Für Verena Hoer ist es ein unternehmerisches Risiko. Sie baut vor Ort eine Schutzmaskenproduktion auf, damit die Region gegen eine zweite Welle gewappnet ist. Doch ihr ursprüngliches Metier ist es nicht: Ihr inzwischen verstorbener Mann machte den Elektromarkt Hoerco groß, die Juristin ist bekannt für ihr Engagement beim Bau des Palliativzentrums, sie leitet die Verena und Walter Hoer-Stiftung. Aus dem operativen Geschäft hat sie sich inzwischen zurückgezogen. Und nun Masken?

Das Design der Schwarzwälder Schutzmasken stammt von Alexander Hoer.
Das Design der Schwarzwälder Schutzmasken stammt von Alexander Hoer. | Bild: Hauser, Gerhard

Hoer verfolgte die Entwicklung der Corona-Pandemie genau: Wie Deutschland zunächst sogar Schutzmasken abgab, weil das Virus fern schien. Als es in Europa ankam, fehlten elementare medizinische Produkte plötzlich an allen Ecken und Enden. „Wir waren von den globalisierten Lieferketten abhängig.“ Die Masken waren so begehrt, dass plötzlich auch Schund verkauft werden konnte. Hoer wollte nicht, dass sich das wiederholt: Sie erwarb in Eberswalde eine Maschinen für Schutzmasken, ursprünglich sollte die in einem frei gewordenen Raum im Villinger Hoerco-Gebäude am Vorderen Eckweg aufgestellt werden. Doch die elektrischen Leitungen waren nicht für diesen zusätzlichen Bedarf ausgelegt, daher steht die Anlage bei der Firma von Franz Obergfell, OTG, in St. Georgen.

Diese Schutzmasken werden in St. Georgen produziert.
Diese Schutzmasken werden in St. Georgen produziert. | Bild: Hauser, Gerhard

Dort werden anfangs eine Million Stück pro Monat produziert, doch es sind auch zwei Millionen möglich. Im Reinraum werden die Schutzmasken, die dreilagig aus einer wasserabweisenden äußeren Schicht, einem mittleren Vlies, das etwa 98 Prozent der Keimlast herausfiltert, sowie einer inneren weichen Schicht hergestellt. Die Ausgangsmaterialien kommen alle aus Europa. Die medizinischen Gesichtsmasken, offiziell sind es OP-Masken, werden derzeit in einem Prüflabor zertifiziert.

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Verkauft werden sie in Boxen, deren Design Sohn Alexander Hoer, im Hauptberuf Archäologie-Dozent in Zürich, entwickelte – zu je 100 Exemplaren. Der Preis steht noch nicht endgültig fest – zwischen 70 und 80 Cent pro Stück. Dazu kommen etwa zehn Cent je Exemplar, die Verena Hoer an gemeinnützige Organisationen, an die Pro-Kids-Stiftung, den Verein „Mit Krebs leben“, das Palliativzentrum und möglicherweise an das Schwenninger Kinderhospiz weitergeben wird. Wenn das erste Ziel erreicht wird, und eine Million Masken verkauft sind, würden an die Einrichtungen insgesamt 100 000 Euro gehen.

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Als Zielgruppe nennt Hoer vor allem Firmen, die eine größere Menge an Schutzmasken benötigen. Für sie ist es ein „verrücktes Projekt“, weil so viele Hindernisse zu überwinden waren. Bei der Vorbereitung der Produktion vor Ort griff sie ausschließlich aus zwölf Handwerkerfirmen aus der Region zurück. Wie aufwändig die Herstellung ist, macht sie an einem Beispiel deutlich. So benötigt sie in St. Georgen einen Reinraum, um die Produktion und das Eintüten in Plastikhüllen keimfrei zu halten. Die endgültige Verpackung für den Endverbraucher übernehmen dann drei Jugendliche in Villingen.

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Ab September kommen die Schwarzwälder Schutzmasken in den Handel: Sie gelten neben der Abstandsregelung als wichtiger Schutz gegen das Corona-Virus. Gedacht sind sie zum Einmalgebrauch.

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