Handball, 2. Bundesliga: HSG Konstanz – TuSEM Essen 24:30 (12:13). – Lange konnte die HSG Konstanz dem Tabellenzweiten TuSEM Essen mit 1300 frenetischen Fans im Rücken trotz schwindender Kräfte ohne Paul Kaletsch, Felix Krüger und Fabian Schlaich die Stirn bieten (18:17/41.), in den letzten Minuten setzte sich der Aufstiegskandidat allerdings verdient, aber etwas zu hoch mit 30:24 (13:12) durch.

Überraschung in der Luft

Es lief die 41. Minute, als eine Überraschung in der Luft lag. Weil HSG-Torhüter Michael Haßferter zunächst einen freien Gegenstoß wegfischte. Dann Tim Jud mit Volldampf Richtung Essens Tor marschierte und den Ball zum 17:17 unter die Latte hämmerte. Als schließlich wieder Haßferter zweimal prächtig parierte, stand die „Schänzle-Hölle“ Kopf. Erst recht, nachdem Samuel Wendel den direkten Gegenstoß einleitete und Markus Dangers unaufhaltsam zum 18:17 davonmarschiert war. Gästetrainer Jaron Siewert zog die Notbremse in Form einer Auszeit, und auf den gut besetzten Rängen saß niemand mehr.

Viel Leidenschaft

Bis hierhin war die Konstanzer Welt im Duell Abstiegs- gegen Aufstiegskampf mehr als in Ordnung. Auch nach dem frühen 4:7-Rückstand ließ die HSG ohne ihren verletzten Top-Torschützen Paul Kaletsch nicht locker und biss sich mit viel Leidenschaft und Kampf zurück in die Partie. Allen voran Kapitän Tom Wolf war ein Musterbeispiel für den hohen Aufwand der Gastgeber.

Wolf ein ständiger Unruheherd

Im Innenblock Fels in der Brandung, vorne Spielgestalter und Torschütze vom Dienst mit wuchtigen Abschlüssen aus der zweiten Reihe – Wolf war ein ständiger Unruheherd. So gingen die Gastgeber lediglich mit einem 12:13-Rückstand in die Pause und hatten noch alle Möglichkeiten. „Es war sehr, sehr schwer für uns“, konstatierte Siewert. „Konstanz hat nie locker gelassen. Da wäre vielleicht sogar fast ein Unentschieden möglich gewesen.“

Essen zeigt seine Klasse

Nach dem Führungstor 19 Minuten vor dem Ende vielleicht sogar noch mehr. Doch es folgte, wie Haßferter nach drei parierten Siebenmetern „völlig enttäuscht und einfach leer“ anmerkte, „das alte Leid. Freie Würfe nicht drin, hinten nicht mehr konsequent gedeckt. Dabei waren wir voll drin im Spiel.“ Bei aller Enttäuschung des HSG-Keepers zeigte Essen jedoch gerade in der letzten Viertelstunde seine Klasse und legte mit viel Dynamik und Athletik noch einmal zu.

Lob vom Gäste-Trainer

Der Tabellenzweite demonstrierte in der entscheidenden Phase, warum er so weit oben steht. Konstanz hingegen hatte mit schwindenden Kräften zu kämpfen. Tom Wolf stellte zwar noch einmal den Anschluss zum 20:21 (46.) her, doch mit vier Toren in Folge von 21:23 zum 21:17 entschied der TuSEM das Spiel. „Es war wirklich schwer, hier zu bestehen und ein sehr, sehr enges Spiel, enger als es der Sechs-Tore-Sieg erahnen lässt. Konstanz hat uns alles abverlangt“, sagte Siewert.

Kein Vorwurf von Eblen

HSG-Trainer Daniel Eblen fand, dass sein Team „lange Zeit gut dabei war. Wir haben uns allerdings in der Abwehr gegen das extrem dynamische und athletische Spiel des TuSEM aufgerieben. Schließlich haben wir das Puzzle heute irgendwie nicht zusammen bekommen. Vorne haben wir zu viel liegen gelassen, aber ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen, sie haben gekämpft bis zum Schluss.“ Gegen Essen hat sich die HSG Konstanz gut verkauft, die Punkte muss sie nun in den nächsten wichtigen Partien sammeln.

Am Freitag gegen Aue

Angefangen mit dem Duell am Freitag beim EHV Aue. „Aue ist sehr heimstark. Aber für uns ist es letztlich egal, gegen wen wir spielen“, so Eblen, „wir müssen Punkte holen.“ In die gleiche Richtung stieß Haßferter. „Es muss sich jeder bewusst sein, dass wir Punkte brauchen. Dafür benötigen wir Tore, eine Deckung, Torhüter.“ Die ersten 40 Minuten dürften Mut und Zuversicht geben, die letzten 20 Anschauungsmaterial, was zum letzten Schritt fehlt.

HSG Konstanz: M. Wolf, Tölke, Haßferter (Tor); Stotz, Czako (2), Jaeger, Hild (2), T. Wolf (10/4), Wiederstein (2), Dangers (3), Maier-Hasselmann, Beckmann, Braun (2), Jud (1), Keupp (1), Wendel (1). – Z: 1300.