Breiten Raum nahm nach der Präsentation von Architekt Martin Reiber die Diskussion ein, wobei sehr emotional argumentiert wurde. Eröffnet wurde der Austausch durch Cornelia Bruder von der Interessengemeinschaft altes Schulhaus. Sie sieht nun nach den nicht-öffentlichen Beschlüssen die Chance, das Thema noch einmal neu zu diskutieren. Bürgermeister Robert Strumberger machte deutlich, dass sicherlich alles machbar sei. Aber es gelte zu überlegen, wie die Schule der Zukunft aussehen solle, denn die Kinder sollen sich in der Lernumgebung wohl fühlen.

Wesentlicher Diskussionspunkt war die Frage der vorhandenen Unterrichtsräume. Aktuell, so Cornelia Bruder, stünden im alten Schulhaus elf Klassenzimmer zur Verfügung, selbst für eine zweizügige Schule seien acht Räume ausreichend, sodass noch drei Nebenräume vorhanden seien.

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Darüber hinaus bezweifele sie, dass bei aktuell 120 Kindern in sechs Klassen die Schülerzahl so massiv steige, dass die Schule durchgängig zweizügig werde, denn die Stadt Vöhrenbach sei doch eher am Schrumpfen. Im neuen großen Schulhaus würden sich die 120 Kinder dagegen verlieren.

Stadt geht von Zweizügigkeit aus

Zu den Zahlen ergänzte Hauptamtsleiterin Angela Klein, dass nach den aktuellen Zahlen der in Vöhrenbach lebenden Kinder bis fünf Jahre in den nächsten Jahren auf jeden Fall mit einer durchgängigen Zweizügigkeit für die Grundschule zu rechnen sei. Von der IG wurden auch andere Schulen als Beispiel angegeben, beispielsweise in Basel. Dieses Haus sein aber nicht mit der Vöhrenbacher alten Schule zu vergleichen, zum einen was die Größe angehe, zum anderen wegen der Tatsache, dass in Vöhrenbach bereits zwei Schulgebäude nebeneinander vorhanden sind und man sich für die bessere Alternative entscheiden könne.

Sorge um Zukunft des Altbaus

Angesprochen wurde von der Interessengemeinschaft immer wieder die Zukunft des alten Schulhauses, für das nach der teuren Sanierung des neuen Schulhauses wohl kaum noch Geld vorhanden sei. Hier meinte beispielsweise Stadtkämmerer Armin Pfriender, dass man dieses schöne Gebäude sicher nicht verkommen lasse.

Von Seiten der Zuhörer gab es Stimmen für das alte wie für das neue Gebäude. So war eine Aussage, dass das Konzept für das neue Schulhaus schlüssiger sei, gerade im Blick auf eine moderne Lernkultur.

Kritisiert wurde die im alten Haus im Untergeschoss vorgesehene Mensa mit „Kellercharakter“ und hochliegenden Fenstern. Dies werde unter anderem junge Familien abschrecken, lautete eine Vermutung.

Ein Absolvent der Vöhrenbacher Schule schilderte auch, wie froh er gewesen sei, als er in der Grundschule nach zwei Jahren im alten Schulhaus in das großzügige, hellere neue Schulhaus wechseln konnte. Nicht zuletzt wurde kritisch angemerkt, dass die Eltern der Schulkinder als Betroffene nicht da seien.

Festhalle als Schulaula

Befürworter des alten Schulhauses brachten wiederum die Festhalle als Aula und Bewegungsraum in die Diskussion, ebenso wie die Küche der Festhalle als Grundlage für die Mensa. Auch wurde bemängelt, dass bei den Sanierungskosten für das neue Schulhaus das Dach ein Unsicherheitsfaktor sei.

Die Befürworter des alten Hauses schilderte darüber hinaus ein ausführliches Gespräch mit Landrat Hinterseh. Dabei habe dieser angedeutet, dass die für das neue Schulhaus genehmigten Zuschüsse bei entsprechender Argumentation möglicherweise auch auf das alte Schulhaus umgeschichtet werden könnten. Darüber hinaus werde es auch immer wieder neue Fördertöpfe geben.

Sachliche Diskussion gefordert

Kämmerer Armin Pfriender sah allerdings eine solche Umschichtung sehr kritisch. Zuschüsse seien eigentlich auf ein ganz bestimmtes Projekt festgeschrieben. Stadtrat Rüdiger Hirt (CDU) machte deutlich, dass sich nach langen Beratungen der Gemeinderat mehrmals einstimmig für das neue Schulhaus entschieden habe. Es gelte die Schule zur Schule 4.0 weiterzuentwickeln. Er forderte vor allem die Interessengemeinschaft auf, in der Diskussion sachlich zu bleiben.

Außerdem sei, so Hirt weiter, fatal, die Stadt als immer weiter schrumpfend zu bezeichnen. Es gelte vielmehr, neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln, beispielsweise durch die Schaffung von Baumöglichkeiten für Familien. Auch Stadtrat Albert Schwörer (BWV) sah den Gemeinderat unter dem Generalverdacht, nicht denken zu können. Es sei gut, dass die Interessengemeinschaft sich hier einbringe und die Diskussion anrege, das sei gelebte Demokratie.

Altbau nicht gefährdet

Mit Blick auf das alte Schulhaus machte Schwörer deutlich, dass hier sicher kein Stein angerührt werde und das historische Gebäude in keiner Weise gefährdet sei. Aber nach der ausführlichen Besichtigung kurz vor der Versammlung sei es ihm, der selbst diese Schule nie besucht hatte, klar, dass er dieses Gebäude seinen Enkeln nicht zumuten würde. Die Klassenzimmer würden eher an eine Kaserne erinnern.

Sehr emotional waren schließlich auch Äußerungen eines ehemaligen Gemeinderates, der vor allem Bürgermeister Strumberger Versagen vorwarf, unter anderem wegen der ursprünglich komplett nicht-öffentlichen Beratung. Es sei nicht sinnvoll, das neue Schulhaus im Stil eines Plattenbaus zu sanieren, sondern eher, es abzureißen.

Angesprochen wurde die alternative Nutzung des neuen Schulhauses bei Sanierung des alten Schulhauses. Dies müsste trotzdem in wesentlichen Bereichen saniert werden, auch müssten Ersatzräume für die Vereine gefunden werden. Zwei Gebäude zu sanieren, so Kämmerer Armin Pfriender, sei für die Stadt nicht finanzierbar.

Entscheidung in 14 Tagen

Am Ende gab es keine Einigung zwischen den beiden Seiten. Doch die Diskussion wurde dadurch sicher noch einmal wesentlich angeregt. Endgültig entscheiden über den Standort der Schule und die dafür notwendige Sanierung wird nun in 14 Tagen der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung.