Video: Scheibengruber, Matthias

Fußball-Bezirksliga: – Es gibt Dinge, die ändern sich scheinbar nie: „Wir haben am Weinfest noch nie ein Heimspiel verloren“, schmunzelte der zweifache Torschütze Simon Lauber nach Spielende verschmitzt in die SÜDKURIER-Kamera: „Das war mal wieder ein gutes Omen.“ Und dann spielt es offensichtlich auch gar keine Rolle, wer da als Gegner in Hohentengen auf dem Platz steht. Der FC Hochrhein putzt am Weinfest auch einen scheinbar übermächtigen FC Wittlingen weg: „Ich denke sie haben uns anfangs unterschätzt. Schließlich ist das technisch und spielerisch eine der besten Mannschaften.“

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Davon war indessen auf dem engen Geläuf an der Weiherstraße nicht viel zu sehen. Ohne Spielgestalter Imad Kassem Saad taten sich die Gäste aus dem Kandertal extrem schwer, kamen mit dem kleinen Platz überhaupt nicht zurecht. Ehe sie sich richtig versahen, lagen die Mannen von Tiziano Di Domenico mit 0:2 zurück.

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Simon Lauber hatte zwei Mal gut Maß genommen. Beim 1:0 (9.) nahm er eine Ecke von Timo Keslinke volley und fand die Lücke in der Abwehr. Zum 2:0 (21.) zirkelte er einen Freistoß von links an der Mauer vorbei ins Netz. Spätestens jetzt war der bis dahin unbesiegte Riese gereizt.

Benedict Schneider (FC Wittlingen): „Wir wurden hier etwas ausgebremst und versuchen nächste Woche, gegen den SV Buch wieder die drei Bohnen zu holen.“
Benedict Schneider (FC Wittlingen): „Wir wurden hier etwas ausgebremst und versuchen nächste Woche, gegen den SV Buch wieder die drei Bohnen zu holen.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Doch weniger durch die Nadelstiche des frechen Aufsteigers, der sich das unglückliche 2:3 in Buch von der Seele spielte, als von Schiedsrichter Jürgen Vogelbacher. „Ich fühlte mich über 90 Minuten von ihm provoziert“, schäumte Gästetrainer Tiziano Di Domenico: „Der Sieg des FC Hochrhein ist verdient und wir haben sicher nicht wegen des Schiedsrichters verloren, sondern weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben.“ Allerdings sei die Spielleitung höchst fragwürdig gewesen.

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Das Unheil aus Wittlinger Sicht begann mit dem Treffer zum 3:0 (34.) durch Nico Maier, den nicht nur der Gästeanhang deutlich im Abseits starten sah: „Danach hat er nur noch gegen uns gepfiffen“, kapitulierte Di Domenico, dessen Co-Trainer Antonio Ratto nach 70 Minuten freiwillig das Weite suchte: „Ich habe Puls über 100. So eine Leistung habe ich in 40 Jahren nicht erlebt“, schimpfte er.

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Als Spiel entscheidend sahen die Gäste das Foul von Thomas Wehrle in der 57. Minute an Alexander Herbst. Vogelbacher pfiff, Herbst schnappte sich den Ball und legte ihn auf den Elfmeterpunkt: „Ich war bereits auf den Anlauf konzentriert, da sagt er mir, dass es lediglich Freistoß für uns gebe“, wunderte sich der 24-Jährige. Den Schuss von der Strafraumlinie spielte Herbst dann so unkonzentriert in die Mauer, dass auch diese Chance verpuffte: „Wenn wir da den Strafstoß kriegen, dann haben wir noch eine halbe Stunde Zeit, dieses Spiel zu gewinnen“, deutete Di Domenico an, dass er sein Team nicht als die „schlechtere Mannschaft“ gesehen hatte.

