Im Frühsommer 2019 feierte die Stadt Vöhrenbach ihr 775-Jahr-Jubiläum. Die Vöhrenbacher Stadtkapelle blickte bereits im Jahr 2018 auf 200 Jahre Existenz mit großem Stolz zurück. Sie wollten diese bedeutenden Jubiläen gemeinsam feiern und taten dies im Juni. Im Rahmen der Festveranstaltung gab der im Stadtarchiv Vöhrenbach tätige Ludger Beckmann einen kurzen Abriss der Vöhrenbacher Stadtgeschichte von den Anfängen im Jahre 1244 bis zum heutigen Tage.

Urkunde vom 28. Januar 1244

Ob und wie weit Vöhrenbach ein kleines Rädchen in den Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Staufer und den Nachfahren der Zähringer im Südwesten des Reiches oder nur Teil des Landesausbaus der Fürstenberger war, lässt sich wohl nicht mehr entscheiden. Jedenfalls musste Vöhrenbach nicht die Funktion eines Rückzugsortes für den Verlust von Villingen spielen.

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Am Schnittpunkt mehrerer Täler

Ob mit der Gründung eines Ortes am Schnittpunkt mehrerer Täler die Gründer, die Grafen von Freiburg etwas Weiteres bezweckten, wissen wir nicht. Auch wenn die Urkunde vom 28. Januar 1244 Vöhrenbach nicht explizit gründet, sondern nur den kirchlichen Rahmen absteckt, ist ihre Bedeutung außerordentlich groß.

Kleine Marktstadt entwickelt sich

Welcher Ort kann schon auf ein konkretes Datum zurückschauen? Meist muss er sich mit einer eher zufälligen Ersterwähnung zufriedengeben. Vöhrenbach kann hier auf mehr zurückgreifen. Die Unterstellung der in der Gründungsurkunde erwähnten Kapelle unter Herzogenweiler wird am 6. März 1244 vom Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne bestätigt. Es wurden in der Folgezeit 38 Hofstätten (1455) erstellt, die durch eine Umwallung nach außen geschützt wurden. Eine Burg entstand nicht. Vöhrenbach entwickelte sich zu einer „kleine(n) Marktstadt mit sekundärer Handelsfunktion“ (so Sturm).

Vöhrenbach um 1639: Das Gemälde hängt im Rathaus.
Vöhrenbach um 1639: Das Gemälde hängt im Rathaus. | Bild: Jürgen Liebau

Seit 1324 Sitz der Pfarrgemeinde

Im Jahre 1275 wohnte der Pfarrer von Herzogenweiler schon in Vöhrenbach. 1278 kam die Pfarrei Herzogenweiler endgültig an das Kloster Salem. 1324 war Vöhrenbach Sitz der Pfarrgemeinde. Später, um 1480, gingen die Rechte an der Pfarrei an die Fürstenberger über.

Eigene Rechte gegenüber dem Stadtherrn

Bereits mit der Stadtgründung besaßen die Bewohner bestimmte Rechte gegenüber dem Stadtherrn. Aber erst aus dem Jahre 1387 weiß man Genaueres. An der Spitze stand der Schultheiß, der von den Mitgliedern des Stadtgerichtes, den zwölf Richtern, gewählt wurde. Er bedurfte der Bestätigung durch den Grafen. Aufgabe des Gerichts war die Ausübung der hohen und niederen Gerichtsbarkeit. Schultheiß und Gericht stellten den Rat dar, die oberste Verwaltungsbehörde. In späterer Zeit wurde ein Gerichtsmitglied als Bürgermeister bezeichnet, der für die Rechnungslegung zuständig war.

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Persönliche Freiheit der Stadtbürger

Die Stadtbürger genossen eine gewisse Freizügigkeit und auch einen Schutz gegen willkürliche Verhaftung, sie waren persönlich frei. Einen Wochenmarkt wird es wohl auch schon früh in Vöhrenbach gegeben haben, erstmals belegt ist er aber erst im Jahre 1702.

