Die Schüttung der Vöhrenbacher Quellen für das Trinkwasser ging in den vergangenen drei Wochen um 50 Kubikmeter Tagesmenge zurück. Wenn im Juli die Tagesschüttung der Quellen noch bei 467 Kubikmeter lag, sind es mittlerweile 410 Kubikmeter, gibt Michael Dold, Geschäftsführer von Aquavilla, einen Einblick in einen Trend, den er „mit großer Sorge betrachtet“. Aquavilla betreut neben Vöhrenbach noch sechs weitere Kommunen in ihrer öffentlichen Wasserversorgung. Allgemein sei ein Rückgang bei der Schüttung der Quellen zu verzeichnen.

Nicht mehr so oft duschen

Einige andere Kommunen hätten jedoch den Vorteil von Tiefbrunnen, wie Furtwangen oder Königsfeld, oder hätten außerdem die Möglichkeit eines Bezugs von Bodenseewasser, wie Triberg oder St. Georgen. Doch Vöhrenbach sei autark, also auf eigene Quellen angewiesen. Es sei nun ein richtiger Schritt, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, damit jeder den eigenen Wasserverbrauch überdenken könne. Als Beispiele für Einsparmöglichkeiten nennt Strumberger, die Gartenwiese nicht mehr zu berieseln und vielleicht nicht mehrmals täglich zu duschen.

Raten zum sparsamen Umgang mit Wasser (von links): Bürgermeister Robert Strumberger, Fred Heinze (Bauverwaltung) und Michael Dold (Aquavilla). Deshalb hat die Stadt auch die Wasserzufuhr zum Marktbrunnen deutlich reduziert.
Raten zum sparsamen Umgang mit Wasser (von links): Bürgermeister Robert Strumberger, Fred Heinze (Bauverwaltung) und Michael Dold (Aquavilla). Deshalb hat die Stadt auch die Wasserzufuhr zum Marktbrunnen deutlich reduziert. | Bild: Markus Reutter

Die Stadt schaut auch auf ihre Möglichkeiten, weniger Wasser zu verbrauchen. So wird laut Fred Heinze von der städtischen Bauverwaltung derzeit nicht mehr der Sportplatz beregnet, außerdem würde der Wasserverbrauch an den beiden Brunnen, dem Marktbrunnen und dem anderen an der katholischen Kirche, deutlich zurückgefahren, sodass dort nur noch ein spärlicher Wasserstrahl aus den Rohren komme.

Trink- und Löschwasser haben absolute Priorität

Strumberger möchte kein Horrorszenario entwerfen, sondern die „gut gemeinte Botschaft“ an jeden richten, darüber nachzudenken, was er zu einem geringeren Wasserverbrauch beitragen könne. Priorität habe für die Kommune die Trinkwasser- und die Löschwasserversorgung. Denn mit der anhaltenden Trockenheit und sommerlichen Hitze steige auch die Brandgefahr.

Dold möchte ebenfalls keine Schreckgespenster an die Wand werfen. Aber dass die Situation kreisweit ernst genommen werde, zeige auch die Anordnung des Landratsamtes vor wenigen Tagen. Seit dem 9. August gelte kreisweit ein generelles Verbot für Wasserentnahme aus Oberflächengewässern zur Beregnung und Bewässerung.

Trockenperioden nehmen offenbar zu

Dass auch die privaten Zisternen und Regenwasservorräte zur Neige gehen und deshalb vermehrt Trinkwasser zur Gartenbewässerung herangezogen wird, bemerkt Aquavilla. In Vöhrenbach und Langenbach habe es beispielsweise am 3. August eine Spitze von 470 Kubikmeter täglichem Wasserverbrauch gegeben. Dazu liegt der Spitzenwert am 26. Juli mit einem Bedarf von 458 Kubikmetern deutlich niedriger. Das zeige, dass der Verbrauch steige bei gleichzeitig geringer werdender Schüttung der Quellen.

Längere Trockenzeiten während des Jahres nehmen offensichtlich zu. Dold verweist auf die trockenen Jahre 2015 und 2016, aber auch den trockenen Herbst 2011 und den Jahrhundertsommer 2003, just dem Jahr, als Aquavilla gegründet wurde und Vöhrenbach als Gründungsmitglied beitrat. Seither hat sich einiges getan, meint Dold. Es sei in die Netzstruktur und Überwachungssysteme investiert worden.

Stadt sucht zweites Standbein

Angesichts der Wetterentwicklung mit häufigeren und längeren Trockenphasen möchte Vöhrenbach vorsorgen und überlegt Möglichkeiten, die Wasserversorgung auszubauen. Zur Diskussion könnten da laut Strumberger der Bau eines Tiefbrunnens, die Erschließung weiterer Quellen oder eine interkommunale Zusammenarbeit stehen. Dold ist zuversichtlich, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Lösung für ein zweites Standbein der Vöhrenbacher Wasserversorgung gefunden wird. Damit könne dann punktuell in Trockenzeiten die bestehende Wasserversorgung ergänzt werden, merkt Strumberger an.

Diese Hähne bleiben derzeit zu: Um Wasser zu sparen, wird momentan auch der Sportplatz in Vöhrenbach nicht mehr berieselt.
Diese Hähne bleiben derzeit zu: Um Wasser zu sparen, wird momentan auch der Sportplatz in Vöhrenbach nicht mehr berieselt. | Bild: Markus Reutter

Vöhrenbach und Langenbach hängen laut Aquavilla an einer gemeinsamen Wasserversorgung. Die beiden Hauptquellen seien die Friedrichs- und die Scheiterdobelquelle. Hammereisenbach versorge sich mit den Fahlenbachquellen ebenfalls autark und sei selbst in dem jetzigen trockenen Sommer immer noch gut aufgestellt mit einer täglichen Quellschüttung von über 130 Kubikmetern bei einem Verbrauch von 60 bis 70 Kubikmetern.

Entspannt stelle sich die Situation auch in Urach dar, wo lediglich fünf Häuser an der öffentlichen Wasserversorgung hingen. Aquavilla-Geschäftsführer Michael Dold geht davon aus, dass auch die Höfe im Außenbereich von Vöhrenbach die lange Trockenheit merken und deren Quellen weniger Wasser schütten. Doch bislang habe es keine Anfragen von Höfen gegeben, sie mit Wasser zu beliefern, merkt Fred Heinze von der städtischen Bauverwaltung an.