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So hatten also auch die Wittlinger ihr „Deja vu“: Was dem FC Hochrhein sein Weinfest, ist dem Titelkandidaten der Unparteiische: „Schon als ich die Ansetzung gesehen habe, war mir klar, dass das nicht gut gehen kann. Es gab vor Jahren schon mal mächtig Ärger, danach hatten wir diesen Mann als Spielleiter abgelehnt“, wunderte sich Tiziano Di Domenico, der im Verlauf der zweiten Hälfte auch noch „Gelb“ wegen Meckerns kassierte, nicht wirklich.

Redebedarf: Mit zahlreichen Entscheidungen von Schiedsrichter Jürgen Vogelbacher war Trainer Tiziano Di Domenico vom FC Wittlingen nicht wirklich zufrieden.
Redebedarf: Mit zahlreichen Entscheidungen von Schiedsrichter Jürgen Vogelbacher war Trainer Tiziano Di Domenico vom FC Wittlingen nicht wirklich zufrieden. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Philip Brandl vermochte den Ärger teilweise nachvollziehen, bestätigte gar die fragliche Abseitsstellung und den nicht gegebenen Strafstoß: „Aber es wäre zu einfach, wenn wir den Sieg am Schiedsrichter oder am kleinen Platz – der wirklich ein klassischer Heimvorteil für uns war – festmachen“, betonte der Trainer nach dem ersten Bezirksliga-Sieg des FC Hochrhein seit dem 13. Mai 2015, einem 1:0-Sieg über den FC Erzingen.

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Der Torschütze von damals war auch dieses Mal, neben den aktuellen Torschützen Simon Lauber und Nico Maier, eine der entscheidenden Figuren beim FC Hochrhein. Sebastian Meier (32) organisierte mit Andreas Rutschmann (33) die Innenverteidigung, räumte ab, was in den Strafraum kam. Und das Duo wusste hinter sich einen Torwart, den vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte.

Simon Lauber (FC Hochrhein): „Bis zum Stand von 2:0 haben sie uns wohl unterschätzt.“
Simon Lauber (FC Hochrhein): „Bis zum Stand von 2:0 haben sie uns wohl unterschätzt.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Nach der Verletzung von Lukas Stelter war Simon Krause ins erste Glied gerückt und stellte vor allem in der Schlussphase, als der FC Wittlingen auf Biegen und Brechen zum Erfolg kommen wollte, sein Können unter Beweis. Gegen Giuseppe Imbrogiano (88.) und Colin Palatini (90.+2) hielt Krause aus kurzer Distanz: „Der Mann hat heute das Spiel seines Lebens gemacht“, zog Di Domenico verbal den Hut vor dem 20-jährigen Schlussmann.

Pünktlich vor dem Derby beim FC Tiengen 08 hat der FC Hochrhein den Ban gebrochen, belohnte sich für seinen mutigen Auftritt: „Vielleicht hatten wir auch das nötige Quäntchen Glück, aber die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, war Philip Brandl sichtlich stolz: „Zumal wir neben Lukas Stelter auch Philipp Jedlicka sowie die Neuzugänge Fabio Kech und Lukas Mülhaupt ersetzen mussten.“

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Der Vorteil des FC Hochrhein sei zudem die Tatsache gewesen, dass „wir wie Union Berlin gegen Borussia Dortmund nichts zu verlieren hatten“, grinste Brandl, der trotz allem Wittlinger Druck im zweiten Durchgang auch viel versprechende Konter seiner Elf sah: „Die müssen wir besser ausspielen, dann machen wir das vierte Tor.“ Die beste Möglichkeit hatte dabei Mike Amann, dessen Schuss in der 65. Minuten lautstark an die Latte knallte.

FC Hochrhein – FC Wittlingen 3:1 (3:1). – Tore: 1:0 (9.) und 2:0 (21.) beide Lauber; 3:0 (34.) Maier; 3:1 (35.) Böhler. – SR: Jürgen Vogelbacher (Schwerzen). – Z.: 190.

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