Esel wird zum Wappentier

Nicht erst als Folge des Bauernkrieges trug Vöhrenbach über Jahrhunderte hinweg den Esel als Wappentier. Bereits im Jahre 1498 hing er an einer Urkunde. Das Tier galt im späten Mittelalter als Lasttier, insbesondere bei Bergwerkssiedlungen. Zu diesen wird vielleicht auch Vöhrenbach gezählt haben, denn es ist nicht auszuschließen, dass noch im 15. Jahrhundert hier möglicherweise Silbererz abgebaut wurde.

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Sammelpunkt im Bauernkrieg

Im Bauernkrieg wurde Vöhrenbach im Oktober 1524 und im Mai 1525 von den Bauernhaufen besetzt. Vöhrenbach wurde zeitweilig eine Art Sammelpunkt im hohen Schwarzwald. Von dort sandten sie an Villingen einen Artikelbrief mit der Aufforderung, sich ihnen anzuschließen. Die Burg Neufürstenberg wurde erobert, die Burg Zindelstein niedergebrannt. Villingen konnte sich gegen sie behaupten, Freiburg aber nicht. Im Juni 1525 gelang es den verbündeten Adligen und Städten den Bauernaufstand niederzuschlagen. Vöhrenbach kam mit einer Geldbuße recht glimpflich davon.

Mehr als 100 Häuser vom Feuer vernichtet

Wann die Stadt im Mittelalter abgebrannt ist, ist nicht bekannt. Die erste Erwähnung eines Stadtbrandes stammt aus dem Jahre 1544, wo mehr als 100 Häuser durch Feuer vernichtet wurden. Der Glockenturm der Kirche wurde beschädigt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Vöhrenbach im Jahre 1639 (1. April) von schwedischen Truppen eingeäschert. Diese kriegerischen Zeiten forderten ihren Tribut. Vöhrenbach verlor etwa ein Drittel seiner Bevölkerung, viele Höfe der Umgebung wurden zerstört.

Dicht gereihte Häuser statt einer Stadtmauer

Beim Wiederaufbau verzichtete man auf eine Stadtmauer, sie wurde durch Unterbauten der dicht aneinander gereihten Giebel ersetzt, und im inneren Bereich wurden nur noch kleine Häuser erbaut. Stadt und Amt Vöhrenbach errichteten auf gemeinsame Kosten das neue Rathaus als Amtshaus.

Erneuerter Großbrand vernichtet die meisten Häuser

Im Mai 1819 wurde Vöhrenbach von einem Großbrand heimgesucht und verlor 79 von 122 Häusern. 100 Familien standen vor dem Nichts. Ein Kind verlor gar sein Leben. Dieses Ereignis fand nur zwei Jahre nach dem verheerenden Tabora-Ausbruch im heutigen Indonesien statt, der in Europa und in der ganzen Welt zu einer fürchterlichen Hungersnot führte.

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So läuft die kirchliche Entwicklung

Auch ein Blick auf die kirchliche Entwicklung ist interessant. Im Jahr 1639 wurde Schönenbach von der Pfarrei Vöhrenbach abgetrennt. Schon im Jahre 1580 gab es Hinweise auf die Kapelle des heiligen Michael, das Bruderkirchle. Dort sollen der Sage nach sieben Jungfrauen die Märtyrerkrone errungen haben. 1581 soll es einen Schulmeister geben. Die Pfarrkirche St. Martin wurde 1794 neu erbaut.

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Strohflechterei als neuer Wirtschaftszweig

Im 18. Jahrhundert kam im Hochschwarzwald die Strohflechterei auf. Deren Produkte, aber auch Töpfe und anderes wurden mit Hilfe von Glasträgerkompanien in ganz Europa abgesetzt. Vöhrenbach selbst besaß in jener Zeit elf Außenhöfe, die zur Versorgung der Bürger von großer Wichtigkeit waren.

Vöhrenbach kommt zu Baden

1806 kam Vöhrenbach von Fürstenberg an das Großherzogtum Baden. Vöhrenbach hatte im Jahre 1815 am Ende der Befreiungskriege rund 727 Einwohner bei 111 Häusern. Sie war eine Handwerkerstadt, hinter der Handel und Landwirtschaft ein wenig zurücktraten.

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