Ja – sie hat es noch drauf. Ein, zwei Mal lässt Jasmin Markanic den Ball hüpfen: „Fürs Foto reicht‘s sicher noch“, lacht die 29-Jährige verschmitzt. Aber es waren nicht ihre Ballfertigkeiten, die sie im vergangenen Sommer als erste Frau überhaupt an die Spitze des FC Schönau 08 katapultierten.

Jasmin Markanic (29) stammt aus Wieden. Sie lebt in Schönau, arbeitet im Marketing eines weltweit tätigen Pumpenherstellers aus Maulburg. Mit 14 Jahren begann sie mit Fußball beim FC Schönau, spielte bis 2010 und trainierte zwei Jahre die B-Juniorinnen. Als Au-Pair studierte sie ein Jahr in Virginia/USA spielte dort College-Fußball. Nach ihrer Rückkehr studierte sie drei Jahre Public Relations in Hannover. Seit 2014 lebt sie wieder in Schönau, wurde zur 3. Vorsitzenden gewählt. Seit Juli steht Jasmin Markanic als erste Frau in der Vereinsgeschichte an der Spitze des Bezirksligisten.
Jasmin Markanic (29) stammt aus Wieden. Sie lebt in Schönau, arbeitet im Marketing eines weltweit tätigen Pumpenherstellers aus Maulburg. Mit 14 Jahren begann sie mit Fußball beim FC Schönau, spielte bis 2010 und trainierte zwei Jahre die B-Juniorinnen. Als Au-Pair studierte sie ein Jahr in Virginia/USA spielte dort College-Fußball. Nach ihrer Rückkehr studierte sie drei Jahre Public Relations in Hannover. Seit 2014 lebt sie wieder in Schönau, wurde zur 3. Vorsitzenden gewählt. Seit Juli steht Jasmin Markanic als erste Frau in der Vereinsgeschichte an der Spitze des Bezirksligisten. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Es war der nächste Schritt einer Entwicklung beim Bezirksligisten, den Robert Bianchi vor Jahren schon erahnte: „Robert hat mir mal prophezeit, dass ich eines Tages hier Vorsitzende werde“, erinnert sich Jasmin Markanic an das Orakel: „Und nein, es war trotzdem nie mein Ziel, an der Spitze zu stehen.“

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Als klar war, dass Vorgänger Burkhard Steinebrunner das Amt abgibt, rückte die umtriebige junge Frau in den Fokus: „Irgendwie war mein Weg ja vorgezeichnet“, erzählt Jasmin Markanic, wie schnell die Sportanlage im Buchenbrand ihr zweites Wohnzimmer wurde: „Ich war als kleines Mädchen schon jedes Wochenende mit dem Papa hier. Mit 14 spielte ich dann selbst Fußball.“

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Damals musste sich die Saxophonistin entscheiden: Ton angeben bei Bergmannskapelle in Wieden, oder Fußball beim FC Schönau? Die Familientradition setzte sich durch. Vater Egon, heute Abteilungsleiter der Alten Herren, ist eine Stütze des Vereins. Felix, der ältere Bruder von Jasmin, ist ebenfalls nicht wegzudenken. Felix sei so typisch für den Charakter der Schönauer, erzählt Jasmin Markanic begeistert: „Er lebt in Basel, wechselte zum FC Therwil, kam schon nach einem Jahr zurück. Beim FC Schönau spielen eben die Kumpels, wir sind schon so wie eine große Familie.“

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Klingt zwar abgedroschen, ist es aber nicht. Jasmin Markanic ist der beste Beweis dafür: „Ich habe nicht sofort zugesagt, als die Frage an mich heran getragen wurde – schließlich hat eine Frau einen etwas schwereren Stand bei den Fußballern.“ Wichtig war ihr vor der Zusage das vertrauliche Gespräch mit dem Vater: „Hätte der gesagt – Mädchen, du spinnsch – dann hätte ich es nicht gemacht.“ Doch Egon Markanic wusste nicht nur um die organisatorischen Fähigkeiten seiner Jüngsten. Ihm war auch klar, dass Jasmin trotz – oder vielleicht wegen – ihrer Weiblichkeit beim FC Schönau längst eine feste Größe ist.

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Seit einigen Jahren schon sitzt die adrette Frau im Vorstand, der sich in der Regel monatlich bei „Pit“ im Sportheim trifft. Als dritte Vorsitzende war sie für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig – diese Tätigkeit übt sie weiter aus. Doch sie kann nicht nur schreiben und fotografieren, sondern hat ihr Ohr am Puls des Vereins. Heim- und Auswärtsspiele verpasst sie selten. Als Vorsitzende ist sie mehrmals die Woche am Spielfeld anzutreffen.

