Eine Woche vor der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, in dem der Jahresbericht über die Schulsozialarbeit vorgestellt worden ist, kam die Hiobsbotschaft: „Wir hatten eine Sitzung mit Vertretern der Stadt und haben da erfahren, dass die Verträge zum Jahresende gekündigt werden“, berichtet Michael Kuner. Er ist Bereichsleiter für kommunale Angebote bei der Stiftung St. Franziskaus Heiligenbronn, die mit der Caritas, der Diakonie und der Stiftung Lernen, Fördern, Arbeiten in der Doppelstadt die Schulsozialarbeit durchführt. Dafür bezahlt die Stadt jährlich rund 1,3 Millionen Euro – es sind 29 Mitarbeiter auf 18,5 Stellen an verschiedenen Schulen tätig.

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt muss der Vertrag, der eine Laufzeit von vier Jahren hat und zweimal um je ein Jahr verlängt worden ist, neu ausgeschrieben werden. Dies ist eine gesetzliche Vorgabe, wie Stefan Assfalg, der Leiter des Amtes für Jugend, Bildung, Integration und Sport im Jugendhilfeausschuss berichtete. Deshalb wurden die Verträge gekündigt, im Oktober soll die Neuausschreibung erfolgen. Allerdings hat das Vorgehen der Stadt zur Folge, dass die Träger einzelnen Mitarbeitern mit längerfristigen Kündigungsfristen jetzt kündigen mussten. „Da geht es um Existenzen“, berichtet Heike Schempp, Teamleiterin der Schulsozialarbeit bei der Caritas. Zahlreiche Schulsozialarbeiter waren am Donnerstagabend bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses dabei, viele noch sichtlich geschockt von der extrem kurzfristigen Kündigung des Vertrags.

Schulsozialarbeit der Stiftung St. Franziskus im Auftrag der Stadt VS: Hier erleben die Schüler der Gartenschule einen Naturtag.
Schulsozialarbeit der Stiftung St. Franziskus im Auftrag der Stadt VS: Hier erleben die Schüler der Gartenschule einen Naturtag. | Bild: Stiftung St. Franziskus

Geschockt waren auch viel Stadträte und Simone Spengler als Vertreterin des Staatlichen Schulamtes: „Ich bin sehr besorgt über die neuste Entwicklung. Schulsozialarbeit ist Beziehungsarbeit und das braucht Kontinuität.“ Spengler bat inständig darum, die Begriffe Sparpolitik und qualitative Schulsozialarbeit „sauber zu trennen.“ Spengler weiter: „Nur durch die Schulsozialarbeit kann die Schule ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Bernd Lohmiller (SPD) sprach von einem „Schlag ins Gesicht der betroffenen Personen“. Es sei ein Witz, wenn die Stadt keine Lösung finden würde, wie es hier nahtlos weitergeht. Vor allem sei es wichtig, dem Personal „Sicherheit“ zu geben. Constanze Kaiser (Grüne), Lehrerin an der Bickebergschule, dankte den Schulsozialarbeitern auf sehr emotionale Weise: „Sie retten Leben mit ihrer Arbeit.“ Die Schulsozialarbeiter seien da, wenn es brennt, sie erleichtern vielen Kindern das Leben, die täglich eine schwere Last tragen müssten. Katharina Hirt (CDU) erklärte, sie werde nervös bei dem Begriff, „freiwillige Leistung“. Schulsozialarbeit sei immens wichtig und es müsse alles getan werden, um die Arbeit auf diesem hohen Niveau fortführen zu können. Sie gehe davon aus, dass sich die bisherigen Träger wieder bewerben, aber: „Was ist, wenn es zeitliche Lücken gibt?“.

Ein Teil der Schulsozialarbeiterinnen der Stiftung St. Franziskus bei einer Teambesprechung: (von links) Dominique Czako (Haslachschule), Elke Schlenker und Bianca Wäscher (Neckarschule), Carina Reinbold (Gartenschule), Bianca Kieninger (Bickebergschule) und Jürgen Muff.
Ein Teil der Schulsozialarbeiterinnen der Stiftung St. Franziskus bei einer Teambesprechung: (von links) Dominique Czako (Haslachschule), Elke Schlenker und Bianca Wäscher (Neckarschule), Carina Reinbold (Gartenschule), Bianca Kieninger (Bickebergschule) und Jürgen Muff. | Bild: Stiftung St. Franziskus

Oberbürgermeister Jürgen Roth erklärte angesichts der Kritik an der Kündigung der Verträge, dass die Stadt sich bemühen werde, eine Lösung zu finden, damit die Arbeit bis Schuljahresende 2021 weiter gehen könne. „An diesem Angebot arbeiten wir“, bekräftigte er in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Vor allem wolle man künftig die Verträge an das Schuljahr anpassen und nicht mehr an ein Kalenderjahr.

Auch Erlebnispädagogik gehört zum Angebot der Schulsozialarbeit, hier mit Kindern der Janusc-Korczak-Schule.
Auch Erlebnispädagogik gehört zum Angebot der Schulsozialarbeit, hier mit Kindern der Janusc-Korczak-Schule. | Bild: Stiftung St. Franziskus

Wenn diese Lösung käme, wäre nach Meinung von Jürgen Muff von der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn „viel gewonnen“. „Dann wäre der Druck raus und wir könnten das Schuljahr ordentlich zu Ende bringen und uns in Ruhe auf die Ausschreibung bewerben“, erklärte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Oberste Priorität habe es für ihn, die hochmotivierten und hochqualifizierten Mitarbeiter zu halten. Aktuell habe man noch keine Kündigung aussprechen müssen, aber es könne natürlich sein, dass Mitarbeiter jetzt nach einem anderen Job Ausschau halten, weil ihnen die Lage hier zu unsicher sei. Wichtig sei es, dass die Träger weiterhin an einem Strang ziehen. Er hoffe jetzt auf eine umfassende Information seitens der Stadt, wie es genau weitergeht: „Diese Information sollte aber in zwei oder spätestens drei Wochen vorliegen“, so Muff.