Es ist immer noch ein besonderer Tag im Jahresablauf der Uracher Pfarrgemeinde Allerheiligen, wenn das Bruderschaftsfest gefeiert wird. Das war auch am vergangenen Sonntag wieder der Fall.

Dieses Bild sieht man nicht oft: Pfarrer Martin Schäuble predigt von der Kanzel.
Dieses Bild sieht man nicht oft: Pfarrer Martin Schäuble predigt von der Kanzel. | Bild: Hartmut Ketterer

Obwohl es schon 345 Jahre her ist, seit die Maria-Trost-Bruderschaft im Jahr 1673 gegründet wurde, begeht man das Fest in besonders würdiger und feierlicher Art. So verkündet Pfarrer Martin Schäuble die Predigt von der Kanzel aus. Das passiert nur noch an zwei Tagen im Jahr. Der andere Tag ist beim Patrozinium am 1. November, am Allerheiligentag.

Glauben nicht vernachlässigen

In der Predigt führte der Pfarrer aus, dass bei der Gründung der Bruderschaft große Not und Pest in der Gegend herrschten. In Gebeten und im Glauben an Maria suchten die Menschen Trost. Heute hätten die Menschen ganz andere Probleme in der Welt, und die Politiker könnten diese nicht lösen, so Schäuble. Der Geistliche appellierte ­deshalb, den Glauben nicht zu vernachlässigen. Vorbild sei Maria, die auch in schwierigen Zeiten auf Gott vertraute. Schäuble riet dazu, den Glauben zu erneuern und nicht halb­herzig zu sein oder gar zu vernachlässigen.

Wegen Regen keine Prozession

Zum Bruderschaftsfest gehört normalerweise die Prozession durch den Ort, umrahmt vom Musikverein und Kirchenchor und den Schäppelmädchen mit der Marienfigur. Die Prozession musste jedoch in diesem Jahr wegen des Regenwetters ausfallen. Pfarrer Schäuble änderte deshalb den Ablauf und setzte die würdige Feier im Gotteshaus fort. Zum Schlusssegen versammelte sich der Musikverein Urach vor dem Chor, und Dirigent Philipp Schönstein ließ die Lieder „Großer Gott wir loben dich“ und „Tantum Ergo“ erklingen.

Altar vor dem "Löwen"

Schäuble bedankte sich bei allen Mitwirkenden des Bruderschaftsfests und hob besonders den Musikverein, den Kirchenchor unter der Leitung von Waltraud Weißer, die Schäppelmädchen, Fahnen- und Himmelträger, Feuerwehr und Polizei und die Familie Dotter, die bereits vor dem ehemaligen Gasthaus "Löwen" den Altar gerichtet hatte, hervor.

Früher Birefest gefeiert

Die Musiker ließen nach dem Gottesdienst die Instrumente im Gasthaus "Sternen" erneut erklingen und spielten zum Frühschoppen. Früher schloss sich an das Bruderschaftsfest in der Kirche noch eine weltliche Feier an, genannt das Birefest.

Erfreute Gesichter zeigen Pfarrer Martin Schäuble und die Schäppelmädchen, die Ministranten und die Kinder mit ihren Fähnchen beim Bruderschaftsfest in Urach.
Erfreute Gesichter zeigen Pfarrer Martin Schäuble und die Schäppelmädchen, die Ministranten und die Kinder mit ihren Fähnchen beim Bruderschaftsfest in Urach. | Bild: Hartmut Ketterer

Die Namensgebung gab es dadurch, weil zu dieser Jahreszeit die ersten Frühbirnen reif wurden. Das Birefest machte Urach weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Unweit des Seitenaufgangs der Kirche standen früher beim Birefest auch Verkaufshäuschen, in denen Krämer ihre Ware feilboten. Beim Gasthaus Löwen waren zudem noch Schiffschaukel und andere Vergnügungsstände.