Seit kurzem hängt es da, ein riesiges Plakat mit den ungefähren Maßen von 4,50 Metern Länge und 2,50 Metern Breite. Es befindet sich in der Nähe des Schwarzwald-Baar-Klinikums zwischen Villingen und Schwenningen an der Fassade des Hauses, in dem Augenarzt Jens Eckert seine Praxis führt. Und Eckert war es auch, der das Plakat aufgehängt hat. Eine Genehmigung hat er eigenen Angaben von der Stadt erhalten.

Video: Matthias Jundt

Auf dem Plakat steht: „Coronagate(s). Internationale Korruptionspyramiden erfordern global vernetzte gegenseitige Aufklärung und internationale Strafgerichtshöfe. Das eigene Schicksal bleibt untrennbar vom Schicksal der Menschheit und das Schicksal der Menschheit untrennbar von der eigenen Verantwortung. Denken und Handeln in dieser Welt werden zu Himmel oder Hölle im Bewusstsein unserer Seele. Entscheiden wir uns in der letzten Schlacht um unsere Seele für den Weg der Wahrheit und der Liebe. Wir sind die Menschheit. Erwachsen wir gemeinsam zur Meinschheitsfamilie und werden Teil der Familie Gottes.“ Daneben befindet sich das Logo der Klinik und die Hausnummer 12.

Warum macht Eckert das?

„Es gibt immer wieder Zeiten, in welchen die Gefahren für die Freiheit und das Leben so groß sind, dass es mutiger erscheint, nicht zu handeln als zu handeln. Eine solche Zeit ist wieder angebrochen und ich gehöre zu den weniger Mutigen“, äußert sich der Augenarzt im SÜDKURIER-Gespräch. Schon lange, sagt Eckert, beschäftige er sich mit den Zusammenhängen der Welt. Nach einer Nachricht, die die Landesärztekammer Baden-Württemberg (LÄK) an Ärzte im Land verschickt hatte, musste er aus seiner Sicht nun handeln.

In der Nachricht der LÄK vom 23. Februar hieß es unter anderem: „…Die letzten Tage waren bestimmt von der Diskussion um die Impfung gegen Corona. Wir konnten durch Gespräche mit dem Ministerium folgendes klären: Ab sofort können sich jede Ärztin, jeder Arzt mit Patientenkontakt, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Patientenversorgung unter 65 Jahren für eine Impfung in einem der Impfzentren anmelden. (...) Wir bitten Sie in Abstimmung mit dem Ministerium ausdrücklich, hiervon zeitnah Gebrauch zu machen. Jede Impfung, gleich mit welchem der verfügbaren Impfstoffe, ist ein wichtiger Baustein in der Überwindung der Pandemie.“

Für das Anbringen des Plakats hat sich Eckert eine Hebewagen gekauft.
Für das Anbringen des Plakats hat sich Eckert eine Hebewagen gekauft. | Bild: Matthias Jundt

Für Eckert ging die Nachricht zu weit, er musste, so sagt er, etwas tun. Also hing er ein riesiges Plakat auf und schrieb einen offenen Brief an das LÄK-Präsidium. In diesem heißt: „Trotz Vermeidung dieser Thematik in unseren Leitmedien nehmen Meldungen über schwere gesundheitliche Schäden und Todesfälle in zeitlichem Zusammenhang mit den Corona-Impfungen weltweit zu. Ich glaube nicht, dass Ihnen diese Informationen nicht vorliegen.“ Kurz gesagt: Eckert wirft der Landesärztekammer vor, Corona-Impfungen zu befürworten, obwohl die LÄK von den gesundheitlichen Risiken wisse.

Gegenüber dem SÜDKURIER sagt er, dass er sich schon lange mit den Zusammenhängen, die es auf der Welt gibt, beschäftige. Eckert ist sich sicher, dass es neben der sichtbaren auch eine nicht sichtbare Welt gibt: „Derzeit findet ein technologischer Angriff auf die nicht sichtbare Welt statt.“ Und die Impfungen gegen Corona seien ein Mittel in diesem Kampf.

