Seit die Tafelläden im Schwarzwald-Baar-Kreis am 17. März wegen der Corona-Ansteckungsgefahr geschlossen worden waren, war der „Mach mit“-Förderverein auf der Suche nach Lösungen, um die Geschäfte wieder zu öffnen. Am Mittwoch gab es dann die erlösende Nachricht: Kunden können zumindest in den Tafelläden in Villingen und in Schwenningen ab Montag, 20. April, wieder einkaufen.

Die Tafel in Villingen befindet sich in den Räumen der Caritas in der Gerwigstraße 6.
Die Tafel in Villingen befindet sich in den Räumen der Caritas in der Gerwigstraße 6. | Bild: Hahne, Jochen

Am Donnerstag wurde die positive Stimmung dann aber wieder getrübt. „Uns hat die Arbeitsagentur informiert, dass die AGH-Teilnehmer nicht arbeiten dürfen“, sagt Vereinsvorsitzende Helgine Zimmermann auf SÜDKURIER-Nachfrage. Die Menschen, die an einer Arbeitsgelegenheit (AGH) der Arbeitsagentur teilnehmen, sollen in den Arbeitsmarkt reintegriert werden. Sie arbeiten sechs Stunden am Tag und erhalten 1,50 Euro pro Stunde. „Ich bin total entsetzt“, sagt Zimmermann weiter. Sie habe sich vorab extra mehrfach erkundigt, ob diese Mitarbeiter eingesetzt werden dürften. Noch am Mittwoch habe man ihr vonseiten der Arbeitsagentur versichert, dass das klappe. Eine inhaltliche Begründung für die Absage habe Zimmermann nicht erhalten.

Das antwortet die Arbeitsagentur

Die Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen verweist gegenüber dem SÜDKURIER auf die derzeitige Aussetzung aller Arbeitsgelegenheiten, die eine physische Präsenz erfordern, beispielsweise bei AGH-Maßnahmen. Generell gelten diese nur als unterbrochen und nicht als abgebrochen. Sinn und Zweck sei es, physische Kontakte zu vermeiden.

Mit dem Ausfall dieser Kollegen stehe auch das Weiterbetreiben der Tafelläden auf der Kippe. Zimmermann: „Wenn wir nicht zehn Mitarbeiter erhalten, können wir die beiden Standorte in Villingen und Schwenningen maximal eine Woche geöffnet haben. Weil die Kollegen, die über 70 Jahre alt sind, aus Sicherheitsgründen weiterhin daheim bleiben, ist die Zahl der Mitarbeiter reduziert. Dann müssen wir wieder schließen.“ Über das Ehrenamtsportal der Stadt VS und über die Caritas versucht die Tafel nun Ehrenamtliche zu finden. „Wer helfen will, kann sich telefonisch unter der 07720/99 40 90 bei uns melden“, sagt die Vereinsvorsitzende. Gesucht werden Freiwillige, die von 10 bis 14 Uhr aushelfen können.

Bild: Screenshot: Jundt, Matthias

Einer Öffnung der Läden in der kommenden Woche stehe aber nichts im Weg. Am Freitag, so Zimmermann, werden die gespendeten Lebensmittel abgeholt, am Montag öffnet dann gute vier Wochen nach der Schließung der Laden in der Villinger Gerwigstraße 6 ab 15 Uhr. Dann dürfen Karteninhaber mit einer geraden Ausweisnummer kommen, am Mittwoch sind dann die mit einer ungeraden Nummer an der Reihe. In Schwenningen wird der Tafelladen Ob dem Brückle 27 am Dienstag und Freitag ebenfalls ab 15 Uhr öffnen. Auch hier gilt die Regelung mit der geraden und ungeraden Ausweisnummer.

Bild: Screenshot: Jundt, Matthias

Neben der Kundenbegrenzung über die Ausweisnummer wurden in den vergangenen Wochen Einkaufsregeln ein- und Umbauten durchgeführt. Unter anderem wurde der Einkaufsprozess neu organisiert. So müssen Kunden den vollen Einkaufskorb zunächst auf einem Tresen abstellen. Das Tafelpersonal nimmt den Korb, rechnet die Produkte ab und legt sie wieder in den Korb. Anschließend bezahlt der Kunde und nimmt seinen Einkauf mit.

Bild: Screenshot: Jundt, Matthias

Außerdem seien Schutzscheiben aus Plexiglas angebracht, der Kassenbereich sei mit Abstandsmarkierungen neu gestaltet und das reduzierte Verkaufspersonal sei mit Handschuhen, Desinfektionsmittel, Mundschützen und weiterer Schutzausrüstung ausgestattet worden. Darüberhinaus gebe es überarbeitete Reinigungs- und Hygienerichtlinien für das Säubern der Tafelläden. Zu guter Letzt sei auch die Wareneinholung und -sortierung umstrukturiert und an die Maßgaben des Infektionsschutzgesetzes angepasst worden.

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All das sei in den anderen Tafelläden in Donaueschingen, St. Georgen und Triberg nicht möglich gewesen. „Die Räumlichkeiten sind einfach zu klein. Die Menschen müssten dort auf der Straße stehen. Daher bleiben diese Standorte auch weiterhin geschlossen“, sagt Zimmermann weiter.

In den vergangenen vier Wochen gab es laut der Vorsitzenden nur einen telefonischen Notdienst. Zimmermann und ihre Kollegen hoffen, dass sie Menschen ab Montag wieder dauerhaft helfen können: „Es ist dann schon langsam Monatsende. Das Geld wird knapp. und so langsam werden auch die Menschen zur Tafel kommen, die in Kurzarbeit sind.“

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