Handball, 2. Bundesliga

ThSV Eisenach

HSG Konstanz

27:26 (8:12)

Spiele der HSG Konstanz sind in dieser Saison wahre Krimis. So auch in Eisenach. Während in Hüttenberg und gegen Hamm in den letzten Minuten noch eine furiose Aufholjagd gelang, hatte die HSG in Thüringen 42 Minuten alles im Griff, zauberte eine bärenstarke Leistung auf das Parkett und lag mit bis zu sechs Toren in Front. Danach verloren die Gelb-Blauen allerdings völlig die Kontrolle und hatten zum Schluss auch noch ganz viel Pech bei der 26:27-Niederlage.

Starker Haßferter

Pech, weil die Gastgeber – bereits unter Zeitdruck zum Wurf gezwungen – in Person des starken Linkshänders Ante Tokic Sekunden zuvor am famos auftrumpfenden HSG-Schlussmann Michael Haßferter gescheitert waren. Es war die 14. Parade des Neuzugangs, darunter auch zwei Siebenmeter. Doch der Abpraller landete statt in den Fängen der HSG oder dem Toraus um Zentimeter im Seitenaus. Damit stand fest: Ein Punkt war Eisenach sicher, die zweite Chance auf den kaum mehr für möglich gehaltenen doppelten Punktgewinn war da. Mit der Schlusssirene machte es Tokic im zweiten Duell mit Haßferter dann besser, setzte die Kugel Zentimeter an den weit ausgebreiteten Armen und Beinen des Keepers vorbei ins lange Eck.

Absolute Enttäuschung

Was auf der einen Seite für große Jubelstürme sorgte, bot auf der anderen ein Bild absoluter Enttäuschung und Leere. Tom Wolf lag minutenlang auf dem Boden, während im Hintergrund die Eisenacher wild umher tobten. Fabian Wiederstein hämmerte auf den Hallenboden ein, Fabian Schlaich und Tim Jud liefen völlig geistesabwesend umher und die Bank der HSG schien wie versteinert. Im HSG-Tor kauerte derweil Michael Haßferter am Boden und hatte mit seinen Emotionen und der unfassbar großen Enttäuschung schwer zu kämpfen. Simon Tölke musste den jungen Keeper-Kollegen trösten, der in diesem Moment wie der lautstarke HSG-Fanblock untröstlich war.

Naivität in Schlüsselmomenten

„Naiv“ nannte HSG-Trainer Daniel Eblen den Umgang seiner jungen Mannschaft in diesen Schlüsselmomenten, nachdem „wir ein richtig gutes Handballspiel gemacht haben. In der ersten Halbzeit und danach haben wir alles genau so auf den Punkt bekommen, wie wir es haben wollen.“ Konstanz sprühte vor Spielwitz und überzeugte nach den letzten beeindruckenden Vorstellungen in der Defensive nun auch offensiv. Schnell, wenig, ideenreich, so waren die Gelb-Blauen nicht zu kontrollieren und nach 18 Minuten bereist auf 7:2 weggezogen. Einziger Wermutstropfen: Mit zwei Siebenmetern, die am Pfosten, beziehungsweise neben dem Tor landeten, wäre sogar die Sieben-Tore-Führung greifbar gewesen. Eisenach hingegen mühte sich 20 Minuten ab, bis der dritte Treffer der Partie gelang.

Bemerkenswerte Reaktion

Selbst als Eisenach mit einem 6:0-Lauf einen 15:20-Rückstand in die erste Führung der Partie gedreht hatte (21:20) zeigte die junge Konstanzer Truppe noch einmal eine bemerkenswerte Reaktion, glich aus und traf durch Fabian Maier-Hasselmann sogar zur neuerlichen 26:25-Führung. Dazu kam der Vorteil der Überzahl, das Ende mit dem Tokic-Doppelschlag trotz numerischer Unterlegenheit ist bekannt.

Zu viele Gegenstöße

Völlig geknickt fehlten anschließend auch Daniel Eblen die Worte. „Der Mut ist etwas flöten gegangen“, versuchte er sich in einer Erklärung. „Und die Genauigkeit im Angriff hat dann gefehlt. Wir haben so gut Abwehr gespielt und dafür nach groben Abspielfehlern zu viele Gegenstöße kassiert. Nach dem Spielverlauf sind wir schon etwas getroffen.“

HSG Konstanz: M. Wolf, Haßferter (beide Tor); Stotz, Schlaich (4), Czako, Hild (1), T. Wolf (5/2), Wiederstein (2), Kaletsch (5/2), Krüger, Maier-Hasselmann (2), Beckmann (1), Braun (2), Jud (4), Keupp, Wendel. – Z: 1568.

Bild: Peter Pisa

„Das war brutal bitter für uns!“

Fabian Schlaich (28) über Frust, Fehler und Lerneffekte nach der bitteren Niederlage in Eisenach und das nächste Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen Lübeck

Herr Schlaich, wo auf der Skala der bittersten Niederlagen ist das Geschehen in Eisenach einzuordnen?

Die Niederlage ist sehr ärgerlich und in den ersten Minuten danach brutal bitter. Im vierten Spiel waren wir zum dritten Mal in der Situation, mindestens einen Punkt holen zu können oder zu müssen, gehen aber knapp leer aus. Weil wir es nicht schaffen, die Leistung, die es braucht, über 60 Minuten abzurufen. Ich habe schon viel mitgemacht und weiß deshalb gut damit umzugehen. Ich bin mir auch sicher, dass es bald wieder in die andere Richtung gehen wird.

Worin lag es, dass der greifbare Sieg noch aus den Händen glitt?

An unseren technischen Fehlern. Wir haben es zuvor geschafft, mit unserer Abwehr und Michael im Tor klar zu dominieren. Solange die Eisenacher im stehenden Angriff gegen uns spielen mussten, waren wir besser. Mit Offensivfouls, Abspielfehlern und technischen Fehlern haben wir Eisenach leichte Tore geschenkt, die nicht nötig gewesen wären.

Wie bekommen vor allem die jungen Spieler die Köpfe schnell wieder nach oben?

Auf einigen Positionen haben wir sehr junge Spieler. Andere kennen die 2. Bundesliga jedoch schon. Es bringt nichts, sich zu lange damit auseinanderzusetzen. Vielleicht fehlt uns gerade etwas die Selbstverständlichkeit, solche Spiele gewinnen zu können wie das in der letzten Saison der Fall war. Wenn man das zweite Spiel so verliert, irgendwie auch normal. Wir müssen daran arbeiten und werden das mit unserem Trainer aufarbeiten.

Geht es jetzt mit viel Wut im Bauch ins Heimspiel am Samstag gegen Lübeck?

Wir müssen versuchen, die Emotionen rauszulassen. Bei allem Ärger über die knapp verlorenen Spiele müssen wir festhalten: Das darf uns so nicht passieren. Es gilt, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und es besser zu machen. Wenn wir wieder so spielen wie in den ersten 40 Minuten, wird sich auch Lübeck schwer tun.

Fragen: Andreas Joas