Fußball, Verbandsliga: Über mehrere Jahrzehnte, seit Anfang der 1980er-Jahre, war der SC Pfullendorf der unumschränkte Platzhirsch im Fußball-Bezirk Bodensee. Vor wenigen Jahren dann die Zäsur, wirtschaftlich und sportlich ging der Trend im oberen Linzgau nach unten. Der 1. FC Rielasingen-Arlen schien auf dem besten Weg, die Position des Alphamännchens im Bodensee-Fußball zu übernehmen und unterstrich diese Ambitionen mit dem südbadischen Pokalsieg und dem DFB-Pokalmatch gegen Borussia Dortmund vor einem Jahr. Doch in der Verbandsliga überraschte in der vergangenen Saison vor allem der FC 03 Radolfzell, der die Runde 17/18 als Dritter abschloss und damit – zumindest kurzfristig – die vakante Rolle des Musterschülers im Bezirk übernahm. Doch daraus möchte Steffen Kautzmann, Trainer auf der Mettnau, keine höheren Ambitionen ableiten, für die nun beginnende Spielzeit hat er bescheiden klingende Ziele: „Auch wenn man uns belächelt: Das Saisonziel heißt Klassenerhalt!“ Und er begründet dies mit der Vereinsphilosophie, die seit Jahren im Wesentlichen auf eine solide Jugendarbeit aufbaut.

Und in Radolfzell bekommen die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs auch eine Chance, ähnlich wie Kautzmann selbst, der über mehrere Jahre überaus erfolgreich Radolfzeller Jungendmannschaften trainierte, ehe er vor wenigen Monaten zum Verbandsliga-Trainer aufstieg. Der aktuelle Kader, so Kautzmann, habe einen Altersschnitt von unter 21 Jahren.

Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass wieder eine ganze Reihe von Spielern aus der eigenen A-Jugend den Sprung in die Verbandsliga wagt. „In der Breite haben wir uns verbessert, wahrscheinlich auch fußballerisch, aber wir haben an Erfahrung verloren“, fasst Kautzmann die Entwicklung im Kader zusammen und nennt hier in erster Linie die Lücke, die der bisherige Spielführer Markus Hepfer (er beendet seine Karriere) hinterlässt.

Vor allem die Defensive musste neu strukturiert werden, doch Kautzmann ist überzeugt: „Wir konnten die Abgänge kompensieren. Die Vorbereitung lief gut und die neuen Spieler konnten gut integriert werden. Die Defensive ist sehr stabil geworden. Da läuft es sogar schon besser, als ich erwartet hatte. Ich gehe mit einem guten Gefühl in die Saison.“

In der ersten Spielen stehen noch keine unüberwindbaren Hürden auf dem Programm – nach dem Heimspiel gegen Mörsch am Samstag geht es zum Aufsteiger TuS Oppenau. Danach aber steht schon ein Derby auf dem Programm, wenn am 17. August der SC Pfullendorf im Mettnau-Stadion gastiert.

Vor genau zehn Jahren stieg der
1. FC Rielasingen-Arlen in die Bezirksliga auf, acht Jahre später standen die Hegauer in der Aufstiegsrunde zur Oberliga, ein weiteres Jahr später trafen sie in einem Pflichtspiel im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund – ein steiler Aufstieg. Und betrachtet man die Transferpolitik bei der Elf von der Talwiese, dann sollte zeitnah der nächste Schritt, der Aufstieg in die Oberliga, gelingen. Der Wechsel des Torjägers Nedzad Plavci vom FC 08 Villingen nach Rielasingen sorgte in der Rückrunde beinahe für mehr Aufmerksamkeit als das Treiben auf dem Platz. Hinzu kommen in der Offensive noch Alessandro Fiore Tapia, vor wenigen Jahren noch Junioren-Nationalspieler und als aussichtsreiches Talent vom SC Freiburg zu Schalke 04 gewechselt, sowie mit Silvio Battaglia ein ehemaliger Regionalligastürmer des SC Pfullendorf. Die Offensive dürfte das Glanzstück in der Elf von Trainer Jürgen Rittenauer werden. Doch der Coach betont: „Denis Hoxha sollte man nicht vergessen!“ Bei all dem Offensivpotenzial soll das Talent des FC 03 Radolfzell die Defensive stabilisieren.

