„Wenn wir sie nicht hätten, dann müssten wir sie jetzt gründen.“ Stadtrat Berthold Ummenhofer zollte mit dieser Aussage der Musikakademie seinen Respekt für die geleistete Arbeit. Gerhard Wolf, Leiter der Akademie, seine Stellvertreterin Caroline Wintermantel und der Rektor der Musikhochschule Trossingen, Christian Fischer, stellen den Jahresbericht 2019 in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch in der Neckarhalle vor. Die Musikhochschule ist alleinige Gesellschafterin der Akademie.

Für Christian Fischer ist kulturelle und musikalische Bildung eine „Aufgabe des Herzens“, die die Musikakademie sehr engagiert erfüllt. Er machte aber deutlich, dass dies keine „freiwillige Aufgabe“ sei. Aktuell erhält die Akademie von der Stadt einen Zuschuss von 480000 Euro, der in zwei Schritten bis 520000 Euro steigt. Der Vertrag läuft bis 2028 und gibt den Akteuren eine gewisse Planungssicherheit. Als Vergleich nannte Fischer die Stadt Friedrichshafen, die 1,1 Millionen Euro für ihre Musikschule bezahlt. Ein echter Pluspunkt sei die Zusammenarbeit mit der Hochschule, hier sei eine gute Koninuität entstanden.

Hier präsentieren sich die Veeh-Harfen-Spielerinnen, die von anderen Instrumenten unterstützt werden.
Hier präsentieren sich die Veeh-Harfen-Spielerinnen, die von anderen Instrumenten unterstützt werden. | Bild: Musikakademie

Der Rektor der Musikhochschule sprach zwei drängende Probleme an: So müsste ein Großteil des Unterrichts durch Honorarkräfte erfolgen, der Zuschuss der Stadt reiche nur, um wenige Mitarbeiter fest anzustellen. „Diese Honorarkräfte sind jetzt natürlich von der Coronakrise besonders stark betroffen.“ Ein weiteres Problem sei die akute Raumnot. Fischer verdeutlichte dies am Beispiel der elementaren Musikpädagogik. Hier kann trotz großer Nachfrage kein qualifizierter Unterricht stattfinden, da es keine geeigneten Räume gibt. „Wenn sie also einen Raum haben, 100 Quadratmeter, warm und mit Toiletten, dann sagen sie uns Bescheid, das würde uns enorm helfen.“ Die Akademie hoffe jetzt auf Mangin: „Da wären wir sehr dankbar wenn die Musikakademie hier mit bedacht würde.“

Im Mehrgenerationenorchester spielen junge und alte Menschen gemeinsam.
Im Mehrgenerationenorchester spielen junge und alte Menschen gemeinsam. | Bild: Musikakademie

Wie erfolgreich die Musikakademie arbeitet, zeigte Caroline Wintermantel anhand der Schülerbelegungszahlen auf: Diese sind seit 2005 von 257 auf 1924 gestiegen. Zahlreiche Kooperationspartner im Bereich Schulen und Kindergärten haben die Akademie gebeten, die Zusammenarbeit fortzusetzen oder sogar auszubauen. „Das ist jetzt aber natürlich durch Corona alles nicht möglich“, so Wintermantel. Sie erwähnte auch die erfolgreichen Bürgerkonzerte im Kurgarten und Projekte zur Integrationsförderung, die der Musikakademie sehr am Herzen liegen.

Akademieleiter Gerhard Wolf stimmte die Stadträte gleich darauf ein, dass sich die Coronazeit deutlich im Jahresbericht 2021 niederschlagen werde. Der Lock Down habe im März zu einem plötzlichen Aus sämtlicher Projekte geführt. Durch Online-Unterricht sei es gelungen, viele Schüler bei der Stange zu halten. Sein spezieller Dank galt den Stadtmusiken und der Stadtharmonie: „Nur durch unser großes Netzwerk und die tolle Zusammenarbeit sind wir einigermaßen glimpflich durch die Coronakrise gekommen.“

Katharina Hirt (CDU) erklärte: „Es erweist sich als Glücksfall, dass wir die Musikakademie in der Stadt haben, die sich trotz der schwierigen Lage gut geschlagen hat und tolle Arbeit leistet.“ Die Akademie mache das Beste aus dem, was sie bekomme. Berthold Ummenhofer von den Freien Wähler bedauerte, dass Corona dem gemeinsamen Musizieren Grenzen gesetzt hat. „Die 480000 Euro sind bestens angelegt“, so Ummenhofer. Für die SPD betonte Birgitte Schäfer: „Wir sind stolz, dass wir diese Akademie haben. Sie realisiert nicht nur Leuchtturm-Projekte, sie arbeiten jeden Tag erfolgreich mit Kindern.“

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