Villingen-Schwenningen – Mit einem Hilferuf hat sich am Freitag das Sozialunternehmen Die Zieglerschen an die Öffentlichkeit gewandt. „Heime brauchen dringend Schutzausrüstung„, lautet die zentrale Forderung in dem Schreiben. Das Unternehmen mit Hauptsitz im oberschwäbischen Wilhelmsdorf betreibt rund 50 stationäre Einrichtungen der Alten-, Behinderten- und Suchthilfe in Baden-Württemberg.

Seniorenzentrum Welvert: Das Welvert in Villingen zählt ebenfalls dazu. Im Aufruf wird gefordert, dass solche Häuser weit oben in der Prioritätenliste stehen sollten bei der zentralen Verteilung. Die Belieferung sei binnen Tagen fast vollständig zusammengebrochen. „Wir sind dankbar, dass es bei uns Stand heute nur vereinzelte Coronafälle gibt“, teilt Gottfried Heinzmann, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, mit. Derzeit könne man die vorhandenen geringen Bestände noch zielgerichtet umverteilen.

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Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Fälle häufen. „Und dann wird es ganz schnell eng werden“, so Heinzmann. Vor allem Schutzmasken und -Kleidung nach dem FFP-Standard seien dann gefragt, um das Risiko von Massenansteckungen zu minimieren. Die in diesen Tagen anlaufende Verteilung von Schutzausrüstung über die öffentliche Hand, die von den Landkreisen koordiniert wird, bereitet dem Unternehmen Sorgen. Es wird befürchtet, dass Lieferungen nur für Krankenhäuser reichen und in den sozialen Einrichtungen nichts ankommt. Daher versuche man zusätzlich selbst Schutzausrüstung zu beschaffen.

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Heilig-Geist-Spital: Ganz ähnlich stellt sich die Situation im Heilig-Geist-Spital am Warenbach dar. Spitalfonds-Geschäftsführer Günter Reichert bestätigt: „Schutzkleidung ist Mangelware.“ Zwar sei seine Einrichtung in der glücklichen Lage, dass man den Bestand aus dem alten Standort übernehmen konnte, doch selbst damit sei die Versorgung mit Kitteln und Mundschutz im Notfall nur für wenige Wochen sichergestellt. Er rechnet vor: Würde es im schlimmsten Fall zu einem Corona-Ausbruch in der Einrichtung kommen, würde man mit 1000 Mund-Nasen-Masken nach FFP2-Standard und bei sparsamem Umgang etwa vier bis sechs Wochen auskommen. So viele Masken seien für die 80 Mitarbeiter nötig, Bewohner nicht eingerechnet.

Schriftzug am Heilig-Geist-Spital am Warenbach. Bild: Jochen Hahne
Schriftzug am Heilig-Geist-Spital am Warenbach. Bild: Jochen Hahne | Bild: Hahne, Jochen

„Wir haben daher vor einiger Zeit einen Bedarf von 1000 Masken bei den Behörden angemeldet“, so Reichert. Bislang sei aber noch keine Lieferung eingetroffen. Ob, wann und wie viel seitens der öffentlichen Hand geliefert wird, kann Reichert nicht sagen. Er rechnet jedoch fest damit, dass bald Ware eintrifft. „Wir haben zusätzlich auf Eigeninitiative einen Anbieter gefunden. Dieser hat zugesagt, uns in zwei Wochen zu beliefern“, so der Geschäftsführer. Damit das Virus erst gar nicht Bewohner oder Mitarbeiter infizieren kann, wurden die Hygienevorschriften drastisch verschärft. Es gilt Mundschutzpflicht, Händedesinfektion und Temperaturkontrollen für alle, die das Haus betreten. Zudem sind derzeit auch Besuche verboten.

Günter Reichert, Geschäftsführer des Spitalfonds.
Günter Reichert, Geschäftsführer des Spitalfonds.

Seniorenresidenz am Kaiserring: „Wir haben am Freitag 100 einfache Nase-Mund-Masken und 100 Handschuhe geliefert bekommen. Vor Kurzem wurden 40 FFP2-Masken geliefert“, berichtet Paul Lubina, Leiter der Alpenland Seniorenresidenz am Kaiserring. Viel zu wenig, findet er. Ob und wie viel seitens Land und Landkreis nachgeliefert werde, weiß er nicht. Einen entsprechenden Bedarf hat er jedenfalls angemeldet. Darauf verlassen möchte er sich jedoch nicht.

Paul Lubina, Einrichtungsleiter der Seniorenresidenz am Kaiserring. Bild: Jens Fröhlich
Paul Lubina, Einrichtungsleiter der Seniorenresidenz am Kaiserring. Bild: Jens Fröhlich | Bild: Fröhlich, Jens

Daher habe man sich selbst für den Notfall ausgerüstet. Mit dem aktuellen Bestand könne man zumindest die ersten Tage bis Wochen einen Corona-Ausbruch in der Einrichtung auffangen und die knapp 80 Mitarbeiter mit geeigneter Schutzausrüstung versorgen. Das hänge davon ab, wie stark die Einrichtung betroffen sei. „Wir gehen auch weiterhin selbst auf die Jagd“, kündigt Lubina an. Doch die Beschaffung auf dem leergefegten Markt sei nicht einfach. Zudem würden häufig Wucherpreise verlangt. „Sieben bis 13 Euro netto für eine FFP2-Maske“, erzählt Lubina.

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