Warum habe der Landkreis Schwarzwald-Baar schlechtere Corona-Zahlen, als beispielsweise die Nachbarn am Hochrhein? Eine Leserin möchte es ganz genau wissen und rief uns diese Woche an. Sei ein Kreis, zum Beispiel der in Waldshut-Tiengen mit 311 bestätigten Corona-Fällen bessergestellt, als der Schwarzwald-Baar-Kreis mit 587? Von solch einer Debatte hält Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, gar nicht so viel. Die KV betreibt die Fieberambulanzen, zum Beispiel die in Schwenningen. Aktuell solle nicht von „besser oder schlechter“ in Bezug auf die Corona-Zahlen gesprochen werden, meint er. Da müssten die Statistiken viel aufwendiger untersucht werden, als dies derzeit der Fall sei, zum Beispiel auch die Altersstruktur der Bevölkerung hinzugezogen werden.

Weitgehendes Angebot

Einen Versuch macht dennoch Heike Frank, Sprecherin des direkt angesprochenen Landratsamts in Villingen-Schwenningen: In beiden Kreisen wurden „unterschiedliche Teststrategien“ angewendet, erläutert sie. Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde bereits zu Beginn der Corona-Pandemie im März breitflächig, auch durch den Einsatz der Fieberambulanz, getestet. „Deshalb sehen wir die Zahlen im Schwarzwald-Baar-Kreis als Ausdruck eines weitgehenden Testangebots“, resümiert sie.

„Tageweise eingeschränkt“

In den Nachbarlandkreisen testeten Gesundheitsämter teilweise tageweise mit „eingeschränktem Kontingent“, berichtet Frank weiter. Die Pressesprecherin argumentiert, dass im Schwarzwald-Baar-Kreis von Anfang an mehr als anderswo getestet wurde, damit sei die Zahl der entdeckten Covid-19-Kranken hier von Anfang an höher und dies schlägt sich bis heute in den Statistiken nieder, auch wenn sich inzwischen die Menge der Tests möglicherweise angeglichen hat. Für die anderen Kreise heißt dies aber auch im Umkehrschluss: Möglicherweise gibt es dort doch mehr Fälle, die sind aber, falls sie nicht mit schwereren Symptomen einhergehen, unentdeckt.

Zahl der Kreisbewohner

Außerdem können die Corona-Fälle nicht losgelöst von den Einwohnerzahlen gesehen werden, betont Frank. Da der Schwarzwald-Baar-Kreis eine Bevölkerung von rund 212 000 hat (im Vergleich: Waldshut-Tiengen 168 000), näherten sich die Unterschiede an.

Viele Ambulanzen sind zu

Nun werden aber bereits Fieberambulanzen in einigen Kreisen bereits wieder geschlossen: zum Beispiel in Lörrach, Waldshut-Tiengen, in Breisach, Freiburg und Bad Krozingen und Rottweil sei deren Betrieb in den vergangenen drei Wochen vorübergehend eingestellt worden, bestätigt der KV-Sprecher. Gibt es dort also doch weniger Corona-Fälle, ist das ein Indikator? Nein – nicht unbedingt. Die Stationen würden nur dann eingestellt, wenn die Versorgung anderweitig sichergestellt sei, also andere und vor allem ausreichend viele Testmöglichkeiten zum Beispiel in Haus- und Kinderarztpraxen bestehen, betont Sonntag. Jeder Bürger eines Landkreises müsse auch weiterhin problemlos Zugang zu einem Test haben, falls dies notwendig sei, macht der KV-Sprecher klar. Im Fall einer zweiten Welle können die Stationen schnell wieder hochgefahren werden.

Stationen werden geschlossen

Im Landkreis Tuttlingen und in Konstanz würden ohnehin schon immer Corona-Schwerpunktpraxen betrieben. Im südwestdeutschen Raum sei neben der Fieberambulanz in Schwenningen noch die in Titisee-Neustadt offen. Im Schwarzwald-Baar-Kreis komme es zu „langsam sinkende Patientenzahlen“, aktuell werde aber der Betrieb aufrechterhalten, führt Sonntag aus. Montags seien es immer ein wenig mehr Patienten, „aber ansonsten haben wir so zwischen 30 und 50 Patienten, in der Hochzeit waren es zwischen 40 und 70 Patienten“, berichtet der KV-Sprecher.

So ist der Interpretationsspielraum bei den Corona-Zahlen also durchaus vielschichtig zu interpretieren. In einem Bereich steht der Schwarzwald-Baar-Kreis aber laut Gesundheitsämter besser da – bei den Todesfällen durch Covid-19: Hier im Kreis sind 33 gestorben, in Waldshut-Tiengen zum Beispiel 35. Doch auch diese Statistik muss erklärt werden: Denn im Schwarzwald-Baar-Klinikum werden alle Covid-19-Tote gezählt, auch die aus anderen Kreisen.