Fußball-Bezirksliga: – Man kann die Dinge immer auf zwei Arten betrachten, so auch das System „Tracktics“, mit dem der SV Herten seit geraumer Zeit arbeitet. Dieses auf den Fußball spezialisierte Trackingsystem ermittelt während des Spiels zahlreiche Daten der Spieler. „Für uns geht es einzig um die Laufleistung“, umreißt Sportchef Matthias Tröndle, der die neuartige Innovation eingeführt hat und betreut. Im Zeitalter des sensiblen Datenschutzes und permanent drohender Überwachung lässt Tröndle höchste Vorsicht gelten: „Alle Spieler gaben ihr Einverständnis. Die gesammelten Daten stehen nur ihnen und der Teamleitung zur Verfügung.“

Fast unsichtbar: Den Tracktics-Sender tragen die Spieler des SV Herten im Bauchgurt.
Fast unsichtbar: Den Tracktics-Sender tragen die Spieler des SV Herten im Bauchgurt. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Was anfangs immer wieder Verwunderung bei Zuschauern auslöste, ist beim SV Herten mittlerweile Normalität. Wenige Minuten vor dem Spiel läuft Tröndle mit einem schwarzen Koffer auf dn Platz. Er holt 14 flache GPS-Karten, in etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel, heraus und aktiviert sie. Sekundenschnell sind die kleinen Sender mit den GPS-Satelliten verbunden und werden nun, durchnummeriert, an den Kader verteilt. „Jeder Spieler trägt einen Bauchgurt, in die er den Tracker schiebt“, versichert Tröndle, dass weder Spieler noch Gegenspieler gehandicapt sind: „Die Teile sind kaum zu spüren.“

Fortan zeichnet der Tracker jede Bewegung der Hertener Spieler auf. Per Knopfdruck signalisiert Tröndle bei An- und Abpfiff jeder Halbzeit die Zeitzonen, in denen die Daten interessant werden. Fortan machen Spieler keinen Schritt mehr, ohne dass es das System mitbekommt.

Trainer Thorsten Szesniak wird sich also hüten, seinem Manndecker mit dem Auftrag „Du verfolgst ihn auf Schritt und Tritt, notfalls bis zum Klo“ auf den Platz zu schicken – Tracktics registriert im Zweifel auch solche Aktionen. Allerdings hat Matthias Tröndle lang vor dem Verteilen der Lesegeräte den Sportplatz „eingelesen“. Das ist vor allem bei Auswärtsspielen wichtig, denn hier kommt das System ja nur einmal pro Saison zum Einsatz.

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Vom „gläsernen Spieler“ will Tröndle im Zusammenhang mit Tracktics nicht reden. Dass alle Akteure ihr Einverständnis zur Datenerhebung geben, sei kein Problem gewesen: „Die Spieler sehen ja in erster Linie den Nutzen dieser Sache“, so Tröndle. Entsprechend werde auch geflachst: „Da kann es schon mal vorkommen, dass einem laufstarken Spieler unterstellt wird, dass er in einer Verletzungspause ein paar Sprints extra gemacht hat“, lacht der Sportchef, der die Innovation unter dem Motto sieht: Es ist dem Trainer nun möglich, subjektive Eindrücke mit objektiven Fakten zu untermauern oder zu widerlegen.“

Vorbei sind beim SV Herten die Zeiten, in denen sich ein unscheinbarer Spieler rechtfertigen muss, dass er vielleicht zu wenig gelaufen sei: „Wir zeichnen seine komplette Laufleistung auf. Daraus ersehen wir seine Sprints, seine Pausen, seine Geschwindigkeit und auch seine Beschleunigung.“ Diese Werte helfen dem Trainer nicht nur bei der Aufstellung der Mannschaft, sondern auch dem Spieler, der mögliche Defizite speziell wegtrainieren kann: „Letztlich ist Tracktics ein versteckter Konditions- und Athletiktrainer, den wir uns als Bezirksligist natürlich nicht leisten könnten.“

Video: Scheibengruber, Matthias

Messungen über die Vorrunde ergeben ein klares Bild über die läuferischen Fähigkeiten eines jeden Spielers: „Wir konnten so beispielsweise auch klar auswerten, ob das desolate 1:6 gegen die SpVgg. Brennet-Öflingen auf die Kappe einzelner Spieler oder der gesamten Mannschaft gegangen ist“, grinst Tröndle verschmitzt, ohne die Karten auf den Tisch zu legen: „Datenschutz.“

Was aber hat den SV Herten nun bewogen, so ein System anzuschaffen: „Als Amateurverein wollen wir unseren Spielern alle Möglichkeiten geben, mit Spaß und Freude ihrem Hobby nachzugehen“, erklärt Tröndle die Philosophie des Vereins: „Wir wollen ihnen etwas besonderes beim SV Herten bieten und ihnen die Möglichkeit geben, dadurch bessere Fußballer zu werden.“

Dass „Tracktics“ auch eine Stange Geld kostet, will Tröndle nicht verhehlen: „Wir sind froh, im Fitnesstreff Herten einen Sponsor gefunden zu haben, der uns bei der Anschaffung unterstützt hat und so ermöglicht, dass wir als einer der ersten Vereine in Südbaden das System nutzen.“