Es gilt nun für Rittenauer, möglichst rasch eine homogene Elf zu formen. „Ich bin sehr zufrieden, der Kader ist gut zusammengestellt und es herrscht eine echte Aufbruchstimmung“, fasst er die Eindrücke der Vorbereitung zusammen. Und ein besonderes Lob schickt er an den Spieler, der zuletzt eher für Unruhe sorgte: „Nedzad bringt so viel positive Energie mit und ist bereits voll akzeptiert.“

Aber wie geht man nun mit dem Druck um, mit diesem Kader ganz vorne mitmischen zu müssen? Rittenauer hat hier zwei Sichtweisen. „Aufstieg ist ein großes Wort. Die anderen haben ja auch nicht geschlafen. Der Freiburger FC etwa, aber auch Kehl und der Offenburger FV. Wir wollen auf jeden Fall ganz oben dran bleiben, und zum Titel und zum Aufstieg braucht es dann auch etwas Glück“, relativiert er die Ambitionen ein wenig, doch er betont auch: „Der Druck vom Umfeld ist immer da. Aber Druck gehört auch dazu, das spornt ja auch an.“ Allerdings räumt er ein, dass mannschaftsintern Ziele besprochen wurden, „aber die bleiben intern!“ Vielleicht fiel da doch das Wort „Meisterschaft“?

Das sportliche Tief, die steile Talfahrt von der Dritt- in die Siebtklassigkeit, scheint überwunden beim
SC Pfullendorf, der „Betriebsunfall“ Landesliga wurde umgehend korrigiert, man kann den 100. Geburtstag im kommenden Jahr zumindest in der Verbandsliga feiern und gibt sich bescheiden. „Wir wollen kontinuierlich wachsen und wissen, dass wir erst in der neuen Liga ankommen müssen. Wir wollen aber bei aller Bescheidenheit den größtmöglichen Erfolg“, so SCP-Coach Marco Konrad. Und der Sportliche Leiter, Robert Hermanutz, konkretisiert: „Wir werden das als Aufsteiger mit Demut angehen. Das heißt, dass wir so schnell wie möglich die nötigen Punkte für den Nichtabstieg sammeln wollen.“ Mit Blick auf die jüngere Vereinsgeschichte begründet er: „Wir sind geläutert durch die Vergangenheit. Wir haben die Zeit vor zweieinhalb Jahren nicht vergessen, als der Club fast vor der Auflösung stand. Nun müssen wir zunächst organisch wachsen.“

Sportlich scheint man auf einem guten Weg, denn bis auf Timo Werne (zum FC Kreuzlingen) konnte der Stamm der Meistermannschaft gehalten werden, in jedem Mannschaftsteil kamen passende Ergänzungen hinzu und die Vorbereitung verlief rund, so dass Hermanutz zusammenfassen kann: „Es wurde gut gearbeitet und es zeigt sich, dass die Mannschaft auch charakterlich gut zusammenpasst!“

Zum Saisonauftakt bleiben die Aufsteiger zunächst unter sich, der SC Pfullendorf begrüßt am Samstag den TuS Oppenau und fährt eine Woche später zum FSV Rot-Weiß Stegen. Sicher eine gute Konstellation, um bei der Rückkehr in die Verbandsliga erste Eindrücke über den sportlichen Stand zu erhalten.

Die Kader der Fußball-Verbandsligisten

  • FC 03 Radolfzell

Tor: Daniel Tkacz, Pascal Bissinger

Abwehr: Moritz Hlavacek, Pierre Berger, Christian Vukadinovic, Jacob Ehret, Eric Erdmann, Tobias Fischer, Matthias Ranzenberger, Patric Scherer

Mittelfeld: Urgel Da Silva, Ahmet Hakan, Ruben Macedo, Markus Hain, Yahya Zidane, Daniel Wehrle, Paul Strauss, Niklas Schmidt, Niklas Aichem, Stefan Todorovski, Minou Tsimba-Eggers, Alex Müller, Konstantin Brugger

