Hirschberg an der Bergstraße, Ortsteil Leutershausen. Samstagabend, 19.02 Uhr. Zwei Reisebusse mit Konstanzer Kennzeichen halten vor der Heinrich-Beck-Sporthalle. Hundert Fans der HSG Konstanz steigen aus, belgeitet von etlichen weiteren, die in Privat-PKW die 300 Kilometer lange Fahrt auf sich genommen haben. Sie singen, schwenken ihre Fahnen und wollen die Handballer vom Bodensee unterstützen bei ihrer Mission Meisterschaft. Der Tabellenführer aus Südbaden ist zu Gast beim Zweiten in Nordbaden – und die Ausgangslage ist klar: Mit einem Sieg haben sich die Konstanzer den Titel und den Aufstieg in die 2. Bundesliga vorzeitig gesichert.
 
Eine knappe Stunde vor Anpfiff fordern sie bereits den „Auswärtssieg“ und verwandeln die Heimat der „Roten Teufel“ eine Art „Hölle Süd 2.0“ – alles in Gelb und Blau, versteht sich. Wenig später sehen sie ein erwartet knappes und umkämpftes Gipfeltreffen der beiden besten Teams der 3. Liga Süd – vor vollen Rängen und mit hochkonzentrierten Gästen. Vom Anpfiff weg liegen die Konstanzer mit einem oder zwei Toren vorne (4:6/10.). Bei der ersten Auszeit der Gastgeber, knapp zehn Minuten vor der Pause, führt die starke HSG erstmals mit drei Treffern Vorsprung (8:11). Die Abwehr steht sicher und ganz hinten kann der Tabellenführer sich wie zuletzt im Heimspiel gegen Pfullingen auf seinen ex-Nationaltorhüter Konstantin Poltrum verlassen. Dann werden die Gastgeber stärker und erzielen fünf Minuten vor der Halbzeit den Ausgleich (11:11). Auszeit HSG Konstanz.
Es bleibt ein dramatisches Spiel auf Messers Schneide – in dem Leutershausen nach einem Tempogegenstoß von Sascha Pfattheicher erstmals führt (13:12). Nun muss Konstanz nachlegen – doch die SG führt 15:14 zur Halbzeit. Alles wieder offen im Titelrennen.

In der zweiten Hälfte schickt HSG-Trainer Daniel Eblen mit Stefan Hanemann den aktuellen Junioren-Nationalkeeper zwischen die Pfosten – und auch er führt sich mit einer Parade gleich gut ein. Da es aber lange Zeit die letzte ist, muss auch er mit ansehen, wie Leutershausen nach dem siebten Fehlwurf von HSG-Rückraumspieler Mathias Riedel auf 19:16 (36.) davonzieht und wenig später auf 20:16 erhöht. Grund genug für Trainer Eblen, in der folgenden Auszeit wieder Poltrum zu bringen. Fortan bleibt es beim Drei-Tore-Rückstand aus Sicht der Gäste – auch dank Poltrum, der schnell wieder drei Würfe entschärft.

Noch gibt sich der Tabellenerste nicht geschlagen. Eine gute Viertelstunde vor Abpfiff feiern plötzlich wieder die HSG-Fans. Ihr Team hat sich zurückgekämpft. Es steht nur noch 21:20 (43.) – und nach zwei weiteren Glanztaten von Poltrum fiel gar der Ausgleich zum 21:21 (46.). Alles wieder offen. Doch nun glückt vorne nichts mehr. Zwei Fehlwürfe – 23:21 (48.). Vorteil Leutershausen. Wieder Ausgleich. 23:23 (50.).

Es geht in die dramatische Schlussphase. Dank einer phantastischen Defensivleistung erkämpfen sich die Konstanzer nach langer Zeit wieder die Führung (23:24/51.). Es geht hin und her.
Als Fabian Schlaich in der entscheidenden Phase nach einem Schlag ins Gesicht zu Boden geht und dafür eine Zwei-Minuten-Strafe bekommt, ist das wie ein Weckruf für die HSG. Im Vier-gegen-Sechs erzielt Simon Flockerzie das 24:25, Poltrum hält seinen 15. Wurf und Paul Kaletsch legt in Unterzahl zum 24:26 nach (54.). nun ist wieder Leutershausen am Drücker – 27:27 (57.). Dieses Finale, es ist nichts für schwache Nerven. 70 Sekunden noch. 28:28. Auszeit HSG Konstanz. Die Zuschauer stehen. Noch 40 Sekunden. Konstanz im Angriff. Zeitspiel ist angezeigt. Kaletsch wird beim Kempa-Trick gefoult. Freiwurf statt Siebenmeter. Riedel verwirft – und Poltrum hält mit seiner 16. Parade das Unentschieden fest.

Konstanz bleibt weiter mit fünf Punkten vorne und braucht aus eigener Kraft aus den Spielen in Hochdorf und gegen Kronau/östringen II noch einen Zähler, um sicher Meister zu sein. Den HSG-Fans ist das jetzt egal – sie feiern ausgelassen mit den Spielern die Tabellenführung und freuen sich lautstark auf eine fröhliche Heimfahrt zu ihrer „Fischerin vom Bodensee“.
 
HSG Konstanz: Poltrum, Hanemann (Tor); Schlaich (4), Schweda, Oßwald, Riedel (7), Mittendorf, Flockerzie (1), Stocker (4), Oehler (1), Kaletsch (6/2), Lauber, Maier-Hasselmann (5), Jud.