Aktuell läuft der zehnte Bauabschnitt der Stadtmauersanierung in Villingen: Gearbeitet wird am Rondell im Bereich der Klosterring- und St. Ursula-Schulen, teilt die Stadtverwaltung mit. Dort seien die Steine bereits aus dem Mauerwerk herausgefallen. Da sich die Anlage auf einem Schulhof befinde, bestehe hier dringender Sanierungsbedarf. Das Rondell stamme etwa aus dem Jahr 1570 und gelte damit als jüngster Abschnitt der Villinger Stadtmauer.

Christine Blessing vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (Mitte) erläutert Lehrern der St.-Ursula-Schulen die spannende Baustelle am Rondell im Bereich der Klosterring- und St. Ursula-Schulen.
Christine Blessing vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (Mitte) erläutert Lehrern der St.-Ursula-Schulen die spannende Baustelle am Rondell im Bereich der Klosterring- und St. Ursula-Schulen. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

Pflanzenwurzeln sprengen Fugen

Ende September habe die Firma Günter Bausanierung aus Unterkirnach mit den Arbeiten begonnen, heißt es in der Mitteilung. „Wir haben hier viel Feuchteeintrag von oben, wodurch sich im Inneren des Mauerwerks Pflanzen entwickeln. Alles, was dort wächst, sprengt die Fugen“, wird Christine Blessing vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau zitiert. Deshalb würden erst die Fugen gereinigt, dann wieder gefüllt, bevor die Steine zurück in die Mauer gesetzt würden.

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„Ziemliche Fleißarbeit“

Alle Steine würden wiederverwendet. „Durch ihre unterschiedliche Größe ist das Einsetzen eine ziemliche Fleißarbeit, denn am Ende muss das Gesamtbild stimmen. Von oben wird das Mauerwerk verkleidet, um zukünftige Feuchteeinträge zu vermeiden“, so die Stadt. „Die Stadtmauer hier ist einmalig, ein solches Mauerwerk gibt es nirgends“, wird Alvaro Costas-Corbal zitiert, der bereits seit dem ersten Bauabschnitt 2012 die Sanierungsarbeiten durchführe.

Alvaro Costas-Corbal von Günter Bausanierung vor dem Abschnitt der Villinger Stadtmauer, der derzeit saniert wird.
Alvaro Costas-Corbal von Günter Bausanierung vor dem Abschnitt der Villinger Stadtmauer, der derzeit saniert wird. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung

Rund 300 000 Euro stehen der Mitteilung zufolge jährlich für die Stadtmauer-Sanierung zur Verfügung. Sämtliche Abschnitte unterstütze das Land mit Zuschüssen, unter anderem auch, weil es sich bei der Stadtmauer um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung handele.

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Gibt es einen verborgenen Hohlraum?

„Wir wollten wissen, ob das Rondell als nachträglicher Anbau erbaut wurde und ob sich darunter ein Hohlraum befindet“, so Christine Blessing. Mehr zwei Meter in die Tiefe hätten die Mitarbeiter der Firma Günter Bausanierung gegraben und dabei unzählige alte Scherben entdeckt.

Einer der Scherbenfunde vom Rondell der Stadtmauer im Bereich der Klosterring- und St.-Ursula-Schulen.
Einer der Scherbenfunde vom Rondell der Stadtmauer im Bereich der Klosterring- und St.-Ursula-Schulen. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

Vermutlich mehrere Umbauphasen

Darunter seien bunte Ofenkacheln, Scherben aus Glas oder Ton von Alltagsgegenständen wie Vasen, aber auch Tierknochen. Das gesamte Plateau sei vermutlich in mehreren Umbauphasen komplett aufgefüllt worden.

Praktischer Unterricht vor der Schultüre

Der Zugang zum Rondell befindet sich auf dem Gelände des Klosters und der St-Ursula-Schulen. „Über die laufenden Sanierungsarbeiten und die spannenden Funde informierten sich bei einem Baustellentermin Schulrektor Johannes Kaiser und einige Geschichtslehrer“, teilt die Stadt weiter mit.

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Noch etwa drei Wochen liefen die Bauarbeiten: „In dieser Zeit können sich auch Schulklassen das Mauerwerk und die historischen Scherbenfunde ansehen und natürlich anschließend recherchieren, aus welcher Zeit und von wem die Ofenkacheln stammen“, so die Stadt. „Ich denke, die Scherbenfunde stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Klarissen-Kloster, aber vielleicht finden Sie mit Ihren Schülern weitere Details heraus“, zeige sich Christine Blessing neugierig.

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