Die Corona-Krise hat viele Menschen, die plötzlich viel Zeit zu Hause verbringen mussten, animiert, ihre Kleiderschränke gründlich auszumisten. In der Folge quollen die Altkleider-Container über, zeitweise waren sie sogar verschlossen. Da auch die Kleiderläden des Roten Kreuzes geschlossen hatten, wussten die Leute nicht, wohin mit den alten Klamotten. Einige haben dann trotz verschlossener Container ihre Altkleider-Säcke dort abgelegt. „Und leider nicht nur ausrangierte Kleider“, weiß Martin Laufer, der stellvertretende Leiter des Abfallwirtschaftsamtes zu berichten. In dieser Zeit haben die Leute vermehrt Hausmüll und Dinge entsorgt, die definitiv nicht in den Altkleider-Container dort gehören. „Damit sind oft die ganzen Textilien im Container unbrauchbar, da sie verschmutzt sind“, so Laufer. Direkt um den Behälter herum muss die Entsorgungsfirma alles reinigen, ist der Müll großflächiger verteilt, informiert das Landratsamt die Stadt. Hier sind die Technischen Dienste für die Säuberung verantwortlich.

Markt zusammengebrochen

Das Landratsamt arbeitet bei der Verwertung der Altkleider mit der Firma FWS-Boer in Bremen zusammen. Ausschreibungsbedingt hatte es hier einen Wechsel gegeben. „Die Firma hat uns hervorragend unterstützt und die Container wirklich regelmäßig geleert“, so Laufer. Aber auch FWS kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie: Da viele Grenzen geschlossen waren oder auch noch sind, konnten die gebrauchten Kleider nicht exportiert werden: „Der Markt ist völlig zum Erliegen gekommen, ja man kann sagen, er ist zusammengebrochen“, urteilt Laufer.

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Das hat auch Auswirkungen auf die Finanzen des Kreises: Immerhin mehr als 70 Container hat das Abfallwirtschaftsamt im Kreis aufgestellt, gemeinsames Kennzeichen ist die blaue Farbe sowie ein großformatiges Emblem auf der Vorderseite. Dort finden sich nicht nur das Logo des Abfallwirtschaftsamtes, sondern auch die Logos mehrerer Hilfsorganisationen – von den St.-Georgs-Pfadfindern über das Rote Kreuz (DRK) bis hin zur Johanniter-Unfallhilfe. Der Grund für die Zusammenarbeit ist, dass die Hilfsorganisationen an den Erlösen aus der Altkleiderverwertung beteiligt werden. Der andere Teil der Erlöse wandert gezielt aufs Konto des Abfallwirtschaftsamtes, womit die Abfallgebührenzahler entlastet werden sollen. Vergangenes Jahr haben die Erlöse aus den Altkleider-Containern immerhin 40 000 Euro in die Kreiskasse gespült. Diese Summe dürfte dieses Jahr deutlich geringer ausfallen.

Übervolles Lager

Beim Ortsverein Villingen des Deutschen Roten Kreuz ist man froh, dass der Kleiderladen in der Bickenstraße wieder geöffnet hat. „Allerdings dürfen dort noch keine Kleider abgegeben werden“, erklärt DRK-Geschäftsstellen-Leiter Ulrich Aman. Das liege an dem übervollen Lager und der Tatsache, dass sich nur drei Kunden im Laden aufhalten dürfen und zwei Mitarbeiterinnen. „Das ließe sich logistisch nicht machen, hier auch noch die Kleiderannahme abzuwickeln“, so Aman. Außerdem müsse man die Mitarbeiterinnen schützen.

Neue Abgabestelle

Deshalb können Altkleider jetzt zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle im Benediktinerring abgegeben werden. Dort werden die Kartons gelagert und die Helferinnen aus dem Kleiderladen kommen vorbei, um die Textilien zu begutachten. Die Teile, die verkauft werden können, kommen in den Laden, der Rest wandert in die Container, von denen das Rote Kreuz Villingen drei Stück betreibt. „Das ist nicht viel, wir würden das gerne aufstocken, aber die möglichen Standorte im öffentlichen Raum sind begrenzt und alle belegt“, heißt es.

Luzia Schwarz (links) und Jenny Staudenmeyer gehören zum Helferteam im DRK-Kleiderladen. Hier sortieren sie gerade Kleidungsstücke. Eine Kleider-Abgabe im Laden ist zur Zeit nicht möglich, gebrauchte Textilien können in der DRK-Geschäftsstelle im Benediktinerring abgegeben werden. Bild: Claudia Hoffmann
Luzia Schwarz (links) und Jenny Staudenmeyer gehören zum Helferteam im DRK-Kleiderladen. Hier sortieren sie gerade Kleidungsstücke. Eine Kleider-Abgabe im Laden ist zur Zeit nicht möglich, gebrauchte Textilien können in der DRK-Geschäftsstelle im Benediktinerring abgegeben werden. | Bild: Hoffmann, Claudia

Nur rund 30 Prozent der abgegebenen Textilien können im Laden verkauft werden, der Rest wandert in den Container. Vor Ort im Laden in der Bickenstraße wissen Jenny Staudenmeyer und Luzia Schwarz vom Helferteam genau, was geht: „Babykleidung ist immer sehr gefragt.“ Mangel herrscht dagegen bei Herrenbekleidung. „Da kommt nicht viel rein“, so Staudenmeyer. Das liege vermutlich daran, dass Männer ihre Kleider länger tragen als Frauen, die öfter mal etwas Neues kaufen. „Gerade in L- oder XL-Größen könnten wir Nachschub gebrauchen“, sagt Luzia Schwarz.

Saubere Ware

Wichtig ist es, dass die Kleider sauber und funktionsfähig sind. Verkauft wird die Ware fast einheitlich für einen Euro. „Wenn etwas besonderes dabei ist, kann der Preis auch mal höher sein, dann zeichnen wir die Ware aus.“ Auch die beiden Helferinnen weisen nochmals darauf hin, dass zur Zeit im Laden nichts angenommen werden kann. „Das versteht leider nicht jeder und manche reagieren ärgerlich, wenn wir sie abweisen müssen“, berichtet Jenny Staudenmeyer.

Vor der Türe wacht Tobias Herrmann vom Ortsverein Villingen darüber, dass nicht zu viele Kunden das Geschäft betreten. Da kann es schon sein, dass sich eine längere Schlange bildet. „Da brummelt schon mal der ein oder andere“, weiß Herrmann, der jeden Donnerstag aushilft. Vor dem Betreten muss sich jeder Kunde die Hände desinfizieren.

Kleiderabgabe

In der Geschäftsstelle des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes kann gut erhaltene Kleidung, am besten in einem Karton verpackt, zu den Öffnungszeiten abgegeben werden. Diese sind Montag bis Freitag von acht bis zwölf Uhr. Im Kleiderladen in der Bickenstraße wird momentan keine Kleidung angenommen. Der Kleiderladen hat Dienstag von neun bis 13 Uhr, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr und Samstag von neun bis 14 Uhr geöffnet.

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