Frau Forster, wie trainieren Wintersportler im Sommer, so ganz ohne Schnee?

Es gibt da ein Sprichwort, das sagt: Die Champions des Winters werden im Sommer gemacht. Daher trainiere ich momentan sechs Tage die Woche Kondition in den Bereichen Ausdauer, Kraft und Koordination.

Trainieren Sie täglich alle drei Bereiche?

Nein, ich wechsle ab. An einem Tag steht die Ausdauer auf dem Programm, am nächsten dann eine Mischung aus Kraft und Koordination.

Wie sieht das Ausdauertraining aus?

Statt Joggen nutze ich mein Handbike und meinen Rollstuhl. Oder ich gehe Schwimmen. Am Anfang der Vorbereitung lege ich den Fokus auf hohe Umfänge, viele Einheiten oder besonders lange Einheiten mit eher niedrigem Anstrengungsgrad. Mit fortschreitendem Training wechseln wir das Verhältnis, die Einheiten werden intensiver und ich mache in Intervallen z.B. Bergsprints.

Was machen Sie im Rahmen des Kraft- und Konditionstrainings?

Da nutze ich vor allem den Kraftraum des Olympiastützpunkts in Freiburg. Im Mittelpunkt stehen da vor allem verschiedene Übungen für Bauch, Rücken und Rumpf für meine Körperstabilität sowie für Arm und Schultern, um mich richtig bei den Rennen abstoßen zu können.

Sie sind nicht nur eine Weltklasse-Skifahrerin, sondern studieren auch Psychologie an der Uni Freiburg und machen gerade ein Praktikum. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Das bedarf einfach viel Koordination sowie eine Menge Absprachen und Planung im Voraus – und selbst wenn dann mal alles abgeklärt ist und der Plan steht, läuft es noch nicht von selbst. Nach einem anstrengenden Uni-Tag bzw acht Stunden Praktikum muss auch ich mich aufraffen, noch trainieren zu gehen, sowie Schreibtischkram erledigen. Und das ist ja auch noch nicht alles, denn als Wintersportler musst du schauen, dass das Material, welches du im Winter brauchst, im Frühjahr/Sommer soweit es möglich ist, angepasst, optimiert und ready für die ersten Trainingslager im August gemacht wird. Das Wichtigste dabei ist, sich immer wieder das Ziel, auf das man hinarbeitet, vor Augen zu führen.

Behindert Sie Ihre Behinderung – gerade in Sachen Mobilität?

Ich fühle mich durch meine Behinderung echt nur ganz selten behindert. Dadurch, dass ich schon von Geburt an behindert bin, ist es ja für mich normal, so wie es ist, und ich habe natürlich gerade im Training gelernt, kreativ zu werden und einfach auszuprobieren. Was Mobilität angeht, bin ich durch Toyota bestens versorgt. Seit vergangenem Jahr bin ich mit neun anderen Sportlern im Team Toyota und habe ein Auto bekommen, das auf meine Bedürfnisse angepasst wurde.

Gibt es Situationen, in denen Sie sich über den Umgang von „normalen“ Menschen mit Ihnen aufregen?

Ja, die gibt es auf jeden Fall! Manchmal schocken mich die „normalen“ Menschen immer noch mit ihren Reaktionen. Durch diese Reaktionen wird mir oft erst wieder bewusst gemacht, dass ich „nicht normal“ bin. Zum Beispiel ist es mir schon öfter beim Ausgehen mit Freunden in einen Club passiert, dass mich Leute (überwiegend Männer) ansprechen und meinen „Cool, dass du auch hier bist“ und ich mich immer frage wieso auch nicht? Soll ich mich daheim im Bett verkriechen, nur weil ich anders aussehe?

Was sind Ihre Ziele – sowohl sportlich als auch privat und beruflich?

Oh je, da gibt‘s viele! Ich reduziere es jetzt mal auf die langfristigen großen Ziele. Sportlich gesehen sind es auf jeden Fall die Paralympics 2022 in Peking. Dort möchte ich meinen Platz an der Weltspitze verteidigen und in der einen oder anderen Disziplin natürlich noch einen draufsetzen. Davor steht noch die WM 2021 in Lillehammer (NOR), die sozusagen als Generalprobe für die Paralympics gilt. Mein Bachelorstudium neigt sich endlich auch mal langsam dem Ende zu: Nächsten Sommer möchte ich meine Bachelorarbeit schreiben und dann brauche ich voraussichtlich noch ein Jahr, bis ich alle Module abgeschlossen habe. Bis dahin muss ich mir klar werden, wie es weitergehen soll: ob Master und wenn ja welchen. Und privat gibt‘s momentan keine großen Pläne. Ich lasse mich überraschen, was das Leben noch so für mich bereithält. Nächsten Sommer würde ich auf jeden Fall mal gerne eine größere Reise machen.

Fragen: Alexander Wütz