Handball, 2. Bundesliga: HSG Konstanz – TV Hüttenberg 18:23 (10:11). – Groß waren die Hoffnungen vor dem Spiel, doch größer ist die Enttäuschung am Ende. Eine HSG Konstanz, die 60 Minuten lang nicht annähernd ihre Bestform erreicht und mit der offensiven Deckungsarbeit des Gegners viel zu selten Lösungen findet, verliert gegen Hüttenberg und muss vor 1350 Zuschauern im Kampf um den Klassenerhalt einen herben Rückschlag hinnehmen. Hüttenberg und Elbflorenz Dresden haben die HSG überholt, auf Rang 16 geht es in die EM-Pause.

Nervös, nervöser, HSG Konstanz

Nervös, nervöser, HSG Konstanz – so kann man die Anfangsphase auf einen Nenner bringen. Als Paul Kaletsch nach exakt neun Minuten und einer Sekunde per Siebenmeter den ersten Treffer für seine Mannschaft erzielt, hatten zuvor er selbst, Fynn Beckmann und zweimal Tom Wolf Chancen ausgelassen, die man in die Kategorie gut bis sehr gut einreihen muss. Dass es nach Kaletsch‚ Strafwurf nur 1:2 steht, liegt daran, dass die Hüttenberger gleich zwei Siebenmeter vergeben. Erst wirft Stegefelt drüber, dann Zintel daneben.

2:2 bringt keine Sicherheit

Das 2:2 durch Aron Czakó bringt keine Sicherheit. Schnell führt der TVH mit 5:2, wenig später sogar 7:3. Nach den ersten 15 Minuten stehen bei den Schützlingen von HSG-Trainer Daniel Eblen sieben Fehlversuche zu Buche, fünf aus freier Position. Die HSG-Akteure haben den gegnerischen Torhüter Nikolai Weber warm geschossen, der Tausendsassa pariert auch Siebenmeter von Kaletsch und Tom Wolf.

Nach einer Auszeit von Eblen läuft es etwas besser. Wolf und zweimal Matthias Hild bringen die HSG auf 6:7 heran, hätte Wolf den folgenden Strafwurf an Weber vorbeigebracht, wäre es sogar zum Ausgleich gekommen. So aber erhöhen die Hessen auf 9:6 und kommen erst nach dem 11:8 wieder in Bedrängnis, weil sie zwei Angriffe vermasseln. Fabian Schlaich und Samuel Wendel verkürzen auf den schon erwähnten Pausenstand von 10:11.

Ein Königreich für einen sicheren Siebenmeter-Schützen

Der zweite Abschnitt beginnt wie der erste: Hüttenberg trifft doppelt, für die HSG hämmert Hild den Ball an die Latte und Fabian Maier-Hasselmann vergibt innerhalb von zehn Sekunden zweimal. Erst scheitert der eingewechselte Linkshänder mit einem Siebenmeter an Weber, dann setzt er den Nachwurf noch an den Pfosten. Ein Königreich für einen sicheren Siebenmeter-Schützen!

Tom Wolf gelingt in der 37. Minute das erste HSG-Tor nach dem Wechsel. Weil Eblens Spieler keinen Plan haben gegen die Hüttenberger Abwehr, müssen sie immer wieder riskante Abschlüsse aus dem Rückraum oder von außen nehmen – TVH-Torwart Weber bleibt überragend und hat mit Latte und Pfosten treue Verbündete. Nach 43 Minuten gelingt Wolf das 12:16 – es ist erst das zweite Tor nach Wiederanwurf.

Hüttenberg kontert eiskalt

Tim Keupp kommt für den seltsam gehemmt agierenden Kaletsch, Felix Krüger macht zwei Tore hintereinander, nur noch 14:17. Aber die Gäste kontern eiskalt und mit Abpraller-Glück – 14:19. Nach Krügers drittem Treffer könnte Wiederstein eine Glanztat seines Torhüters Maxi Wolf veredeln, aber der Kreisläufer scheitert zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten an Weber. Warum immer hohe Würfe?

„Was wir im Angriff zeigten, war einfach schwach“

Es bleibt beim Fünf-Tore-Abstand, am Ende heißt es 18:23. Nur zehn Treffer in Halbzeit eins und sogar nur acht in Halbzeit zwei – so kann die HSG Konstanz in der 2. Bundesliga nichts holen. Daniel Eblen bringt es auf den Punkt: „Wir haben in dieser Saison schon viele gute Spiele gemacht, die wir nicht gewonnen haben. Aber heute war das, was wir im Angriff gezeigt haben, einfach schwach.“

HSG Konstanz: Haßferter, M. Wolf, Tölke – Stotz (1), Schlaich (1), Czakó (1), Hild (2), T. Wolf (3), Wiederstein, Kaletsch (2/1), Krüger (3), Maier-Hasselmann (2), Beckmann (1), Keupp, Wendel (2).

„Brauchen die Pause für Kopf und Körper“

Gegen den TV Hüttenberg gelang der HSG Konstanz im letzten Spiel des Jahres so gut wie nichts. Linksaußen Samuel Wendel spricht über die Gründe.

Was war heute los?

Man kann es nicht drauf schieben, dass es nicht läuft. Man muss das Glück erzwingen. Heute hat es von vorne bis hinten nicht geklappt. Sowohl im Kopf, als auch im Körper. So sehr wie wir die freien Chancen verknallen, habe ich es noch nicht gesehen. Nikolai Weber war natürlich überragend, aber wir werfen ihn auch zum Weltmeister.

Worauf ist diese schlechteste Saisonleistung zurückzuführen?

Man kann niemandem vorwerfen, dass er nicht wollte. Aber es war zu wenig. Wenn man nicht in das Spiel findet, muss man 120, 130 Prozent investieren.

Wie fällt Ihr Gesamtfazit aus?

Letztendlich ist der Tabellenstand gerade egal. Wir brauchen die Pause. Seit 1. Juli trainieren wir jeden Tag. Das halbe Jahr hat Kraft gekostet, wir brauchen die Pause für Kopf und Körper unbedingt. Wobei das für das Spiel gegen Hüttenberg keine Ausrede sein kann. Gegen Dresden haben wir gezeigt, dass wir es noch im Tank haben. Insgesamt haben wir eine ordentliche Hinrunde gespielt, aber uns zu oft nicht mit Zählbarem belohnt. Die Liga ist einfach unfassbar eng. Für die Fans tut mir das letzte Spiel besonders leid. Die Unterstützung war trotz unserer Leistung top. Das habe ich in anderen Hallen schon anders erlebt. Wir können uns nur für die Unterstützung bedanken.

Fragen: Andreas Joas

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