„Bloß nicht den Pinsel fallen lassen, denn sonst musst du den Kirchturm runter- und anschließend wieder hochklettern“: Das ist eine der Vorgaben, die Tim Vollhardt und Niklas Dormanns von der Simonswälder Firma Auszeit zurzeit haben. Beide Handwerker sind momentan im Auftrag der Erzdiözese Freiburg am Klettern, um dem Uracher Kirchturm einen neuen Farbanstrich zu verpassen.

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Vollhardt ist zugleich Geschäftsführer mit der Ausbildung Industriemechaniker und Zimmerer sowie Berufserfahrung im Bereich Elektronik. Weiter hat Vollhardt die Prüfungen zum Industriekletterer sowie die Spezialisierung seilunterstützter Baumklettertechnik abgelegt. Sein Kollege Dormanns hat ebenfalls die Ausbildung Industriekletterer und Zimmerer. Natürlich macht den beiden die Arbeit in etwa 25 Meter Höhe gar nichts aus, obwohl ihnen immer eine mehr oder weniger frische und teils auch heftige Brise um die Ohren weht. Während der Arbeiten hoffen Vollhardt und Dormanns zudem ein wenig auf den Wettersegen des Pfarrers, denn Dauerregen, große Hitze oder gar ein Gewitter wären gar nicht gut, um kontinuierlich voranzukommen. Doch die aktuelle Hitze ist eben, wie sie ist.

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Bei den Sanierungsarbeiten werden Moosbildungen, andere Verschmutzungen und die alte Farbe zuerst von Hand abgebürstet. Danach erfolgt der neue Farbanstrich. Dieser trocknet relativ schnell, so dass ein paar Regentropfen qualitativ nichts ausmachen. Zuletzt hatte der Uracher Kirchturm im Jahre 1996 den letzten Anstrich erhalten. Damals noch mit Gerüst. Jetzt hat man sich für die Industriekletterer entschieden.

Aktuell musste dabei zuerst durch die Lüftungsgauben in der Spitze der Turmes ein Seil gezogen werden. Erst danach war es möglich, die Kletterseile zu befestigen. Eine besondere Herausforderung stellen bei diesem Auftrag die Arbeiten am unteren Teil der Zwiebel dar, denn hier kann man sich nicht mit den Füßen abstützen.

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Den vielbewunderten Zwiebelturm der Uracher Kirche gibt es übrigens erst seit etwa 250 Jahren. In den Kirchenunterlagen ist vermerkt, dass ein Sturm um das Jahr 1770 den spitz zulaufenden Turmaufsatz beschädigte. Es musste somit ein neuer Turmaufsatz gemacht werden, wobei man sich für den markanten Zwiebelturm entschied.

Ganz zu den Anfängen der Uracher Kirche gelangt man, wenn man ein Besteuerungsbuch der Priester und Pfarrherren des Bistums Konstanz in Händen hält. Im Jahre 1275 ist erstmals von einer Kirche in Urach die Rede. Bringt man den Turm mit dem Bruderschaftsfest in Verbindung, so hatte der Kirchturm bei der Gründung des Bruderschaftsfestes im Jahre 1673 noch eine spitz zulaufende Form.

Das Bruderschaftsfest am 30. August muss coronabedingt in anderer Form ablaufen. Die heilige Messe soll ab 9.45 Uhr auf dem Bolzplatz gefeiert werden. Bei schlechtem Wetter geht man ins Gotteshaus, dann allerdings mit begrenzter Teilnehmerzahl.