Das bedrohliche Umsichgreifen der Corona-Pandemie treibt auch die Stadträte von Villingen-Schwenningen um. Gibt es in der Stadt ausreichend Test- und Impfmöglichkeiten? Diese Fragen wurden in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Mittwoch von den Stadträten kritisch angesprochen.

Stadtrat Friedrich Bettecken findet: Beim Impfen „müssen wir viel, viel besser werden“.
Stadtrat Friedrich Bettecken findet: Beim Impfen „müssen wir viel, viel besser werden“. | Bild: SK

Stadtrat Friedrich Bettecken (CDU) legte den Finger in die Wunde der aktuellen Impfpraxis mit den mobilen Impfteams: „Wir werben einerseits fürs Impfen, andererseits lassen wir die Menschen stundenlang in der Schlange stehen und schicken nach drei Stunden viele nach Hause, weil kein Impfstoff mehr da ist. Das passt nicht zusammen.“

Stundenlanges Warten in der Kälte, wie hier kürzlich im Wohngebiet Schilterhäusle, stellt viele Impfwillige auf eine harte Probe. Neue Impfstützpunkte am Schwarzwald-Baar-Center und in Donaueschingen sollen Entlastung bringen.
Stundenlanges Warten in der Kälte, wie hier kürzlich im Wohngebiet Schilterhäusle, stellt viele Impfwillige auf eine harte Probe. Neue Impfstützpunkte am Schwarzwald-Baar-Center und in Donaueschingen sollen Entlastung bringen. | Bild: Rüdiger Fein

Wichtig sei, dass bei den mobilen Impfaktionen genügend Impfstoff und genügend Personal vor Ort sei. „Da müssen wir viel, viel besser werden“, mahnte Bettecken. Sein Eindruck: „Da hätte man sich besser vorbereiten müssen“. An die Stadtverwaltung und Landkreis richtete er den Appell, „mehr Gas zu geben“. Gut sei aber, dass jetzt beim Schwarzwald-Baar-Center ein neues Impfzentrum mit zwei Impfstraßen in Betrieb genommen wurde.

Oberbürgermeister Jürgen Roth verdeutlichte, dass die Probleme nicht allein bei Stadt und Landkreis verursacht sind. „Das Sozialministerium liefert den Impfstoff. Wir können die Zuteilung nicht beeinflussen“. Zugleich betonte er, dass die mobilen Impfteams ihr Möglichstes tun. Zur Entspannung im Landkreis dürfte auch beitragen, so Roth, dass in Donaueschingen ein weiteres Impfzentrum aufgebaut werde.

Das erste hat am Donnerstag im Schwarzwald-Baar-Center am Neuen Markt in Villingen-Schwenningen mit zwei Impfstraßen den Betrieb aufgenommen. Hier können alle Interessierten vorbeikommen und sich zu den Öffnungszeiten impfen lassen.

Die Organisation soll allerdings noch schrittweise verbessert werden, stellte der OB in Aussicht. Geplant sei, dass Online-Zugänge für Terminbuchungen eingerichtet werden. Außerdem ist angedacht, ein Nummerierungs-System einzuführen, damit die Impflinge die Wartezeit beispielsweise mit Einkaufen überbrücken und zugleich sicher sein können, dass sie auch an die Reihe kommen.

Keine Termine in Testzentren

Impfen ist das eine, Testen das andere. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen und verschärfter Corona-Regelungen werden jetzt wieder verstärkt Testkapazitäten benötigt, die vor Monaten abgebaut wurden. Stadtrat Olaf Barth (AfD) wies darauf hin, dass derzeit in den privaten Testzentren keine oder kaum noch Termine zu bekommen seien. Daher sei die Frage, ob die Stadt ihre kommunalen Testzentren wieder aktivieren werde.

Diese Frage beschäftigt auch Ulrike Heggen (Freie Wähler). Sie forderte die Stadtverwaltung mit Nachdruck auf, zu prüfen, ob die bestehenden privaten Teststellen ausreichen. Andernfalls müsse sich die Kommune selbst wieder engagieren. Oberbürgermeister Jürgen Roth erwiderte, der Stadt lägen Angebote von sechs, sieben privaten Anbietern vor, die weitere Testzentren aufbauen wollten. Die Stadtverwaltung gehe davon aus, dass damit ausreichende Testkapazitäten entstehen.

Private versprechen Testkapazitäten

Der Referent des Oberbürgermeisters, Felix Cramer von Clausbruch, ergänzte, dass die privaten Anbieter Zusagen gemacht hätten, die in Summe eine tägliche Kapazität von über 3000 Testungen ermöglichen würden. Dies sei deutlich mehr als die städtischen Testzentren erbringen konnten.