainer Andre Melchert da ist und mich voll ersetzt. Das beruhigt ungemein. Ein gutes Gefühl.

Sie haben Familie, sind berufstätig und im Spitzensport aktiv. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Das ist schon extrem zur Zeit. Man merkt uns allen an, dass die Anforderungen gestiegen sind, dass die Intensität in der 2. Liga extrem ist. Diese Liga fordert einen total – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Im sportlichen Bereich muss jeder an seine Grenzen gehen, aber auch im Umfeld. Wenn ich da an meinen Vater Otto denke, wie er die aufeinanderfolgenden Auswärtsspiele in Bad Schwartau, Wilhelmshaven und Rostock planen musste. Und das immer unter der Prämisse, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Ein unglaublicher Kraftakt.

Und dann wird auch noch an Weihnachten gespielt. In einer Zeit, in der man eigentlich zur Ruhe kommen will, heißt es noch mal Vollgas geben statt Entschleunigung.

Wenn ich ehrlich bin, wäre Heiligabend ohne Gedanken an das bevorstehende Spiel schon entspannter. Aber das Weihnachtsspiel gehört zur 2. Liga nun mal dazu. Und wenn man sieht, wie das angenommen wird, dass 1600 Zuschauer in die Halle kommen, und wie die Jungs die Spannung aufrecht erhalten haben, dann passt das schon.

Was war ihr Highlight im zu Ende gehenden Jahr?

Das war der Moment, als uns klar wurde, dass wir Meister in der 3. Liga sind. Das war an einem Mittwoch Ende April. Während des Trainings kam die Nachricht, dass unser Verfolger Leutershausen sein Nachholspiel in Hochdorf verloren hatte. Was sich danach abspielte, ist kaum zu beschreiben.

Es war ein äußerst erfolgreiches Jahr für die HSG Konstanz mit dem Aufstieg und dem guten Start in die 2. Bundesliga. Gibt es dennoch etwas, das besser werden muss im neuen Jahr?

Wir müssen vielleicht noch etwas konstanter werden. Wichtig wird auch sein, in Spielen, die vermutlich verloren gehen, alles zu geben, ohne ins offene Messer zu laufen und am Ende mit zehn oder mehr Toren unterzugehen. In der 2. Liga kann am Ende auch das Torverhältnis entscheiden, das muss uns allen bewusst sein. Ich finde diese Regelung übrigens unglücklich im Sinne der Nachwuchsförderung, da mancher Trainer sich mit dem Blick auf das Torverhältnis in manchen Situationen vielleicht doch eher scheut, jungen Talenten eine Chance zu geben.

Vor der Saison haben Sie gesagt, dass die 2. Liga extrem stark sei. Hat sich diese Einschätzung bewahrheitet?

Unbedingt. Das Niveau in der 2. Liga ist sehr hoch. Alles ist dicht beisammen, da gibt es kein großes Gefälle zwischen der Tabellenspitze und dem hinteren Feld. An einem schlechten Tag, das muss uns immer bewusst sein, können wir gegen jede Mannschaft dieser Liga eine Klatsche kassieren.

An einem guten Tag kann die HSG Konstanz aber auch ein Spitzenteam schlagen, oder?

An einem extrem guten Tag vielleicht. Solche Tage brauchen wir im Februar des nächsten Jahres, wenn wir innerhalb von acht Tagen gegen die drei Erstplatzierten der Tabelle spielen.

Wird Ihnen etwas mulmig, wenn Sie angesichts der hohen Belastung auf das nächste Jahr blicken?

Mulmig nicht. Wir müssen schauen, ob wir diese Intensität bis Mitte Juni durchhalten. Andererseits können wir die Schlagzahl auch nicht herunterfahren. Während andere Clubs in der 2. Liga sechs- bis siebenmal trainieren, haben wir nur vier bis fünf Einheiten pro Woche. Mehr geht nicht bei unseren Rahmenbedingungen, weniger wäre auf diesem Niveau tödlich. Wir müssen einfach von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel schauen, was machbar ist.

Das klingt, als käme die Pause bis zum 4. Februar gerade recht.

Ja, die haben wir alle dringend nötig. Da ist bei uns allen im privaten Umfeld vieles zu kurz gekommen, was jetzt nachgeholt werden kann.

Was erwarten Sie 2017?

(grinst) Gleich zu Beginn Nachwuchs. Wir bekommen voraussichtlich Mitte Januar eine Tochter, worauf ich mich riesig freue. Dazu noch in der handballfreien Zeit, so dass ich mich dann voll auf meine Familie konzentrieren kann.

Ihre Wünsche für das neue Jahr?

Natürlich, dass alles glatt geht bei der Geburt und alle gesund sind. Was den Sport angeht, hoffe ich, dass wir als Verein, als Mannschaft, als HSG-Familie zusammenhalten, egal, was kommen mag. Und wenn ich dann noch einen Wunsch frei habe, wäre das natürlich der Klassenerhalt.

Fragen: Markus Waibel

Zur Person

Daniel Eblen (42) ist seit 2004 Trainer der HSG Konstanz, bei der er alle Mannschaften von der Jugend bis zur 2. Bundesliga durchlaufen hat. Eblen begann zunächst als Co-Trainer von Adolf Frombach, den er als Coach der ersten Mannschaft beerbte. In der vergangenen Saison hat er mit seiner Mannschaft den Aufstieg in die 2. Liga geschafft und steht derzeit an elfter Stelle. Der gebürtige Konstanzer ist Diplom-Kaufmann, verheiratet und hat einen Sohn. Im Januar erwartet seine Frau erneut Nachwuchs. (mex)