Fußball-Landesliga: An der Tabellenspitze zieht der FC 08 Villingen II einsam seine Kreise und ist auf Titelkurs. Ungewöhnlich ist die Konstellation im Tabellenkeller. Fünf Teams zieren punktgleich das Tabellenende. Die halbe Liga muss sich noch Sorgen um den Klassenerhalt machen. Wir haben die sieben Schwarzwälder Landesliga-Mannschaften mit ihren Tops und Flops unter die Lupe genommen.

FC 08 Villingen II

Marcel Yahyaijan
Marcel Yahyaijan | Bild: Verein

Tops: Der FC 08 Villingen II steht seit dem vierten Spieltag ununterbrochen auf Platz eins. Im gesamten Saisonverlauf war die Elf nie schlechter als zweimal auf Rang zwei notiert. Zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger sind ein dickes Ausrufezeichen. Die Elf ist auf dem besten Weg, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Das Prunkstück ist die Abwehr. Elf Gegentreffer in 16 Spielen sind mit weitem Abstand der Bestwert. Auf eigenem Platz blieb die Elf ungeschlagen. Trainer Marcel Yahyaijan hat einen so starken Kader, dass kaum Spieler aus der Oberliga-Elf eingesetzt wurden. Florian Kaltenbach (13 Treffer) etablierte sich als Torjäger. Mit Volkan Bak und Kamran Yahyaijan haben zwei Akteure den Sprung in die Oberliga-Elf geschafft. Drei, vier weitere Spieler könnten nachziehen. „Wir haben es im bisherigen Saisonverlauf geschafft, konzentriert aufzutreten sowie extrem abgeklärt und abgezockt zu spielen. Wir sind eben das Bindeglied zwischen A-Junioren und Oberliga-Elf“, sagt der Trainer.

Flops: Villingen verlor mit dem 0:3 in Neustadt nur eine Partie. Richtig schwach war die Leistung dort aber auch nicht. Drei Platzverweise sind viel. Der Trainer sieht Steigerungsmöglichkeiten im körperlichen Spiel und in der letzten Konsequenz vor dem Tor der Gegner. „Der Wille, die Chancen zu veredeln und Tore zu erzielen, muss ausgeprägter werden. Da beziehe ich auch die Mittelfeldspieler ein“, so Yahyaijan.

Fazit: Die Villinger sind die Überflieger der Liga. Nach dem zweimaligen Scheitern in der Aufstiegsrunde zur Verbandsliga marschiert die Elf schier unaufhaltsam auf direkten Weg in die höhere Spielklasse. Ein Einbruch ist nicht zu erwarten. Villingen kann sich in der Liga nur selbst schlagen, hat den besten Kader und alle Möglichkeiten, sich frühzeitig in der Saison als Champion zu krönen. Dann hätten die Villinger die Chance, schon im Hinblick auf die kommende Saison zu testen oder weiteren A-Jugendspielern die Chance zu geben, sich auf höherem Niveau auszuprobieren. Allerdings muss die Elf bei nahezu allen Konkurrenten auswärts antreten, was jedoch kein Nachteil sein dürfte, ruft die Mannschaft ihr Potenzial ab.

FC Bad Dürrheim

Enrique Blanco
Enrique Blanco | Bild: Morat

Tops: Der FC Bad Dürrheim hat sich seit dem sechsten Spieltag auf den Plätzen drei und zwei festgesetzt. Der zweite Umbau der Mannschaft hat funktioniert. Zahlreiche junge Spieler wie Moritz Karcher, der in allen Spielminuten auf dem Platz stand, oder Jeremias Fischerkeller, Tim Aschenbrenner, Emre Karademir, Pascal Richter, Enrico Vittacia oder der lange verletzte Loris Castelli haben große Schritte in der Entwicklung vollzogen. Trainer Enrique Blanco baut ein Team für die Zukunft auf. Die zeitweiligen Störfeuer mit den finanziellen Sorgen des Vereins haben die Mannschaft und ihr Abschneiden kaum belastet. „Wichtig war“, sagt Blanco, „dass die Vereinsführung mit offenen Karten gespielt hat. Die Mannschaft hat das Vertrauen mit Ergebnissen zurückgezahlt.“

Flops: Bad Dürrheim hätte noch besser abschneiden können. Die Spiele in Furtwangen (0:3), Stockach (1:5) oder beim Hegauer FV (1:5) waren Rückschläge und kosteten zudem ein deutlich besseres Torverhältnis. Steigerungsmöglichkeiten hat die Elf beim Ballbesitzspiel, der Optimierung der Laufwege und manchmal bei der Umsetzung der guten Trainingseindrücke.

