Am Mittwoch hat Kultusministerin Susanne Eisenmann einen Fahrplan für weitere Kita- und Schulöffnungen vorgestellt. Schrittweise und besonnen soll wieder geöffnet werden. So sollen nach den Pfingstferien alle Schüler in einem rollierenden System Präsenzunterricht erhalten, die Kitas sollen die Betreuung schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten, gegebenenfalls auch mit rollierendem System. Offene Fragen bleiben dennoch.

Unklar ist etwa, wie mit Kitas verfahren wird, in denen schon jetzt durch die Notbetreuung die 50-Prozent-Marke erreicht wurde. Wie ist die Stimmung bei den Eltern? Wie haben sie die vergangenen sieben Wochen erlebt? Und was wünschen sie sich von der Politik? Ein Stimmungsbild.

Sandra und Emilia Hauser.
Sandra und Emilia Hauser. | Bild: privat
  • Vollzeit im Homeoffice: Sandra Hauser aus Villingen ist Vollzeit berufstätig und Mutter einer fünfjährigen Tochter. „Ich würde sagen, wir meistern es ganz gut“, sagt die 36-Jährige, die als Konstrukteurin tätig ist. Ihre Arbeit findet derzeit fast komplett zu Hause am Esstisch statt, einmal wöchentlich fährt sie nach Triberg, um die Zeichnungen in den Firmenrechner einzupflegen. „Es läuft“, sagt sie. „Emilia bastelt viel, ich muss aber auch zugeben, dass sie derzeit viel fernsieht, was es vorher in dem Maß bei uns nicht gab.“ Dennoch: „Man merkt die Anspannung. Emilia war schon immer sehr gesellig und vermisst ihre Großeltern, die Freunde und den Kindergarten ganz schrecklich.“ Sie selbst merke, dass sie sei schnell genervt sei. „Das kenne ich sonst von mir gar nicht.“ Den Tagesablauf hat die Familie fest strukturiert: Sandra Hauser setzt sich schon um 6 Uhr an den Computer, so lange Emilia noch schläft. Ihr Mann ist selbstständiger Augenoptikermeister und kümmert sich nach dem Aufstehen um die Tochter, bis auch zur Arbeit geht. Die aufgrund der Coronakrise verkürzten Öffnungszeiten seines Geschäfts verschaffen seiner Frau Luft, um einen Teil ihrer Arbeit zu erledigen. Erwartungen an die Politik? „Habe ich so direkt eigentlich nicht“, sagt Sandra Hauser. „So eine Situation gab es noch nie und ich denke, es wird schon bestmöglich versucht, alle zu schützen.“ Nichtsdestotrotz: „Ich wünsche mir unser altes Leben und Schritt für Schritt Normalität zurück.“
May-Thi Vo.
May-Thi Vo. | Bild: May-Thi Vo
  • Teilzeit ohne Homeoffice: May-Thi Vo aus Schwenningen arbeitet in der Verwaltung einer Werbeagentur. Sie hat Kurzarbeit und ist aktuell ein- statt viermal pro Woche in ihrer Firma. Zwei Mal wöchentlich gibt sie sich abends mit ihrem Mann die Klinke in die Hand und arbeitet in einem Nebenjob. Seit sieben Wochen zu Hause: Der acht Jahre alte Zweitklässler Rian (8) und Colin (6), der im September eingeschult wird. May-Thi Vo ist froh, dass sie nicht im Homeoffice arbeiten muss. „Rian hat sehr viele Hausaufgaben, und neuen Stoff gibt es auch. Wir haben ja nur ein Schulkind, wie ist das dann erst für Eltern mit zwei oder drei Schulkindern?“ Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte hätte sich in den vergangenen Wochen mehr Engagement seitens der Lehrer gewünscht. „Nach der Schulschließung stand auf der Homepage der Schule, man könne Aufgaben abholen kommen, es gab keine Mail, keinen Brief“, schildert sie. Inzwischen würden die Aufgaben per E-Mail versandt, aber erst, nachdem der Elternbeirat aktiv geworden sei. „Das geht auch anders“, sagt sie. „Mein Neffe in Bayern bekommt sogar von seinem Sportlehrer einmal wöchentlich eine Mail mit Übungen für zu Hause.“ Sie wünscht sich von der Politik in den kommenden Wochen eine klare Linie. Diese fehle: „Kirchen und Spielplätze macht man auf, Feste und Großveranstaltungen gibt es nicht.“
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  • Zwei Mal Homeoffice: „Gerade anfangs war es schon eine riesige Herausforderung, sowohl unseren Kindern als auch der Arbeit gerecht zu werden“, sagt Matthias Metzner aus Obereschach. Normalerweise arbeitet der 38-Jährige in Freiburg als Marketing Manager, seine Frau Carolin ist Marketing-Referentin in Tuttlingen. Seit sieben Wochen arbeiten beide von zu Hause aus, an ihrer Seite: die Töchter Lara (6) und Philippa (3). „Anfangs konnten wir uns nicht vorstellen, wie das überhaupt klappen soll“, sagt Carolin Metzner. Inzwischen habe sich die Familie arrangiert. Aber: „Wenn man noch arbeiten muss, wenn die Kinder bereits schlafen, bleibt nicht viel Erholung übrig“, sagt Matthias Metzner. Die Politik habe Familien in den ersten Wochen des Lockdowns zu wenig im Blickwinkel gehabt. Man habe über die Bundesliga, die Kirchen und Gastronomie debattiert, aber die bundesweit mehr als drei Millionen Kindergartenkinder und deren Familien nicht berücksichtigt. Mit den Regelungen für die Notbetreuung sei eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen worden. „Es kann nicht sein, dass Bildung leidet, weil sich Eltern irgendwann einmal für einen Beruf entschieden haben, der nicht als systemrelevant gilt.“ Die Aussicht, dass die sechsjährige Lara vor der Einschulung in die Obereschacher Grundschule im Herbst ihre Kindergartenfreunde aus Villingen womöglich nicht mehr sehen wird, ist für die Eltern schwer erträglich. Zwar sollen die Vorschulkinder nach dem Wunsch der Landesregierung an der erweiterten Notbetreuung teilnehmen dürfen. Weil in Laras Kita die Kapazität von 50 Prozent bereits innerhalb der Notgruppe erreicht wurde, sieht es für die Familie Metzner schlecht aus. „Dass die Situation nicht einfach ist, verstehe ich ja. Aber das Konzept passt nicht“, sagt Carolin Metzner.
Srdjan Zivkovic,  Gesamtelternbeiratsvorsitzender der Kitas in VS.
Srdjan Zivkovic, Gesamtelternbeiratsvorsitzender der Kitas in VS. | Bild: Srdjan Zivkovic
  • Der Gesamtelternbeirat: Der Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats der Kitas in Villingen-Schwenningen,, Srdjan Zivkovic, begrüßt die 50-Prozent-Regelung, auch mit Hilfe eines rollierenden Systems, gibt aber zu bedenken: „Die Eltern müssen ihre Arbeit auch geregelt bekommen, wenn das Kind eine Woche zu Hause und eine Woche im Kindergarten ist.“ Auch für die Stadt sei es nicht einfach, die vielen Herausforderungen anzugehen. „Ich möchte gerade nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken.“ Der Gesamtelternbeirat werde bei den Planungen gerne beratend zur Seite stehen, bietet Srdjan Zivkovic an. Denn viele Fragen seien offen. So etwa, wie jüngere Geschwisterkinder behandelt werden, wenn das ältere Kind Vorschüler ist und die erweiterte Notbetreuung nutzen darf.
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