Ein heißes Eisen wurde in der Sitzung des Vöhrenbacher Gemeinderates am Mittwochabend angepackt: Kann man das Vöhrenbacher Freibad Schwimmi weiterbetreiben trotz der prekären Finanzsituation der Stadt? In welcher Betriebsform wäre das möglich, um eine Schließung zu vermeiden? Beschlossen wurde schließlich, dass spätestens für 2022 eine neue Betriebsform, beispielsweise durch einen Verein wie beim Bregtalbad in Furtwangen, gefunden werden muss.

Rathaus steht unter Druck

Den Hintergrund machte zunächst die Stadtverwaltung deutlich. Die Finanzsituation der Stadt Vöhrenbach ist sehr schwierig. Ursachen sind die Corona-Pandemie ebenso wie massive Rückgänge bei der Gewerbesteuer und neue Belastungen durch das neue Haushaltsrecht. Die Aufsichtsbehörde (Landratsamt) hat die Stadt schon mehrfach darauf hingewiesen, dass dringend Einsparungen getätigt und gleichzeitig die Erträge/Einnahmen verbessert werden müssen.

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Großes Loch im Stadtsäckel

Für das kommende Jahr rechnet Kämmerer Armin Pfriender für den Ergebnishaushalt mit einem Defizit von 1,2 Millionen Euro. Gefordert wird auf Dauer mindestens eine ausgeglichene Bilanz. Im Finanzhaushalt sollte sogar ein positives Ergebnis erwirtschaftet werden. Hier erwartet Armin Pfriender ein Defizit von 350  000 Euro.

Auf dem Prüfstand stehen deshalb besonders die freiwilligen Leistungen der Stadt, wie das Landratsamt betont. Und zu diesen freiwilligen Leistungen gehört der Betrieb des Freibades.

„Können uns Bad nicht mehr leisten“

Nach der Aufstellung des Kämmerers bedeutete dies in den vergangenen Jahren (2013 bis 2019) einen Zuschussbedarf zwischen 126  000 Euro (2015) und 213  000 Euro (2019), die Kostendeckung betrug zwischen 10,6 Prozent und 22,3 Prozent. „Zusammengefasst können wir uns das Freibad nicht mehr leisten“, formuliert die Verwaltung in der Vorlage für den Gemeinderat.

Städtischen Eigenanteil deutlich reduzieren

Ein weiterer Betrieb sei nur in einer anderen Betriebsform möglich, mit der unter entsprechendem ehrenamtlichen Engagement durch die Bürger der städtische Eigenanteil deutlich reduziert werden kann. Sonst besteht die Gefahr, dass diese freiwillige Leistung auf Anordnung der Aufsichtsbehörde komplett gestrichen und damit das Bad geschlossen wird.

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Verein könnte die Regie übernehmen

Bei der Betriebsform sieht die Verwaltung die Möglichkeit, dass beispielsweise ein Verein (wie in Furtwangen, Tannheim, Häusern und anderen Orten) den Betrieb des Bades in eigener Regie übernimmt. Ein solches Betreibermodell funktioniert allerdings nur mit einem entsprechend großen ehrenamtlichen Engagement.

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Bürgermeister hofft auf gemeinsame Lösung

Bürgermeister Robert Strumberger appellierte an die Gemeinderäte, die Zuhörer und im Prinzip an die ganze Stadt, eine gemeinsame Lösung zu finden. Viele Jahre habe die Stadt das Freibad unterstützt und das Defizit getragen. Die große Zuhörerschar in der aktuellen Sitzung zeige, wie groß das Interesse sei. Wenn jeder mitmache, sei ein weiterer Betrieb des Bades möglich.