Fazit: In der Winterpause wird es personelle Veränderungen geben. Zwei Abgänge sind offenbar fix, zwei neue Spieler sollen verpflichtet werden. Bad Dürrheim hat sich eine Ausgangsposition erarbeitet, um eine Abschlussplatzierung drei bis fünf zu schaffen. Um noch höher abzuschließen, müsste viel klappen, inklusive Schwächephasen der Mitkonkurrenten. Die Verjüngung der Elf wird durchgezogen. Blanco hofft, dass mit gewonnen Erfahrungen das Gesamtkonstrukt wächst, um in der kommenden Saison anzugreifen.

FC Gutmadingen

Steffen Breinlinger
Steffen Breinlinger | Bild: privat

Tops: Der Neuling hat sich bisher als Bereicherung der Liga erwiesen. Verein, Trainer und Vereinsführung haben aus dem ersten Landesliga-Jahr, es endete mit dem Abstieg, viel gelernt. Ein zwischenzeitliches Tief wurde schnell überwunden. Trainer Steffen Breinlinger kann aus einem großen Kader wählen, da alle Positionen gut und oft doppelt besetzt sind. „Ich bin mit unserem Abschneiden zufrieden. Die Mannschaft hat schnell aus Fehlern gelernt und diese abgestellt. Platz zwei in der Fairplaywertung kann sich sehen lassen.

Flops: Gutmadingen hatte ein Zwischentief, in dem die Elf auf den vorletzten Platz abrutschte. Vor dem gegnerischen Tor fehlt oftmals noch die Effizienz. Da wünscht sich der Coach ein abgezockteres Auftreten. Auch spielerisch kann die Elf zulegen. Es setzte einige derbe Pleiten, bei F.A.L. (0:4), in Bad Dürrheim (0:4) in Gottmadingen (0:6) und gegen Überlingen (2:5).

Fazit: Gutmadingen ist auf einem guten Weg, erstmals die Klasse zu halten. Die Elf ist ausgeglichen besetzt. Zehn Spieler kamen in 14 Partien zum Einsatz. Rückschläge warfen die Elf nie um. Die Mannschaft ist in der Lage, schnellen und attraktiven Fußball zu spielen und sie ist seit einigen Jahren eingespielt. Die Abstimmung passt. Personell wird es im Winter keinerlei Veränderungen geben. „Das ist auch nicht nötig, weil wir qualitativ und quantitativ einen sehr ausgeglichen Kader haben, mit dem es Spaß macht, sich Ziele zu setzen und zu erreichen“, betont Breinlinger. Die Trainingsbeteiligung ist vorbildlich. Physisch und psychisch hält die Elf mit. Auch wenn es im Kampf um den Ligaerhalt nochmals eng werden kann, scheint das Team ausreichend gefestigt, um nicht nervös zu werden.

FC Neustadt

Zeljko Cosic
Zeljko Cosic | Bild: Bernd Seger

Tops: Der FC Neustadt hat sich mit einer Serie von sechs ungeschlagenen Spielen in die Winterpause verabschiedet. Nach einem größeren personellen Umbruch im vergangenen Sommer haben sich mehrere Spieler wie Hermann Takuete, Fehti Köycü oder Nikola Kosic sehr gut integriert. Einen Sprung nach vorne machten auch die Tritschler-Brüder. Einige junge Spieler wurden herangeführt. Nur vier Konkurrenten haben weniger Tore kassiert, was für gute Defensivleistungen spricht. Neustadt hat alle Chancen, mit einer guten Rest-Saison die Liga zu halten. Der vor der Saison neu verpflichtete Trainer Zejlko Cosic hat sich schnell integriert.

