Reiten ist der Traum vieler kleiner Mädchen und auch von so manchem Jungen. Doch wenn er wahr werden soll, ist dies oft gar nicht so einfach. Erst ab acht Jahren unterrichten viele Reitschulen die Kinder, mache gar erst ab zehn. Ganz anders ist dies auf dem Fischerhof bei Hammereisenbach: Pferdwirtschaftsmeister Joachim Kurz betreibt dort eine reine Kinder-Reitschule – die einzige ihrer Art in der Region.

Reiten hat auf dem Fischerhof längst Tradition. Aufgebaut wurde sie vom früheren Leiter des Wohnverbunds für gehandicapte Menschen, Heinz Lampe. Lampe, selbst großer Pferdenarr, etablierte dort das therapeutische Reiten. Auch der jetzige Chef Walter Riedel unterstützt das Projekt sehr. Heute nutzen die behinderten Schützlinge mit Reittherapeutin Sabine Kühnle die große helle Halle an den Vormittagen. Unter Anleitung versorgen sie die Therapie- und auch die acht Reitschulpferde von Joachim Kurz gewissenhaft – zugleich ein wichtiger Schritt für die Integration im ersten Arbeitsmarkt.

An den Nachmittagen jedoch wird der Fischerhof zum Lieblingsort von Marie, Smilla, Julika und ihren Freundinnen: Dann beginnen die Reitstunden bei Joachim Kurz. Der staatlich geprüfte Reitlehrer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist vor zweieinhalb Jahren mit seinen acht Pferden und Ponys auf den Fischerhof gezogen. Hier unterrichtet er ausschließlich Kinder und Jugendliche. „Mir liegt die Jugendarbeit einfach am Herzen“, sagt Kurz, der zuvor Pächter der Reitanlage Sickenbühl in Donaueschingen war. Schon Fünfjährige sammeln bei ihm die ersten Reiterfahrungen im Sattel von Welsh-Pony Prinz und Reitpony Wendy.

Der geduldige Schimmel lässt sich von keinem kleinen Anfänger aus der Ruhe bringen. Die größeren Kinder und Fortgeschrittenen können gut ausgebildete Klein- und Großpferde satteln. Wer richtig gut ist, darf sogar mit aufs Turnier: dort sind die Schüler von Joachim Kurz stets auf vorderen Plätzen zu finden.

Pferdeglück pur können die Kinder indessen in den Schulferien auf dem idyllischen Gelände erleben: Dann nämlich stehen die Ferien-Reitkurse auf dem Programm. Fünf Tage lang dreht sich alles um die edlen Vierbeiner, wird gestriegelt, geputzt, gesattelt, Pferde-Theorie gepaukt – und natürlich geritten. Wer einmal dabei war, will meist immer wieder kommen. „Der Weihnachtsreitkurs ist mein einziger Wunsch ans Christkind“, sagt etwa eine Siebenjährige. Sechs Ferienkurse hat sie schon besucht. „Ich komme in jeden Ferien“, erzählt auch die 13 Jahre alte Smilla.

Die Fischerhof-Reitschüler und die Pferde – hier stimmen Chemie und der Zusammenhalt. Zugunsten des verletzten Schulpferds Summer etwa haben Kurz, die Kinder und ihre Eltern im Dezember eine große Adventsfeier mit Kuchenverkauf, Tombola und Nikolausbesuch organisiert. Der Erlös kommt komplett der Behandlung der braunen Stute zugute.