Nicht zu übersehen.
Nicht zu übersehen. | Bild: Matthias Jundt

In seinem Brief an die LÄK schreibt Eckert außerdem: „Weiter bleibt zu erklären, warum Sie als Mitglieder einer nach naturwissenschaftlichen Grundsätzen in der Medizin ausgebildeten Expertenschaft explizit keine Risikoabwägung zwischen den verschiedenen Impfstoffen vornehmen, sondern ‚jede Impfung, gleich mit welchem der verfügbaren Impfstoffe‘ uns als hilfreich empfehlen.“ Die Nachricht der Landesärztekammer empfindet Eckert als „Impfaufforderung“. Der Augenarzt befürchtet die Einführung eines „elektronischen Impfausweises mit Hinweis auf Restriktionen für Ungeimpfte entgegen europäischen Rechts“.

Alternative Theorien

Für Eckert, das bekräftigt er im Gespräch, steht fest, dass es durch die Impfungen mehr Schäden geben werde, „als in all den Jahren mit allen anderen Impfungen zusammen“. Bei Tierversuchen mit den mRNA-Impfstoffen seien etliche Tiere verstorben. Den Impfverantwortlichen wirft er „mindestens fahrlässige Tötung“ vor.

Er selbst sagt gegenüber dem SÜDKURIER, dass er als Naturwissenschaftler alle Informationen neutral betrachte und versuche, logische Verknüpfungen wie auch Widersprüche zu erkennen. Alternative Theorien müssten stets ernstgenommen und könnten nur dann verworfen werden, wenn sie falsifiziert würden.

Landesärztekammer distanziert sich von Eckert

Und was sagt die Landesärztekammer Baden-Württemberg zu all dem? Auf Anfrage heißt es: „Die Landesärztekammer hat für diese Nachricht von ihren Mitgliedern sehr viel Zustimmung bekommen; nur vereinzelt gab es kritische Stimmen von Ärzten über 65 Jahren, die wegen seinerzeit fehlender Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs (noch) nicht von dieser Regelung profitieren konnten.“

Unabhängig davon habe sich die LÄK bereits im vergangenen Jahr deutlich „zur Frage der Corona-Leugner beziehungsweise -Verharmloser innerhalb der Ärzteschaft positioniert und klargestellt, dass diese Einzelpersonen oder auch Gruppen keineswegs für die Ärzteschaft sprechen“. Die große Mehrheit, heißt es weiter, empfinde das Verdrehen der Wirklichkeit, wie es bei Leugnern und Verharmlosern üblich sei, als Zumutung.

Dieses Schild steht in Eckerts Praxis neben der Anmeldung.
Dieses Schild steht in Eckerts Praxis neben der Anmeldung. | Bild: Matthias Jundt

Die Landesärzteschaft erreichten außerdem zahlreiche Zuschriften und Beschwerden aus der Bevölkerung zu Ärzten, die als Einzelpersonen oder in Gruppen die Gefahren und Risiken der Corona-Pandemie herunterspielen, sie leugnen oder in Verschwörungstheorien einbetten. Mit einer solchen Beschwerde befasst sich derzeit auch Eckert. Weil er in seiner Praxis keine Maske getragen haben soll und wegen der – so der Vorwurf – Verbreitung von Verschwörungstheorien, wurde der Augenarzt jüngst angezeigt.

Übrigens: Vom Schwarzwald-Baar-Klinikum, in dessen Nähe sich Eckerts Praxis befindet und von wo aus man das Plakat gut sehen kann, gab es auf SÜDKURIER-Anfrage folgende Antwort: „Das Schwarzwald-Baar Klinikum unterhält keine Geschäftsbeziehungen zu Dr. Eckert, es besteht keinerlei Kooperation.“