Flops: Neustadt steckt im Abstiegskampf. An vier Spieltagen hing die Rote Laterne im Jahnstadion. Wichtige Stammspieler wie Sam Samma, Arne Mundinger, Manuel Werner oder Tobias Gutscher fielen zwischenzeitlich lange aus, was ein Grund für den Absturz war. Neustadt hat, die zwei Rückenrundenspiele ausgenommen, offensiv zu wenig aus den eigenen Chancen gemacht. Vier Platzverweise werden von keinem anderen Team überboten.

Fazit: Neustadt hat bereits drei Zugänge für die zweite Saison-Hälfte gewonnen und will weiter nachlegen. Thomas Fischer, der noch keine Minute gespielt hat, kehrt als Offensivhoffnung zurück. „Wir hätten sicherlich drei bis fünf Punkte mehr haben können. Wir haben Qualität im Kader und sind alle Spieler da, auch die Möglichkeit, uns schnell von den Abstiegsplätzen abzusetzen“, betont Cosic. Dafür mache die jüngste Erfolgsserie vor der Winterpause Mut. In erster Linie hofft der Trainer, ab März ohne Verletzungspech durch die Runde zu kommen, um dann auch zeitnah den Verjüngungsprozess fortzusetzen.

FC Furtwangen

Mustafa Gürbüz
Mustafa Gürbüz | Bild: Joachim Klein

Tops: Trainer Mustafa Gürbüz wollte vor der Saison 16 bis 17 Punkte holen. Diesbezüglich war es eine Punktlandung. Auch der vom Trainer erhoffte Entwicklungssprung der Mannschaft ist eingetreten. Furtwangen startete sehr gut und war zwischenzeitlich sogar Zweiter. Vereinsführung und Trainer übten sich stets in Geduld. Es gab keine Störfeier. Einige jüngere Spieler zeigten, dass mit ihnen perspektivisch gerechnet werden kann. Die nur 26 Gegentreffer werden allein von Spitzenreiter Villingen unterboten.

Flops: Furtwangen überwintert auf einem Nichtabstiegsplatz, jedoch punktgleich mit allen dahinter platzierten Teams. Nach dem Aufstieg 2010 ist der Klassenerhalt ernsthaft in Gefahr. Die Misere begann, als der neu verpflichtete Trainer Christoph Brugger kurz vor dem Auftakt der Vorbereitung wieder absagte. Da brachen auch eingeplante Spielerzugänge weg. Gürbüz bescheinigt den Spielern viel Engagement, sagt aber im gleichen Atemzug: „Einige sind jedoch keine Spieler für die Landesliga.“ Furtwangen hat die mit Abstand wenigsten Tore geschossen.

Fazit: Die Furtwanger haben schon einiges unternommen, um den Kader für die Rückrunde zu vergrößern. Die Hoffnungen, vor allem bei Marcel Wetzig, ruhen darauf, dass die Winterzugänge alle einschlagen und Gürbüz mehr Alternativen hat. Steht die Defensivabteilung weiterhin so gut, kann das ein Schlüssel zum Klassenerhalt werden. Voran geht weiterhin der über 40-jährige Ali Günes, der auch ohne Teamtraining eine Stütze ist. „Wir haben in allen Bereichen noch Luft nach oben. Mir war von vornherein klar, dass wir allein um den Ligaerhalt spielen. Wir müssen beim Torabschluss effizienter werden. Greifen alle Maßnahmen, können wir das Ziel erreichen. Viel Verletzungspech sollte nicht hinzukommen“, ergänzt Gürbüz.

FC Löffingen

Frank Löffer
Frank Löffer | Bild: Dominik Ikic

Tops: Löffingen hat in den Spielen gegen F.A.L. (3:0) oder in Überlingen (4:1) gezeigt, was in der Mannschaft steckt. Von den jungen Spielern haben Nico Klein, Ilias Sidi-Yacoub, Sven Plasch oder Torhüter Marcel Wetterer gezeigt, dass der Verein perspektivisch auf sie bauen kann. Seit dem Aufstieg 2014 hat sich der Verein in der Liga etabliert. Löffingen gehört mit dem FC Singen zu den zwei Teams, die noch keinen Platzverweis kassiert haben.