Angriff: Tobias Krueger, Robin Niedhardt, Alexander Stricker, Flamur Berisha, Daniel Antunes Simoes

Trainer: Steffen Kautzmann

Zugänge: Christian Vukadinovic (SG Dettingen-Dingelsdorf), Markus Hain (SSV Ulm), Pierre Berger (SC Pfullendorf), Yahya Zidane (SV Riedheim), Jakob Ehret, Stefan Todorovski , Ahmet Hakan, Paul Strauss, Tobias Fischer (alle eigene Jugend), Daniel Antunes Simoes (SC Freiburg U19), Minou Tsimba-Eggers (FC 08 Villingen), Alex Müller FC 08 Villingen, Konstantin Brugger (FV Lörrach-Brombach A-Jgd.)

Abgänge: Feriz Luma (FC Diessenhofen), Borislav Kukic, Lars Muffler, Marko Jankovic (alle FC Singen 04), David Galanatai (Hegauer FV), Nico Blessing (FC Bodman-Ludwigshafen), Denis Hoxha (FC Rielasingen-Arlen), Andrea Hoxha (FC Winterthur)

  • 1. FC Rielasingen-Arlen

Tor: Dennis Klose, Ahmet Mehmeti, Arek Patyk

Abwehr: Danny Berger, Dominik Almeida, Denis Hoxha, Benjamin Winterhalder

Mittelfeld: Philip Dietrich, Rene Greuter, David Heisrath, Lars Herrmann, Habil Jonuzi, Nico Kunze, Sven Körner Patrick Leschinski, Christoph Matt, Marco Mendes, Pascal Rasmus, Gian-Luca Wellhäuser

Angriff: Silvia Battaglia, Marvin Ettwein, Alessandro Fiore Tapia, Nedzad Plavci, Sebastian Stark

Trainer: Jürgen Rittenauer

Zugänge: Alessandro Fiore Tapia (BSV Nordstern Radolfzell), Denis Hoxha (FC Radolfzell), Habil Jonuzi (SC YF Juventus Zürich), Nico Kunze (SGV Freiburg A-Junioren) Sven Körner (FC Singen 04), Nedzad Plavci (FC 08 Villingen), Silvio Battaglia (TSV Berg) Marvin Ettwein, David Heisrath, Ahmet Mehmeti, Lars Herrmann (alle eigene Jugend)

Abgänge: Moritz Strauß (FV Ravensburg), Frank Stark (SC Pfullendorf), Kevin Kling (Eintracht Trier), Fabian Möhrle, Florian Sieler (beider FC Singen 04), Tobias Bertsch, Alen Lekavski (pausieren)

  • SC Pfullendorf

Tor: Sebastian Willibald, Maximilian Ritzler, Ronny Klockner

Abwehr: Heiko Behr, Mathias Frank, Constantin Kahl, Jonas Lang, Amadou Marena, Robin Rauser, Kai Sautter, Felix Steinhauser, Stephan Steinhauser, Stefan Zimmermann

Mittelfeld: Daniel Abdulahad, Sandro Caltabiano, Faruk Erdem, Luca Gruler, Kai Huber, Jonas Keller, Joshua Menger, Alessandro Sautter

Angriff: Mustafa Akgün, Frank Stark, Lukas Stützle, Felix Waldraff, Esref Su

Trainer: Marco Konrad

Zugänge: Jonas Lang (TSG Balingen), Samuel Fischer (FV Walbertsweiler-Rengetsweiler), Frank Stark (1. FC Rielasingen-Arlen), Esref Su (SC Markdorf), Ronny Klockner, Robin Rauser, Stefan Zimmermann, Joshua Menger, Felix Waldraff (alle SC Pfullendorf U19)

Abgänge: Timo Werne (FC Kreuzlingen), Robin Slawig (TSV Aach-Linz), Jonas Renger (SpVgg F.A.L), Daniel Schramm (Rot-Weiß Weiler), Patrick Fähnrich (als Trainer VfB Walderhäus Bezau/ Österreich), Alen Rogosic (FC Singen 04), Pierre Berger (FC 03 Radolfzell)