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Vor 25 Jahren, am 9. Mai 1995, wurde der Freundeskreis der Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen gegründet. Denn wie damals, so hat auch heute die Bibliothek mit ihren beiden Standorten engagierte Unterstützer dringend nötig, betont der Freundeskreis in seinem Rückblick auf seine 25-jährige Tätigkeit.

Vor 25 Jahren, da stand damals die Verkleinerung des Bestands in Villingen und schließlich die Schließung des Standorts im Raum, massive Gebührenerhöhungen wurden diskutiert, die Personalausstattung war unzureichend und die Leitungsfrage ungeklärt. „Sparpaket“ war 1996 das Wort des Jahres in Deutschland.

Friedemann Schmidt ist Vorsitzender des Freudneskreis der Bibliothek
Friedemann Schmidt ist Vorsitzender des Freudneskreis der Bibliothek

Nach mehrmonatigen Vorbereitungen kamen zu der Gründungsversammlung 30 Personen aus vielen Bereichen der Zivilgesellschaft zusammen, insbesondere aus Schule und Buchhandel, aus dem Gemeinderat und der Stadtbibliothek selbst. Am 11. Mai wurde der Verein zu Beginn der „Mitternachtsbibliothek“ in den Räumen der Bibliothek am Münsterplatz in Villingen der Öffentlichkeit vorgestellt, und am 13. Juli 1995 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Als zentrale Aufgabe des Vereins wurde schon im Gründungsprotokoll die Förderung des Leistungsstandards der Stadtbibliothek für ihre Nutzer festgehalten.

Ein Schwerpunkt der Aktivität lag von Beginn an darin, finanzielle Beiträge zu besonderen Anschaffungen und Aktionen der Bibliothek zu leisten: für Medienkisten, Jugendbuchwoche, Lesungen, Tag der offenen Tür, Poetry Slam, Lesecafé, „Heiß auf Lesen“ und vieles mehr. Diese Unterstützung war aber auch immer personeller Art, war ganz praktische Mitarbeit als Vorleser für Kinder oder bei Veranstaltungen der Bibliothek, insbesondere auch zur Lese- und Leserförderung in Zusammenarbeit mit den Schulen der Stadt.

Nicht weniger wichtig war seit der Gründung des Freundeskreises eine aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um außerhalb der städtischen Verwaltung über die Belange der Bibliothek zu informieren, für sie zu werben und ihre Interessen zu vertreten.

Ärger mit Matusza

Am meisten Aufmerksamkeit hat der Verein vor allem in den ersten Jahren erregt: Mit Lobby-Arbeit für die Bibliothek und ihre Nutzer, auch bei sensiblen und umstrittenen Themen gegenüber Stadtverwaltung, Gemeinderat und Öffentlichkeit. Der Vorsitzende Raimund Fleischer fasste das im Mai 1995 in die Worte: „Die Bibliotheken sollen ihr Haupt erheben und bekunden, jetzt sind wir einmal an der Reihe, wenn es darum geht, Zuschüsse zu beantragen und zu bekommen“. Davon ließ sich der Freundeskreis auch nicht abbringen, als Stimmen im Gemeinderat dies als „glatte Unverschämtheit“ abqualifizierten und OB Matusza meinte klarstellen zu müssen, dass sich die Stadt „nicht in unzumutbarer Weise behindern lassen wird“, obwohl er dem Verein immerhin eine „faire Chance“ geben wollte.

Der Vorstand von 1995 in einem Zeitungsausschnitt.
Der Vorstand von 1995 in einem Zeitungsausschnitt. | Bild: Freundeskreis Stadtbibliothek

Ein Jahr später hatte sich die Zahl der Mitglieder bereits auf 40 erhöht, und das Verhältnis zu OB und Gemeinderat war dank einer Vielzahl von Gesprächen deutlich entspannter. Nach Raimund Fleischers Tod 2017 hat Werner Leuthner als sein Stellvertreter den Vorsitz des Vereins bis 2019 kommissarische übernommen und bleibt ihm seither als Beirat und Redakteur der vereinsinternen Rundbriefe engagiert verbunden. Mit Friedemann Schmidt als Vorsitzendem, Thomas Geyer als Stellvertretendem Vorsitzenden, Wolfgang Mack als Schatzmeister sowie Katharina Hirt und Werner Leuthner im Beirat hat sich seither an der Ausrichtung des Vereins mit mittlerweile gut 50 Mitgliedern nichts geändert.

Zurzeit kann man seitens der Freunde der Stadtbibliothek mit der Arbeit der Bibliothek und mit ihren Konzepten, auch in Hinblick auf die Zukunft, nur zufrieden sein. Die Bibliothek als „Dritter Ort“, als „Treffpunkt der Stadtgesellschaft“ und „Ort gelebter Demokratie“ sind Schlagworte, die ihren zukunftsweisenden Weg unter der nunmehr langjährigen erfolgreichen Leitung durch Volker Fritz markieren. Dass seitens des Vereins trotzdem immer wieder kleinere und größere Verbesserungsvorschläge im Interesse der Nutzer der Bibliothek gemacht werden können, bestätigt nur das vertrauensvolle und offene Verhältnis zwischen Bibliothek und Freundeskreis.

Freunde hat die Stadtbibliothek als die am stärksten frequentierte Einrichtung der Stadt VS sehr viele. Dass sie sich in einem Freundeskreis organisieren, ist heute allerdings nicht weniger nötig als 1995. Die Renovierung und teilweise Neuausstattung des Villinger Bibliotheksgebäudes war ein sehr erfreuliches Beispiel für engagierte Bestandspflege, aber es stehen an beiden Standorten weitaus größere Aufgaben an.

Erweiterung überfällig

In Villingen, wo schon 1995 eine drangvolle Enge beklagt wurde, muss nach Auffassung des Vereins endlich die geplante Erweiterung des Bibliotheksgebäudes ins Nachbargebäude (VHS) verwirklicht werden. Und in Schwenningen, so betont der Verein, werde eine umfassende Sanierung und Modernisierung des Bibliotheksgebäudes immer dringlicher. Die lange Bank sei kein Ort für eine derart wichtige und von breitesten Bevölkerungskreisen intensiv genutzte städtische Einrichtung.

Gerade angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die gegenwärtig allseits erwartet werden, soll die Stadtbibliothek in ihrem Freundeskreis auch künftig einen verlässlichen und energischen Fürsprecher haben. In diesem Sinne, so der Verein, soll auch die Jubiläumsfeier zum 25jährigen Bestehen in diesem Jahr trotz „Corona-Krise„ nicht einfach ausfallen. Sie wird, wenn die Verhältnisse es zulassen, am Samstag, 17. Oktober 2020 ab 18 Uhr in den Räumen der Stadtbibliothek mit passendem Rahmenprogramm nachgeholt. Spätestens dann, so hoffen die Akteure des Vereins, dürfe man in dem Grußwort, das Oberbürgermeister Jürgen Roth zugesagt hat, auf Antworten hoffen, welche Perspektiven und konkreten Zukunftspläne die Stadt für ihre Bibliothek und deren Nutzer hat.

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