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„Mir ist wichtig, dass ich für jedes Mitglied – aktiv oder passiv, Jugendspieler oder Fußballerin, Trainer oder Betreuer – präsent und ansprechbar bin“, so Jasmin Markanic, die sich zwar freut, dass es feste Zuordnungen und Strukturen im Vorstand gibt, aber auch selbst zupackt, wenn ein Problem auftaucht: „Ich bin stolz auf meine Vorstandskollegen. Jeder füllt sein Amt nach Kräften aus“, so Jasmin Markanic: „Wir achten auch darauf, dass keiner zu viele Bereiche hat, so dass für die Aufgaben machbar sind – neben Familie und Beruf.“

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Familie und Beruf sind auch Jasmin Markanic sehr wichtig: „Bei meinen Eltern und meinen Geschwistern kann ich abschalten, das ist mein Rückzugsort. Obwohl meine Schwester in Karsau lebt und mein Bruder in Basel, sehen wir uns einmal wöchentlich zu Hause in Wieden.“ Beruflich ist Jasmin Markanic als Fachfrau für Marketing eines weltweit operierenden Pumpenherstellers aus Maulburg ebenfalls stark eingespannt: „Wegen Corona ist die Reisetätigkeit eingeschränkt, aber zu normalen Zeiten bin ich oft unterwegs“, erzählt sie: „Und wenn ich dann aus dem Flieger steige, freue ich mich auf zu Hause, auf die Familie und meine Fußballer.“

Sie hat‘s noch drauf: Einst aktiv auf dem Platz, steht Jasmin Markanic beim FC Schönau nun in der Clubführung als 1. Vorsitzende in der Verantwortung.
Sie hat‘s noch drauf: Einst aktiv auf dem Platz, steht Jasmin Markanic beim FC Schönau nun in der Clubführung als 1. Vorsitzende in der Verantwortung. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Nicht erst seit ihrer Wahl an die Vereinsspitze spürt Jasmin Markanic den Rückhalt: „Mit den Jungen wurde ich ja mehr oder weniger groß, aber auch die Alten unterstützen mich“, freut sich die 29-Jährige: „Ich glaube, dass ich eine Frau bin, ist überhaupt kein Problem.“ Das Zwinkern ist fast nicht zu übersehen, denn Jasmin Markanic weiß nur zu gut, dass ihr weiblicher Charme hin und wieder von Vorteil ist: „Wenn ich will, weil ich was will, kann ich die Jungs gut um den Finger wickeln.“

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Das scheint allerdings selten nötig: „Ich bin ein kommunikativer Mensch, der offen ist, sehr auf Transparenz achtet – aber auch jedem seine Aufgaben zuweist“, umschreibt sie ihren Führungsstil: „Robert Bianchi beispielsweise war sofort bereit, als 3. Vorsitzender zurückzukehren – nicht nur weil er mir Unterstützung versprochen hat, sollte ich Vorsitzende werden. Muss etwas gemacht werden, ist Robert als Handwerker der richtige Mann am richtigen Ort.“ Ähnlich gerät sie ins Schwärmen, was die Zusammenarbeit mit Dennis Kiefer, dem zweiten Vorsitzenden, angeht: „Wir reden täglich, stimmen alles ab – ein absolutes Vertrauensverhältnis.“

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Gutes Stichwort: Als Vorsitzende des FC Schönau ist sie ja quasi „Chefin“ des Bundestrainers, der noch immer Mitglied des FC Schönau ist. „Wie kommen Sie mit Jogi Löw klar?“ Der Mann, der als Schönaus größter Stolz lächelnd von den Plakaten an den Ortseingängen grüßt, genießt im nach ihm benannten Stadion keinen Promi-Status: „Den will er auch nicht. Kommt er mal auf einen Kaffee zu Pit, dann hat er seine Ruhe, ist einer von uns – und das ist gut so.“

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Auf zwei Jahre ist Jasmin Markanic, jüngstes Mitglied aller Zeiten an der Spitze des vor 112 Jahren gegründeten Vereins, gewählt. Doch 2022 soll die Mission nicht beendet sein: „Ich bin keine Notlösung, ich will etwas bewegen“, blickt sie auf die Aufgaben in dem 450 Mitglieder starken Verein. Die neue Flutlichtanlage, von der Stadt installiert, wird Energiekosten senken. Im Sportheim wird eifrig gewerkelt. Zu tun gibt es im Buchenbrand immer etwas.

Jasmin Markanic (29), Vorsitzende des FC Schönau: „Wenn ich will, weil ich etwas will, kann ich meine Jungs mit meinem Charme auch ganz gut um den Finger wickeln.“
Jasmin Markanic (29), Vorsitzende des FC Schönau: „Wenn ich will, weil ich etwas will, kann ich meine Jungs mit meinem Charme auch ganz gut um den Finger wickeln.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Die neben Verena Bastian vom FC Wittlingen einzige Vereinsvorsitzende im Bezirk Hochrhein, denkt langfristig: „Natürlich wäre Landesliga auch mal wieder schön. Aber das ist nicht das größte Ziel. Wir wollen erstmal in der Bezirksliga bleiben -und schaffen das auch.“

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Eher kann sie sich vorstellen, dass die Vereine im Wiesental eines Tages zueinander finden: „Momentan stehen wir noch gut da. Was in fünf oder zehn Jahren ist, weiß keiner. Die gesunde Rivalität gibt es noch, aber längst nicht so verbohrt wie früher. Unsere gemeinsame Jugendarbeit zeigt, dass es gehen kann – wenn es denn sein soll.“