Herr Tafelmeier, wie kamen Sie zum Speerwurf?

Ich war Schüler auf dem Hegau- und später auf dem Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen. Bei den Bundesjugendspielen nahm ich unter anderem am Schlagballwurf teil und war so mittelprächtig. Ich wurde aber dennoch von einem Trainer des StTV Singen angesprochen, der für Meisterschaften der Schülermannschaft noch einen Werfer suchte. Dann habe ich es auch mit dem Speer versucht, und als ich die richtige Technik hatte, lief es ganz gut. Es ist eine Kunst, den Speer zum Segeln zu bringen – das ist mir ab und zu im Laufe meiner Karriere geglückt. Als das Singener Münchried-Stadion eröffnet wurde, habe ich einen neuen deutschen Rekord der B-Junioren aufgestellt.

Was den Talentscouts nicht verborgen blieb.

Ja, die Leverkusener haben sich bei mir gemeldet, zumal ich mit 17 Jahren noch den deutschen A-Jugendrekord aufgestellt habe. Im August 1975 bin ich dann nach Leverkusen. Zu Beginn – das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – habe ich fünf Jahre bei einem Vorstandsmitglied der Bayer AG gewohnt. Dort habe ich dann auch Abitur gemacht. Die Schule dort war eng mit dem Sport verbunden, mein dortiger Sportlehrer auch mein Trainer.

In den 1980er-Jahren waren Sie dann in der absoluten Weltspitze, wurden 1986 Europameister und Weltrekordler.

1977 wurde ich zwar schon Junioren-Europameister, aber 1986 war sicherlich mein glanzvollstes Jahr, auch wenn der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 sportlich fast interessanter war.

Ist ein vierter Platz bei Olympischen Spielen nicht enttäuschend, zumal nur wenige Zentimeter zu einer Medaille gefehlt haben?

In dem Augenblick nicht. Man muss wissen: Ich bin mit ganz anderen Erwartungen in das Jahr 1988 gestartet. Von der Weite lief es in Richtung 90 Meter, das Ziel in Seoul war Gold. Dann kamen aber zwei schwere Verletzungen dazwischen.

In der Anfangsphase der Saison bei den World Games in Helsinki erlitt ich einen Achillessehnen-Anriss und habe dennoch diesen topbesetzten Wettbewerb gewonnen – mit nur einem Versuch.

Bei Olympia haben Sie sich mit 82,72 m im letzten Versuch auf einen Medaillenrang geschoben. Dann aber kam der Finne Tapio Korjus und holte sich mit 84,28 m Gold, Sie fielen aus den Medaillenrängen. Bei den letzten Versuchen haben Sie der Konkurrenz wohl sicher nicht die Daumen gedrückt?

(lacht) Nein, ganz sicher nicht. Es ist immer schöner, auf dem Treppchen zu stehen als daneben. Aber es war eben nicht mehr drin.

Im Jahr 1986 wurde ein neuer Speer eingeführt, mit dem Sie gleich den neuen Weltrekord aufgestellt haben. Waren Sie der Erste, der mit dem neuen Speer einen Wettbewerb gewann?

Nein. Nach der Einführung des neuen Speers wurde die Leistung, die am Ende des ersten Jahres die Weltjahresbestleistung war, als neuer Weltrekord festgesetzt. Aber es ist schon so, dass ich gleich zu Beginn der Saison eine Weltjahresbestleistung erzielte. Am Ende wurden dann 85,74 Meter als Weltrekord festgehalten. Es ist immer wieder schön, wenn man in die Listen schaut und seinen Namen liest.

Wäre Ihr Leben als Olympischer Medaillengewinner anders verlaufen?

Nein, das glaube ich nicht. Es gibt eine Reihe von Erfolgen, auf die ich stolz bin. Ganz besonders auf den Titel bei den ersten gesamtdeutschen Meisterschaften 1991. Die ostdeutsche Konkurrenz war eigentlich stärker, aber an diesem Tag war ich besser.

Hatten Sie als erfolgreicher Speerwerfer einen Starstatus oder standen Sie im Schatten der spektakuläreren Disziplinen wie 100m-Sprint, Hochsprung oder Zehnkampf?

Zu Beginn meiner Karriere war es noch verboten, mit dem Sport Geld zu verdienen. Danach lagen wir Speerwerfer eher im mittleren Bereich. In Sachen Starkult ist es in Deutschland ja ohnehin so: Wenn man Erfolg hat, ist es egal, in welcher Disziplin man tätig ist. Erfolg macht eben attraktiv. In anderen Ländern wie etwa Japan ist das anders. Nach der WM im eigenen Land hat sich das ein klein wenig verändert.

