Wie alt ist das Münster? Was hat es mit den Stadttoren auf sich? Wann wurde Villingen an Österreich verkauft? Diese und ähnliche Fragen werden in der Regel im Zuge von Stadtführungen besprochen. Rudolf Reim geht seit einiger Zeit einen anderen Weg. Er will Interessierten Villingen von der ökologischen Seite näherbringen. Reim leitet grüne Stadtführungen, eingeteilt ist die in vier Teile.

Das Thema Umwelt liegt Rudolf Reim besonders am Herzen. Schon vor einem Jahr hat Reim eine Stadtführung mit dem Sammeln von Müll verbunden.
Das Thema Umwelt liegt Rudolf Reim besonders am Herzen. Schon vor einem Jahr hat Reim eine Stadtführung mit dem Sammeln von Müll verbunden. | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Nachhaltigkeit

Die Führung beginnt mit dem Thema der Nachhaltigkeit. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat diese in den Mittelpunkt dieses Jahres gestellt. „Und natürlich ist auch Villingen nachhaltig“, sagt Reim. In der historischen Altstadt des badischen Teils der Doppelstadt gibt es mehr als 600 Denkmäler. Die tragen einen großen Teil zur Nachhaltigkeit bei. Denn: „Bei einem Denkmal werden keine neuen Flächen verbraucht. Außerdem werden natürliche Materialien verwendet und keine komplexen Verbundwerkstoffen, die oft nicht mehr zu trennen sind, benutzt“, sagt Reim. Baustoffe, die in Denkmälern verwendet werden sind einfach verarbeitet, gut trennbar und überaus reparaturfähig. Reim: „Denkmalschutz ist also der Gegenentwurf zu schnelllebigen Einweggebäuden.“

Ein weiteres Beispiel, wie Nachhaltigkeit in einer Stadt gelebt werden kann, ist in Villingen der Frankziskaner, der in seiner Historie schon auf unterschiedlichste Art und Weise genutzt wurde. „Villingen zeichnet sich auch dadurch aus, dass schon immer in Reihe gebaut wurde. Historisch kleine Fensteröffnungen verhindern das Abfließen von Raumwärme. Außerdem ist das Baumaterial natürlichen Ursprungs und aus der Region“, sagt der Stadtführer.

  • Historische Altstadt als Lebensraum

Weiter geht‘s mit der Altstadt als Lebensraum. 1840 lebten 3982 Menschen in der Ackerbürgerstadt. Hinzu kamen laut einer Viehzählung 1845 insgesamt 478 Stallungen mit 258 Pferden, 1505 Exemplaren von Rindvieh, 197 Ziegen und 468 Schweine. „Und noch heute ist Villingen Ort für viele Tiere“, so Reim. So leben etwa seltene Tierarten wie Turmfalken, die es praktisch an allen Türmen der Stadt gibt, oder Fledermäuse in den alten Gemäuern. „Die alten Mauern sind Nährboden für Flora und Fauna. In Villingen gibt es Tiere, die es sonst nirgends gibt“, sagt Reim weiter.

„Die alten Mauern sind Nährboden für Flora und Fauna. In Villingen gibt es Tiere, die es sonst nirgends gibt“, sagt Stadtführer Rudolf Reim.
„Die alten Mauern sind Nährboden für Flora und Fauna. In Villingen gibt es Tiere, die es sonst nirgends gibt“, sagt Stadtführer Rudolf Reim. | Bild: Jörg-Dieter Klatt
  • Wasser

Punkt 3 bei der grünen Stadtführung ist das Wasser. Dieses ist in Villingen nicht nur wegen der Bächle und Brunnen allgegenwärtig. Die erste Besiedlung der Stadt gab es beispielsweise am linken Brigachufer mit der Altstadtquelle. Das Wasser ist in Villingen Lebensmittel (Quellen, Reichel, Brunnen), Energiespender (Mühlen), Kampfmittel (Wasserbelagerung von Villingen), Kommunikationspunkt (an den Brunnen) undWeg (Ohne Flüsse keine Transportwege) und Lebensraum.

  • Der Mensch als Gefahr für den Lebensraum

Dieser Lebensraum und der Mensch als größte Gefahr für diesen ist der letzte Teil der grünen Stadtführung von Rudolf Reim. Um den Lebensraum zu erhalten, wurde die sogenannte Kehrichtabfuhr eingeführt. 1863 wurde sie erstmals erwähnt. Ab 1913 gab es dann Deponiegebühren. „Und schon im Jahr 1900 wurde in Villingen Müll getrennt“, sagt Reim. Seit 1957 gibt es die staubfreie Müllabfuhr und 1976 wurde im Gemeinderat der Beschluss erlassen, dass jeder Haushalt eine Mülltonne haben soll. 1983 wurden die grauen Mülltonnen eingeführt, 1998 die Biotonne. Endgültig angekommen, war das Thema Umwelt letztlich 1984, als sechs Mitglieder der Grünen in den Gemeinderat der Stadt einzogen. Gegründet wurde die grüne Partei in VS 1979.

Rudolf Reim nimmt seit vier Jahren an der Aktion Saubere Landschaft teil. Wegen Corona ist sie 2020 ausgefallen. Reim sammelt dennoch auf eigene Faust regelmäßig Müll.
Rudolf Reim nimmt seit vier Jahren an der Aktion Saubere Landschaft teil. Wegen Corona ist sie 2020 ausgefallen. Reim sammelt dennoch auf eigene Faust regelmäßig Müll. | Bild: Rudolf Reim

Wann die nächste grüne Stadtführung in Villingen stattfindet, ist derzeit noch nicht klar. Sollte es eine größere Nachfrage nach einer Führung geben, wird diese über die Wirtschaft und Tourismus Villingen-Schwenningen (WTVS) stattfinden. Genaue Termine würden dann bekanntgegeben werden. Wer aber mehr über das ökologische Schwenningen erfahren will, kann das am 8. Oktober machen. Veranstalter ist die Ortsgruppe der Bündnis 90/Die Grünen. Das Anmeldeprocedere wird noch via Presse kommuniziert.

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