Ein Phänomen nervt die Eheleute Willi und Irene Heine in der Hansjakobstraße. Seit 2014 haben sie regelmäßig Besuch von Rehen, die Salate, Bäume, Blüten, Blätter oder Blumen anknabbern. Doch so schlimm wie in den vergangenen Monaten war es noch nie. Intensiv grasen die Wildtiere an den Hängen des Gartens, laufen gemütlich über Wege, finden alle möglichen Schlupflöcher und überwinden ohne Schwierigkeit jegliche Hindernisse. Oftmals taucht zur Zeit wohl immer das gleiche Tier zu unterschiedlichen Tageszeiten bis zu dreimal täglich auf. 2018 sei das ein herrlicher Bock mit gut ausgeprägtem Gehörn gewesen, erinnert sich das Ehepaar. Alle knabbern aber an Blüten und Blättern. Sie zertreten Salate oder Pflanzenknollen. Dabei sind die Heines Natur- und Tierfreunde. Sie erfreuen sich an Fröschen, Igeln oder Blindschleichen. Auch Begegnungen mit Mardern, Füchsen, Schlingnattern oder Kreuzottern gibt es. Schlangen werden im Eimer in den Wald zurückgebracht. Mancher Wiederkehrer bekommt sogar einen Namen.

Sonniger Wäscheplatz lockt

Bei den Rehen sind die Heines indes ratlos. Oft kommt es zu hautnahen Begegnungen, wie beispielsweise am Wäscheplatz, auf dem sich ein Reh gemütlich sonnte. Heines fragen sich: „Ist das Wildtier verhaltensgestört? Hat es eventuell Tollwut?“ Das derzeitige Tier macht sich an Funkien zu schaffen und verachtet weder Ringelblumen noch Zierklee. Pfaffenhütchen, Schneehortensien oder Trauerweide gehören auch zum Speiseplan. Im Winter ist Efeu begehrt. Einmal war ein ganzer Busch Kletterrosen abgefressen. Eindeutig sind die Fährten und die Reh-Losung (Kot). Tulpen oder Veilchen werden schon gar nicht mehr gepflanzt, obwohl der Garten einem Eden gleicht.

Tiere völlig unbeeindruckt

Nicht unerheblich ist der finanzielle Schaden. Heines schützen sich, so gut es geht. Am Abend wird der Treppenaufgang abgesperrt, Eimer schützen Rosengewächse, ein horizontales Band mit Glöckchen und Büchsen soll abschrecken. Vliesabdeckungen sind indes kein Hindernis. Sie werden zerrupft, um an das begehrte Grün zu kommen. Auch Drahtzaunabdeckungen oder Baumumwicklungen nützen nichts. Aufgehängte Girlanden, Luftballons oder CDs zeigten keine Wirkung. Eine vergärte Holundermischung oder empfohlene Berberitze – vergebens. Hunde in der Nachbarschaft schlagen nicht an, auch der Einsatz von Duftstoffen nutzte nichts.

Letztlich bleibt der Abschuss

Hilft eine stabile, mehrere Meter hohe Einzäunung? Der Nagelsberg, besser als „Ochsenberg“ bekannt, grenzt unmittelbar an das Gelände. Zwar gibt es nahe, gut frequentierte Wanderwege, aber die Rehe werden nicht vertrieben. Eine Nachfrage bei Revierleiter Alfred Heinzelmann ergab, dass man bereits Verstänkerungsmittel in der Nähe des Gebiets einsetze. Der erfahrene Förster und Jäger bestätigte, dass ein aufgezogenes Rehkitz, das von seiner Mutter einen bestimmten Fressplatz gezeigt bekam, immer wieder zurückkehrt. Letztlich bleibe nur der Abschuss, und der sei nicht leicht in einem Wohngebiet und in dieser Hanglage. Außerdem besteht bis zum 1. September Schonfrist für Geißen und Kitze.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €