Bei der coronabedingt publikumslosen Eröffnung verwies SVS-Geschäftsführer Ulrich Köngeter auf die Entwicklung der Wasserversorgung in Villingen-Schwenningen. Dabei wurde klar: Zu jeder Zeit den Wasserhahn aufdrehen, aus dem sauberes Trinkwasser sprudelt ist ein Luxus.

Davon konnten die Menschen im 19. Jahrhundert nur träumen. „Um 1800 schleppten die Menschen ihr Trinkwasser in Eimern aus den öffentlichen Brunnen“, erinnerte Köngeter. Diese Brunnen dienten zudem als Kommunikationstreffpunkt und zum Austausch des neuesten Ortstratsches.

Der zunehmende Wasserbedarf muss gedeckt werden

Allerdings ließen die hygienischen Anforderungen zu wünschen übrig, da die Brunnen auch als Viehtränke genutzt wurden. Heute ist Trinkwasser das am stärksten kontrollierte Lebensmittel überhaupt.

Als um 1850 die Industriealisierung weiter voranschritt und die kleinen Handwerksbetriebe zu großen Fabriken wurden, standen sowohl Villingen als auch Schwenningen vor der Herausforderung, den steigenden Wasserbedarf zu decken. Nach Plänen des Ingenieurs und Erbauers der Schwarzwaldbahn, Robert Gerwig, wurden 1871 neue Quellen im Wieselsbachtal gefasst und ein neues Wasserreservoir gebaut.

Dies sorgte jedoch nur vorübergehend für eine Verbesserung. Wasser sprudelte nicht im Überfluss, sondern wurde zum kostbaren Gut. Mit dem Wasser wurden in erster Linie die Dampfkessel der Fabriken befüllt und die Kanalisation der immer größer werdenden Städte gereinigt.

Ein neues System sorgt für ausreichend Wasser auf allen Wohnetagen

1895 schließlich wurden in Villingen weitere 41 Quellen im Wieselsbachtal erschlossen und durch ein neues Verteilernetz zu den Häusern geleitet. Die zentrale Wasserversorgung war geboren. In Schwenningen wurden 1893 die Keckquellen im Neckartal erschlossen und das Wasser über ein Pumpwerk in einen Hochbehälter gepumpt, das von dort in die Häuser gelangte. Der Effekt: Jetzt floss das Wasser auch in den oberen Wohnetagen mit ausreichend Druck aus dem Hahn. Und auch die Feuerwehr hatte für die Brandbekämpfung endlich genügend Druck auf der Leitung.

Heute fließen etwa 4,2 Millionen Liter Trinkwasser jährlich durch das 485 Kilometer lange Trinkwassernetz der SVS. Das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 120 bis 130 Litern Wasser täglich. „Aber da ist der Industrieverbrauch eingerechnet“, relativiert Köngeter diese Zahl. Der Wasserverbrauch sei zudem durch Spareinrichtungen im Haushalt und sparsamen Haushaltsgeräten weiter rückläufig.

Trinkwasser in Villingen-Schwennigen: Eine Mischung aus Bodensee- und Quellwasser

Um die kostbare und in trockenen Sommermonaten rar werdende Ressource Wasser jederzeit ausreichend zur Verfügung stehenden Menge zur Verfügung zu haben, wurde Schwenningen Gründungsmitglied des 1954 gegründeten Zweckverbandes Bodenseewasserversorgung.

Heute ist das Trinkwasser für die Bewohner aus Villingen-Schwenningen „eine Komfortmischung aus dem weichen Bodenseewasser und hartem Quellwasser, was ein mittelhartes Wasser ergibt. Das merkt man beim Kaffee- und Teewasser und beim Haare waschen“, verdeutlichte Ulrich Köngeter.

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