Flops: Löffingen überwintert auf dem vorletzten Platz. In erster Linie ist dafür das große Verletzungspech verantwortlich. Leistungsträger wie Dominik Osek, Simon Weißenberger, Alexander Schuler, Benjamin Gaudig, Daniel Fuß oder Kim Hirschbolz mussten viele Spiele aussetzen. Löffingen hat seine einstige Heimstärke verloren und ist Schlusslicht in der Heimtabelle. Die Elf schoss im Schnitt nur 1,35 Tore. In Walbertsweiler und Gottmadingen setzte es zwei derbe 1:6-Pleiten. In der vergangenen Saison holte die Elf aus 17 Spielen 25 Punkte, aktuell sind es jetzt 17.

Fazit: Löffingen muss um den Klassenerhalt zittern. Andererseits hat die Elf, stehen alle Akteure zur Verfügung, die Qualität für den Ligaerhalt. Darauf ruhen die Hoffnungen. „Sind alle Spieler an Bord, haben wir eine schlagkräftige Mannschaft“, sagt Co-Trainer Frank Löffler. Personelle Zugänge im Winter sind eher nicht geplant. Die vorhandenen Akteure müssen es richten. Mit mehr Stabilität sollte die Elf, die bisher in der Saison Platz acht als beste Platzierung schaffte, vier, fünf Mannschaften hinter sich lassen. „Unser Ziel wird es sein, fit und motiviert in die zweite Saison-Hälfte zu gehen“, kündigt Löffler an. Einhergehen sollte die Rückkehr zu mehr Heimstärke und mehr Torgefährlichkeit.

FC Schonach

Alex Fischinger
Alex Fischinger | Bild: Kaltenbach, Christof

Tops: Trotz gewaltiger personeller Sorgen und ständigen Umbauarbeiten in der Startformation hat der FC Schonach alle Chancen auf den Klassenerhalt gewahrt und ist nicht abgefallen. Zahlreiche junge Spieler haben ihre Einsatzchancen genutzt. Andere kamen aus der Kreisliga B hinzu. Trotz der sportlich prekären Lage herrschte im Verein immer Ruhe. Die gesamte sportliche Leitung stand hinter dem Trainer und seinen Spielern. Jeder Nackenschlag wurde weggesteckt. Schonach gelangen Überraschungserfolge wie beim Hegauer FV oder in Furtwangen. Auch das 2:2 gegen F.A.L. zählt dazu.

Flops: Schonach überwintert mit der Roten Laterne. Nur zwischen dem siebten und 13. Spieltag wurde ein Abstiegsplatz verlassen. Mehr als Rang acht wurde nie erreicht. Die Verletzungssorgen waren zeitweise so groß, dass die Elf kein Landesliga-Niveau mehr hatte. Es setzte hohe Pleiten wie in Walbertsweiler (1:5), Gutmadingen (0:5) oder Singen (1:5). Die Elf hat das schlechteste Torverhältnis (-15) in der Liga. Nach 25 Punkten zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison, stehen aktuell 17 Zähler auf der Habenseite.

Fazit: Schonach hat alle Chancen, die Klasse zu halten. „Wir werden richtig angreifen. Dass wir das Schlusslicht in der Liga sind, ist mir völlig wurscht. Ich habe gute Argumente, um potenzielle Zugänge anzusprechen. Wir werden uns verstärken und hoffen gleichzeitig, dass das Verletzungspech im Frühjahr einen großen Bogen um Schonach macht“, sagt Trainer Alex Fischinger. Er ist sich sicher, dass auch mit dem vorhandenen Kader eine Abschlussplatzierung machbar ist, die deutlich über den Abstiegsplätzen liegt. Er würdigt besonders das gute Klima im Verein. Alle hätten verstanden, warum Schonach aktuell am Tabellenende steht. Fischinger macht sich keine Sorgen. Die Schonacher Mannschaft ist ab März gefordert, den Trainer nicht allein im Regen stehen zu lassen. Dabei soll der besondere und ausgeprägte Team-Charakter der vergangenen Jahre der Schlüssel zum Erfolg sein.

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