Wie kam es zum Ende Ihrer sportlichen Karriere?

Ich wollte es 1992 nochmal wissen, wollte zu den Olympischen Spielen. Aber ich habe die Verletzungen nicht mehr verkraftet.

Hat Ihnen danach etwas gefehlt?

Nein, ich war froh. Ich war am Ende viel beim Arzt, habe mich in den letzten beiden Jahren gequält. Und wenn man dann bei einem Wettbewerb ist und sich fragt, was mache ich hier überhaupt, dann wird es Zeit, aufzuhören. Das einzige, was mir fehlt, ist das Reisen. Als aktiver Sportler ist man viel herumgekommen – das fehlt mir schon.

Skistar Felix Neureuther sagte vor wenigen Tagen in einem Interview: „Der Sport ist so kurzlebig. Wenn Du mal aufgehört hast, dann bist Du schnell weg!“ Haben Sie das auch so erlebt?

(lacht) Sie haben mich doch angerufen, also bin ich nicht vergessen. Ab und zu erkennt man mich noch, aber eher am Namen. Das Aussehen hat sich doch gewandelt. Ich habe zwar noch fast dasselbe Gewicht, aber der Schwerpunkt ist etwas nach unten gerutscht (lacht).

Fragen: Jürgen Rössler

Das Regionalsportgeschehen im Juli – vor 10, 25 und 50 Jahren

Juli 2008

  • 17500 Turnerinnen und Turner aller Altersklassen treffen sich unter dem Motto „Gemeinsam einzigartig“ zum Landesturnfest in Friedrichshafen.
  • Mit Spannung sieht man beim SC Pfullendorf der Auslosung der ersten Runde im DFB-Pokal entgegen, da der südbadische Pokalsieger mit im Lostopf ist. Mit der Frankfurter Eintracht gibt es zwar nicht das Traumlos, aber immerhin… Und auch vor Gericht wird es spannend beim SCP. Der Anwalt von Mark Lerandy, Andreas Kirsch, will eine Vertragsoption zur Verlängerung anfechten und verspricht „ein zweites Bosman-Urteil“. Am Ende bleibt der Paukenschlag aus, echte Gewinner gibt es nicht.

Juli 1993

  • Mit der Einführung der neuen, fünfstelligen Postleitzahlen startet auch der Fußball-Oberligist SC Pfullendorf mit dem Ziel „Qualifikation für die Regionalliga“ in die Vorbereitung zur Saison 93/94. Neuzugang Mario Slawig meldet sich schon kurz danach wieder ab, um dann später doch noch beim SCP zu landen.
  • Der Singener Speerwerfer Klaus Tafelmeier beendet seine beeindruckende Karriere (siehe Artikel oben).
  • Die C-Jugend des FC Rielasingen muss bei der süddeutschen Meisterschaft Lehrgeld zahlen. Gegen den 1.FC Nürnberg gibt es eine 0:5-Niederlage, gegen Eintracht Frankfurt gar ein 0:14.
  • Vor über 3000 Zuschauern stellt sich der Bundesliga-Aufsteiger SC Freiburg mit Trainer Volker Finke zu einem Testspiel in Stahringen dem Oberligisten SC Pfullendorf. Der Bundesligist kommt zu einem mühsamen 1:0-Erfolg gegen die Elf von Trainer Jörg Goldmann, Finke war angesichts der Trainingsbelastungen mit seiner Elf dennoch zufrieden.
  • Die Konstanz 89ers überrollen vor über 1000 Zuschauern im Bodenseestadion im letzten Saisonspiel die Freiburg Sacristans und siegen mit 79:0. Den Meistertitel und den Aufstieg – den zweiten in Folge – in die Regionalliga hat sich das American Football-Team um Quarterback Frank Messmer schon drei Wochen zuvor gesichert.
  • Mit Beginn der Spielzeit 93/94 löst auch bei den Fußball-Amateuren die gelb-rote „Ampelkarte“ den Feldverweis auf Zeit (Zehn-Minuten-Strafe) ab.

Juli 1968

  • Der deutsche Vierer mit Steuermann sichert sich am Luzerner Rotsee bei der bestens besetzten Ruderregatta den dritten Sieg in Folge – und das in Rekordzeit auf dem Rotsee. Daher zählt das Boot mit den Konstanzer Nico Ott und Peter Berger zu den heißen Medaillenkandidaten bei den Olympischen Spielen in Mexiko.
  • Der deutsche Fußballmeister, der 1.FC Nürnberg, gastiert am Bodensee und schlägt die SpVgg Lindau deutlich mit 11:0. (jr)