Am 29. März ging die große Fastnachtsausstellung ‚Familiengeheimnisse. De Narro un si ganz Bagasch‘ des Franziskanermuseums und der Historischen Narrozunft Villingen zu Ende – leider ohne die geplante Abschlussveranstaltung, die ebenso wie die letzten öffentlichen Führungen aufgrund der Corona-Epidemie abgesagt werden musste. Bis dahin hatten 4527 Besucher die Narrenschau rund um Narro, Arlecchino, Hanswurst und Co. gesehen, womit sie zu den erfolgreichsten Ausstellungen der letzten Jahre gehört.

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Besucher begeistert

Das Feedback der Besucher war überwältigend positiv. So heißt es im Besucherbuch unter anderem: ‚Eine super Ausstellung mit vielen Eindrücken‘, ‚Eine wahre Pracht‘ oder ‚Wir könnten gerade wieder hingehen‘.
Museumsleiterin Anita Auer freut sich über diese Rückmeldungen der Besucher und ergänzt: „Ich fand natürlich besonders gut, dass wir neben dem erwartbaren und Stammpublikum auch junge Erwachsene und Jugendliche erreicht haben, also insge-samt ein vielfältiges Publikum. Es waren zudem sowohl Brauchtumsanhänger als auch Nicht-Fastnachter begeistert, was sicherlich auch daran lag, dass mit Humor und Tiefgang vermittelt wurde.“
Karten für öffentliche Führungen waren so begehrt, dass ihre Anzahl aus Platzgründen auf 30 beschränkt und Zusatztermine angeboten werden mussten. Auch das Begleitprogramm wurde sehr gut nachgefragt: Mit ihrem originellen Narrenspiel begeisterten Gunther Schwarz, Henry Greif, Klaus Richter und 15 weitere Mitwirkende stets vor ausverkauftem Publikum.

Zur Eröffnung der großen Fastanchtsausstellung strömten die Besucher am 11. Januar 2020 in das Franziskanermuseum.
Zur Eröffnung der großen Fastanchtsausstellung strömten die Besucher am 11. Januar 2020 in das Franziskanermuseum. | Bild: Sprich, Roland

Der Erfolg zeigt nicht nur den hohen Stellenwert, den die Villinger Fasnet in der Be-völkerung genießt, sondern auch, dass diese offen für Experimente ist. Die Ausstel-lung war nämlich durchaus ein Wagnis, indem sie die ‚Familie‘ des Narros bis hinein in die Alltags- und Popkultur der Gegenwart verfolgte und die Villinger Fastnacht auch in einen europaweiten Kontext stellte.

Dass der Narro auch mit Mantafahrern, Blaumännern und Rocksängern etwas zu tun haben könnte, wäre wohl den Wenigsten vorher in den Sinn gekommen. Als umso erfreulicher erwies sich daher auch die Zusammenarbeit mit den beteiligten Zünften, die die Ausstellung freigiebig und unkompliziert mit Leihgaben unterstützten.

„Nie Gesehenes präsentiert“

Hoch zufrieden zeigt sich auch Anselm Säger, erster Zunftmeister der Historischen Narrozunft Villingen: „Das Experiment hat sich gelohnt! Ohne die traditionellen Aspekte des Brauchtums aus den Augen zu verlieren, haben wir nie Gesehenes und Gedachtes präsentiert.“

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Zentrale Inszenierung war das große Narrenschiff mit den ‚Ur-Narren‘ im Refektorium, um das herum sich die heutigen ‚Verwandten‘ des Narros gruppierten. In den weiteren Ausstellungsräumen, die sich der Entwicklung der typischen Narro-Accessoires widmeten, gab es manche Besonderheit wie spätmittelalterliche Schellen – die Ursprünge heutiger Narro-Rollen – oder einen 300 Jahre alten ‚Narrenbrüter‘ aus Weingarten zu sehen. Den Abschluss bildeten eine Medieninstallation in Form überdimensionaler Masken, die Interviews mit heutigen Fastnachtsnarren widergaben, sowie eine Filmschleife mit närrischen Szenen aus der Popkultur.

Ungewöhnlich viele junge Besucher

Durch diesen ungewöhnlichen Ansatz, Altes und Neues miteinander zu verbinden, erreichte das Museum auch überdurchschnittlich viele junge Besucher sowie Fami-lien. Spezielle Programme für den närrischen Nachwuchs wurden darüber hinaus beim ‚Krachmachertag‘ und bei einem Familienworkshop angeboten.


Katalog im Buchhandel

Der Katalog zur Ausstellung mit zahlreichen vertiefenden Beiträgen zu den närrischen Accessoires, Urtypen und Verwandtschaften ist weiterhin im Buchhandel sowie direkt im Museum zum Versand erhältlich (Tel. 82-2351 oder franziskanermuseum@villingen-schwenningen.de). Ein sehenswerter Film von Jens Schaumann, der über die Muse-umswebsite abzurufen ist, lässt die Ausstellung noch einmal Revue passieren (www.franziskanermuseum.de).


Auch wenn der letzte Ausstellungsmonat unter den aktuellen Entwicklungen litt, kann aus Sicht der Ausstellungsmacher somit festgestellt werden: Das Wagnis hat sich gelohnt. Die dritte Ausstellungskooperation zwischen Museum und Zunft zog nicht nur viele Besucher an und erschloss neue Zielgruppen, sondern sorgte auch bei allen Beteiligten für neue Erkenntnisse und viel Spaß. Das Narrenschiff hat sein Ziel erreicht.

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